Argentinier verhöhnen den Erzfeind

»Wie fühlt ihr euch mit Papa im Haus?«

Die argentinischen Fans verhöhnen in einem Gesang ihre brasilianischen Rivalen - auch die Mannschaft stimmt mit ein.

imago

Die Copacabana stand immer symbolisch für Brasilien. Das ist bei dieser WM nicht mehr ganz der Fall. Fans aus Argentinien haben sich dort niedergelassen, sie tragen Masken vom Stellvertreter Gottes und ihrem Gott höchstselbst (Papst Franziskus und Maradona), sie singen, feiern und tanzen - und zwar in einer solchen Masse und Lautstärke, dass so mancher Brasilianer schon von einer Okkupation des ungeliebten Nachbarn spricht.

»Oh, mein Gott, sie haben unsere Strände eingenommen«, entfuhr es der brasilianischen Sängerin Isabel Monteiro beim Anblick der blau-weißen Fanschar. Die argentinische Sport-Zeitung mit dem eingängigen Titel »Olé« druckte ein Foto vom überfüllten Strand und nannte es den »argentinischen Karneval an der Copacabana«.

Sie gefallen sich sichtlich und hörbar in der Rolle des ungebetenen Gastes, der dem Erzfeind auf der Copa herumtanzt. Schnell machte ein Gesang die Runde, der mittlerweile zum WM-Hit avancierte - zumindest aus argentinischer Sicht. Er beginnt mit der Aufforderung »Brasil, decime qué se siente« und fragt die Brasilianer kurz gesagt: Wie fühlt es sich für euch an, dass Papa zu Hause ist?

Die Vatermetapher steht hier für die Überlegenheit der angeblich besseren Fußball-Nation. Wenn Argentinier gegen Brasilianer Fußball spielen, wäre das, als würde ein Vater seinem kleinen Sohn auf dem Feld die Grenzen aufzeigen. Die Argentinier klebten zudem auf Straßenschildern neben das "Brasil" einen Zettel mit dem Text der ersten Zeile und darunter eine argentinische Fahne.

Der höhnische Gesang erfreut sich nicht nur unter den Fans großer Beliebtheit: Nach dem Viertelfinalsieg über Belgien kursierten im Internet Videoaufnahmen aus der Mannschaftskabine, auf denen die Spieler ausgelassen den Fangesang schmettern und dazu tanzen. Sie wedeln mit ihren Trikots und klatschen im Takt auf ihre Spinde - und preisen damit auch ihren eigenen Mitspieler.

Der Text:
Brasil, decime qué se siente
tener en casa tu papá.
Te juro que aunque pasen los anos,
nunca nos vamos a olvidar
Que el Diego te gambeteó,
que Cani te vacunó,
que estás llorando desde Italia hasta hoy.
A Messi lo vas a ver la copa nos va a traer,
Maradona es más grande que Pelé.

Frei übersetzt:
Brasilien, sag mir, wie es sich anfühlt,
dass Papa in deinem Haus ist.
Ich schwöre, dass selbst nach all den Jahren
wir niemals vergessen,
wie Diego dich umdribbelte
und Cani(ggia) es euch besorgte
Ihr weint seit Italien bis heute
Ihr werdet Messi sehen,
wie er uns den Pokal zurückbringt
Maradona ist größer als Pelé

In dem Gesang geht es um das Achtelfinale der WM 1990 in Italien, als Argentinien dank Maradonas Sololäufen und Claudio Caniggias 1:0-Siegtor die Brasilianer aus dem Turnier warf. Auf den obligatorischen Hinweis, dass Maradona größer als Pelé sei, konnten die Fans auch in diesem Lied nicht verzichten. Schon während der Spiele lieferten sich die Fanlager in den Stadien einen Gesangswettstreit, in dem abwechselnd die Brasilianer den Falklandkrieg und die Argentinier jene traumatische Finalniederlage der Brasilianer bei der WM 1950 zum Thema machten.

Die Melodie rührt von dem Song »Bad moon rising«, einem Klassiker der amerikanischen Rockband Creedence Clearwater Revival aus dem Jahr 1969. Auch im englischen Fußball wurde das Lied häufig adaptiert. Anhänger von Manchester United priesen ihren Verein in dem Gesang »Stretford end arising« und machten sich über das äußere Erscheinungsbild der Fans von Chelsea lustig. »You think that your moustache is fucking trendy« - »Ihr denkt, eure Schnäuzer sind schick.«

In Argentiniens Vereinsfußball ist der Gesang ebenso etabliert, zuerst gehört bei den Hinchas von San Lorenzo. Als der glorreiche Verein River Plate nach 110 Jahren in die zweite Liga abstieg, blieb der Spott der Rivalen nicht aus: »River, decime qué se siente« - »River, wie fühlt sich das an?«

Bei der WM in Brasilien bleibt es allerdings nicht bei kreativen Gesängen. Nach dem Achtelfinalsieg gegen die Schweiz sollen argentinische Fans 300 Sitze im Stadion zertrümmert haben. Auch die Reaktion auf die Verletzung Neymars dürfte nur Liebhaber des besonders schwarzen Humors amüsiert haben. Argentinische Fans jubelten am Sonntag und wedelten mit einer Wirbelsäulennachbildung aus Plastik.

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