27.09.2013

Arnd Zeiglers Gebote für gute Stadionmusik

Die Hermes House Band ist EVIL!

Seite 2/3: Van Morisson und DJ Ötzi
Text:
Arnd Zeigler
Bild:
imago

Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht. Und weil es die nicht gibt, bleiben dem Mann am Mischpult nur ein paar grundlegende Kniffe, um dennoch einen guten Job zu machen. Grundsätzlich sollte er geschmackssicher vorgehen oder zumindest das spielen, was er für geschmackssicher hält. Das bedeutet nicht, dass nur höchstes Musikniveau gestattet ist und Trash komplett verboten. Denn auch diese Kriterien liegen ja komplett im Auge des Betrachters (bzw. dem Ohr des Zuhörers). Und Trash kann auch mal ganz schön sein, wenn er funktioniert und im Stadion einer Menge Leute eine Freude macht. Wäre das anders, dann hätte es Klaus und Klaus nie gegeben.

Weiter kommt man zunächst am besten nach dem Ausschlussverfahren. Wenn man sich als ersten Schritt ganz grundsätzlich gegen die Hermes House Band und DJ Ötzi entscheidet, hat man schon eine Menge gewonnen. Wer als Musikschaffender auf niederste Instinkte zielt, um in Fußballstadien gespielt zu werden, den sollte man einfach nicht in einem Fußballstadion spielen. Ausgenommen sind hierbei die Vereinssongs. Die geschehen oft einfach so und sind dann nur schwer wieder wegzukriegen. Deshalb erfüllen sie eine Sonderstellung, laufen außer Konkurrenz und sollten sich besser keiner qualitativen Diskussion stellen müssen.

Wunschmusik der Spieler

Problematisch kann es werden, wenn man die Wunschmusik der Spieler auflegt. Im Idealfall hören sie genau das, was Jungs um die 25 nun mal hören: »Hauptsächlich R’n’B, aber eigentlich auch sonst alles, was so aktuell ist.« Das geht in gewissen Dosen ganz passabel, aber soundtechnisch sind Stadien für Werke von 50 Cent oder David Guetta ziemlich ungeeignet. Ich bin kein Tontechniker und kann nicht fundiert erklären, woran das liegen könnte. Ich sage es mal mit meinen Worten: Es klingt einfach richtig scheiße.

Richtig gut funktionieren hingegen Songs aus einer Zeit, als hochentwickelte Lautsprecher noch von untergeordneter Bedeutung waren: Marvin Gaye, Northern Soul, Slade und die unvermeidlichen Status Quo. Ich will nicht sagen, dass Derartiges im Stadion der Erfindung des Rades gleichkommt, aber ich kann damit gut leben und im Idealfall ist »Move On Up« von Curtis Mayfield ein Song, bei dem man als 8-jähriges Einlaufkind ebenso gut mitwippen kann wie mit Mitte 50.

»In the Garden«

Kommen wir noch mal zurück zu Musikwünschen der Spieler. Einer solchen Idee verdanke ich die musikalisch surrealsten Minuten, die ich jemals in einem Stadion erleben durfte / musste. Es ist lange her. Der Irland-affine Marco Bode spielte noch für Werder, und sein Wunsch war »In the Garden« von Van Morrison. Ätherische sechs Minuten, in denen es textlich um transzendentale Meditation geht und vom großen Meister Van musikalisch alles dafür getan wird, dass seine Zuhörer wohlig wegdämmern. Und das haben wir dann auch getan, alle miteinander. Dass das Spiel anschließend pünktlich angepfiffen werden konnte, grenzt an ein Wunder.

 
 
 
 
 
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