09.07.2014

Arjen Robben vor dem Spiel gegen Argentinien

Der holländische Wundenheiler

Arjen Robben ist in der Form seines Lebens. Das liegt vor allem an seiner Fitness. Einer seiner Ex-Trainer hält ihn gar für den besten WM-Spieler – vor Lionel Messi.

Text:
Ilja Behnisch
Bild:
imago

Er sei ein bisschen neidisch auf den Arjen Robben von heute, sagte Bert van Marwijk im niederländischen Fernsehen nach dem Viertelfinalsieg über Costa Rica. Der Ex-Nationaltrainer der Holländer, der die Mannschaft bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika bis in das Finale gegen Spanien brachte, wollte damit aber keinesfalls die Leistungen Robbens unter seiner Ägide schmähen. Ganz im Gegenteil. »Er spielte super im letzten Testspiel vor der WM«, erinnerte sich van Marwijk, doch dann zog sich Robben einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu.

Er lief dennoch auf, spielte gut und fast wäre er, obwohl er körperlich bei Weitem nicht bei 100 Prozent war, zum Helden geworden. Im Finale, das Spanien in der Verlängerung mit 1:0 für sich entscheiden konnte, hatte Robben sie auf der Fußspitze, die Führung für Holland, die in dem engen, umkämpften Spiel mit großer Wahrscheinlichkeit zum Sieg gereicht hätte. Doch Robben scheiterte in dieser 62. Minute des Endspiels am spanischen Torwart Iker Casillas.

»Der Ball muss rein. So eine große Chance!«

»Es war der bitterste Moment meiner Laufbahn«, sagte Robben dieser Tage und gestand, dass er diesen Augenblick nie vergessen werde, wie er schon direkt im Anschluss an das Turnier in Südafrika erklärte: »Der Ball muss rein. So eine große Chance, ein WM-Finale zu gewinnen, kommt nicht so oft – vielleicht nie wieder.«

Dass Holland nur vier Jahre später erneut kurz vor dem WM-Finale steht, ist neben dem Geschick des aktuellen Trainers Louis van Gaal vor allem auch Robben zu verdanken. Der Flügelstürmer ist so stark wie vielleicht nie zuvor in seiner Karriere. Bert van Marwijk geht sogar einen Schritt weiter und gerät ins Schwärmen: »Wer der Beste ist, Messi oder Robben? Arjen. Kein Zweifel möglich.« Doch wie erklären sich die Leistungen Robbens?

Die langen Krankenakte des Arjen Robben

Ein Erklärungsansatz liegt in der von Bert van Marwijk so beneideten Fitness, die Robben in das Turnier gebracht hat. Lange Zeit seiner Karriere schleppte er das Image eines Spielers aus »Glasknochen« mit sich herum. Immer wieder zwangen ihn mal kleinere, mal größere Verletzungen zu mal kürzeren, mal längeren Pausen. Fleischwunde, Leistenprobleme, Rückenprobleme, Muskelfaserriss, Leistenbruch, Schambeinentzündung, Achillessehnenreizung, Muskelriss. Nur ein winziger Auszug aus der langen Krankenakte des physisch einst so labilen Stürmers. Doch das letzte halbe Jahr vor der Weltmeisterschaft verlebte Robben ohne ein einziges Wehwechen. Er habe seinen Körper gut kennengelernt über die Jahre und wisse nun, wann er Vollgas geben kann und wann er sich zurücknehmen müsse, sagte er Ende 2013.

 
 
 
 
 
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