Argentinischer Papst-Klub-Keeper nach Abpfiff verhaftet

Unheilig

Böse Überraschung für San Lorenzos Keeper Pablo Migliore: Auf dem Weg in die Kabine wartete die Polizei auf ihn. Statt nach der Heimniederlage gegen Newell’s Old Boys nach Hause zu fahren, führte ihn der Weg ins Gefängnis.

Die Verhaftung erfolgte zur Hauptsendezeit. Die Journalisten, die nach der Partie am vergangenen Sonntag in den Katakomben des »Nuevo Gasómetro« mit ihren Kameras und Diktiergeräten ausgeharrt hatten, wollten eigentlich nur noch ein paar Stimmen der Akteure sammeln. Routine im Anschluss an jedes Fußballspiel. Doch an diesem Abend geriet die Aufarbeitung der 0:1-Pleite von San Lorenzo gegen Newell’s Old Boys zur Nebensache. Torhüter Pablo Migliore war noch im Stadion verhaftet worden.

Auf dem Weg zum Duschen hatte die Polizei den Schlussmann des argentinischen Erstligistens San Lorenzo im Spielertunnel in Empfang genommen. Drei Stunden später, um 23 Uhr, rauschte die Kolonne mit dem Fußballprofi von der Arena in Richtung Kommissariat. Migliore wird vorgeworfen, einen Anhänger der Boca Juniors zu decken, der verdächtigt wird, am 29. August 2011 maßgeblich am Mord an Ernesto Cirino beteiligt gewesen zu sein.

Erst vor wenigen Tagen war der Lieblingsklub des neuen Papstes Franziskus weltweit in aller Munde gewesen. Nun steht der Verein, der den Spitznamen »die Heiligen« trägt, erneut im Mittelpunkt des medialen Interesses. Diesmal aber mit Negativschlagzeilen. Der »Fall Migliore« trübt dabei zudem eine Woche, die eigentlich ganz im Zeichen der Feierlichkeiten anlässlich des 105. Jahrestages der Klubgründung hätte stehen sollen.

Der Auslöser: ein Hund

Hintergrund der Affäre ist ein Nachbarschaftsstreit zwischen Ernesto Cirino und Gustavo Petrinelli, Schwager von Mauro Martín, dem damaligen Chef der berüchtigten Ultragruppierung der Boca Juniors namens »La Doce«. Der Auslöser: Cirinos Hund.

Von dem kläffenden Vierbeiner hatte sich Petrinelli belästigt gefühlt und Martín um Hilfe gebeten. Dieser tauchte daraufhin mit weiteren Boca-Hooligans im Schlepptau bei Cirino auf. Unter ihnen auch seine rechte Hand: Maximiliano Mazzaro. Die Konfrontation eskalierte. Zwei Tage später erlag Cirino im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Während Martín bereits in Untersuchungshaft sitzt, ist Mazzaro seit Anfang des Jahres auf Tauchstation. Migliore wird nun beschuldigt, einen der Hauptverdächtigen im Mordfall Cirino zu decken. Dem Profi von San Lorenzo waren mehrere abgehörte Telefonate zum Verhängnis geworden, die ihn in Verbindung mit Mazzaro bringen. So soll er unter anderem bei der Beschaffung eines Fluchtautos geholfen haben.

Migliores Beziehung zur Ultraszene des Ligarivalen seines aktuellen Arbeitsgebers ist seit langem bekannt. Zwar konnte er sich in der Zeit von 2006 bis 2008 sportlich nicht zwischen den Pfosten der Boca Juniors durchsetzen. Dennoch machte er nie einen Hehl aus seiner Liebe zum Traditionsklub. Bereits als kleiner Junge hatte Migliore an der Seite seines Vaters auf den Rängen der legendären Bombonera gestanden.

»Und was gibt es da für ein Problem?«

Längst in Diensten von San Lorenzo, besuchte Migliore auch weiterhin gelegentlich mit Mitgliedern von »La Doce« die Boca-Spiele. Trotz Sonnenbrille und tief ins Gesicht gezogener Baseballmütze wurde er einst beim Auswärtsspiel gegen Argentinos Juniors auf der Tribüne im Boca-Fanblock gesichtet. »Und was gibt es da für ein Problem?«, hatte sich Migliore damals verteidigt.

Nun jedoch scheint ihm seine enge Verbindung in die Ultraszene zum Verhängnis zu werden. Dort ist übrigens auch Migliores Bruder Fernando aktiv. Im vergangenen Jahr wurde er vor einer Partie durch eine Kugel verletzt.

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