Arjen Robben und die 89. Minute von Wembley

Das Tor seines Lebens

Der vielleicht letzte große Individualist seines Sports ist endlich auf dem Gipfel. Und zwar als Teil einer Mannschaft. Das Tor von Wembley hat der Laufbahn des Ausnahmefußballers Arjen Robben eine neue Richtung gegeben.

Bis Samstagabend gab es zwei typische Szenen, die einem halbwegs informierten Fußballfan im Geiste erscheinen mussten, wenn der Name Arjen Robben fiel. Die eine: Wie Robben auf der rechten Seite den Ball bekommt, den Kopf vorbeugt, die Arme ausfährt wie ein Skirennfahrer auf der Abfahrt und dann nach links in die Mitte zieht. Tausendfach hat man das von Robben schon gesehen, jedes Mal empfindet man dabei eine Mischung aus Begeisterung und Überraschung. Überraschung, weil man sich fragt, warum diese Bewegung eigentlich so häufig zum Erfolg führt, wo sie doch jeder Verteidiger der Welt ebenfalls tausendfach gesehen, studiert und eingespeichert hat. Begeisterung, weil eben kein Fußballer der Welt – von Lionel Messi mal abgesehen – diese Bewegung mit solcher Geschwindigkeit, Explosivität und Eleganz vollführt wie Arjen Robben.

Wieder mal hatte Robben ein Spiel alleine verloren

Die zweite Szene hat man in der langen Karriere Arjen Robbens erst ein paar Mal gesehen. Aber bis zum vergangenen Samstag war sie so intensiv im kollektiven Gedächtnis, das Robben noch tausend Dribblings hätte ausführen können, die Szene wäre unauslöschbar mit seiner Person in Verbindung gebracht worden. Möglicherweise bis weit über sein Karriereende hinaus. Es sind die, wie Arjen Robben im entscheidenden Moment eines entscheidenden Spiels eine entscheidende Chance versiebt. Wie er den Kopf hängen lässt, weil die ganze Last der Verantwortung an seinem kahlen Haupt zu hängen scheint. Wie er, dieser wunderbare Fußballer, wieder mal ein Spiel ganz alleine verloren hat.

Das ist natürlich Quatsch. Kein Spieler, nicht mal Arjen Robben, kann ein Spiel alleine gewinnen oder verlieren. Deshalb ist es ja ein Mannschaftssport. Aber gerade bei Arjen Robben hat man diese Tatsache in den vergangenen Jahren sehr häufig vergessen. Weil er der vielleicht letzte große Individualist des Weltfußballs war. Selbst sein exzentrischer Kollege Franck Ribery, selbst der gockelhafte Cristiano Ronaldo, selbst das Über-Talent Lionel Messi spielten mannschaftsdienlicher als der Holländer. Vielleicht konnte Brasiliens Jungstar Neymar noch mit seiner Spielweise Arjen Robben das Wasser reichen, aber Neymar spielte bisher in der brasilianischen Liga und damit für uns Europäer unter dem Radar, er zählte nicht.

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