Argentinische Hooligans reisen zur WM

Ihr gutes Recht

Während sich Behörden bemühen eine friedliche WM auszurichten, reisen 650 argentinische Hooligans vollkommen unbehelligt nach Brasilien. Mit juristischer Unterstützung.

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Wenn am Donnerstag in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, werden unter den begeisterten Fans aus aller Welt auch schätzungsweise 100.000 Argentinier sein. 650 von ihnen haben sowohl die brasilianischen als auch die argentinischen Behörden schon länger im Auge, denn sie gelten als extrem gewaltbereit und sind der Polizei wegen Drogenhandel, Erpressung oder versuchtem Mord bekannt.

»Diese Menschen sind argentinische Staatsbürger«

Und obwohl man in beiden Ländern alles daran setzt, eine Einreise dieser Hooligans nach Brasilien zu verhindern, könnten die Bemühungen am Ende scheitern, denn die Fanclubs, Barras Bravas genannt, sind extrem gut organisiert und haben sogar eine Anwältin eingeschaltet. Débora Hambo hat im Namen dieser 650 Hooligans Klage gegen den argentinischen Staat eingereicht, um zu verhindern, dass die Namen ihrer Klienten auf einer schwarzen Liste landen. So wären sie von den Behörden leicht zu identifizieren, doch nach ebendieser Klage sind dem argentinischen Staat bis zur offiziellen Entscheidung eines Gerichts die Hände gebunden. Sprich, sie können mehr oder weniger nichts dagegen unternehmen, dass die Hooligans das Land Richtung Brasilien verlassen. Hambo sagt: »Diese Menschen sind argentinische Staatsbürger, und ihre Daten sind privat.«

Zusätzlich erschwert wird die Lage durch den Umstand, dass sich die Hooligans bereits 2009 zu einer Non-Government-Organisation, kurz NGO, zusammengeschlossen haben, den »Hinchadas Unidas Argentinas«, in etwa »Vereinigte Fans Argentiniens«. 38 argentinische Clubs wie Temperley, San Miguel, Gimnasia y Esgrima de La Plata und andere sind unter dem Dach der HUA vereinigt. Bereits 2010 waren so mehr als 300 Fans zur WM in Südafrika gereist. Offiziell kam es zwar zu keinerlei Ausschreitungen dort, dennoch wurden 18 argentinische Fans verhaftet und in der »Lindela Holding Facility« eingesperrt, bevor sie wieder des Landes verwiesen wurden. Marcelo Mallo, damals Anführer der Organisation, wurde vergangenes Jahr wegen Scheckbetruges im großen Stil verhaftet. Darío Ruíz, argentinischer Untersekretär in Sicherheitsfragen, betont denn auch, man werde »alles unternehmen, damit sich die WM friedlich gestaltet und alle Fans das Spektakel auch genießen können.« Der brasilianische Sportminister José Rebelde fügt hinzu: »Denjenigen Fans, die auf Kriegsfuß mit der Justiz stehen, werden wir den Zutritt in unser Land verweigern. Sollten sie doch die Grenze überqueren, werden wir sie identifizieren und zurückschicken.«

Vielleicht sogar 1000 potentielle Gewalttäter

Luis María Kreckler, argentinischer Botschafter in Brasilien, verspricht zudem: »Staats- und Bundeshörden sind momentan in Gesprächen mit sämtlichen Sicherheitsvertretern der Länder, die zur WM fahren. Auf diese Weise wollen wir verhindern, dass zum Beispiel die argentinischen Barras Bravas oder englische Hooligans einreisen.« Débora Hambo, die Anwältin der Hooligans, sieht ihre Mandanten aber im Recht und kündigte bereits an, ihre Klienten würden wie geplant zu Beginn der WM einreisen - und auch die Spiele gegen Bosnien, Iran und Nigeria in Rio, Belo Horizonte und Porto Alegre besuchen. Die wichtigste argentinische Zeitung »Clarín« spricht sogar von bis zu 1000 möglichen Störenfrieden. Besonders pikant: Offenbar haben die Hooligans extra zu diesem Zweck Frieden mit ihren brasilianischen Gesinnungsgenossen geschlossen. Einer der berüchtigsten brasilianischen Hooligans, Gilberto »Giba« Bittencourt Viegas jedenfalls brüstet sich in der Zeitschrift »Hombre« damit, seine Brüder feierlich empfangen zu wollen und Schlafplätze für bis zu 1200 Personen im Großraum Porto Alegre bereitzustellen. Die brasilianische Justiz untersucht momentan in diesem Zusammenhang die Übergabe von 200 Eintrittskarten von einem noch unbekannten Beamten an Viegas. »Ich habe die Eintrittskarten nicht gekauft, man hat sie mir geschenkt«, so Viegas dazu. »Dafür helfe ich dann den Politikern dank der Leute, die mir hier unterstehen.«

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