Argentinien scheidet bei der Copa America aus

Das angespannte Verhältnis

Argentinien ist im Viertelfinale der Copa America ausgeschieden. Als Grund wird auch die schwache Leistung Messis angeführt. Dabei sollte die Copa die Albiceleste und den Wunderstürmer endlich versöhnen. Argentinien scheidet bei der Copa America ausimago

Die Lippen von Lionel Messi blieben auch diesmal stumm. Während seine Mitspieler auf dem Rasen des Stadions »Brigadier López« in Santa Fé vor dem Viertelfinale der »Copa América« gegen Uruguay innbrünstig die Strophen der argentinischen Nationalhymne intonierten, richtete sich der Blick des Weltfußballers starr geradeaus. Genau zehn Tage waren vergangen, als Messi an gleicher Stelle erstmals in seiner Karriere eine Arena unter den Pfiffen der eigenen Fans verlassen hatte.

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Die schwache Leistung beim torlosen Remis im zweiten Gruppenspiel gegen Kolumbien hatten seine Landsleute zum Anlass genommen, dem Star des FC Barcelona erneut mangelnde Leidenschaft im Dress des Selección vorzuwerfen. Am Rio de la Plata begreift man einfach nicht, wieso Messi mit den himmelblau-weißen Farben auf der Brust nicht ebenso brilliert wie jenseits des Atlantiks.  

Alle Titel für einen Erfolg mit der Selección

Nach 120 dramatischen Minuten inklusive anschließendem Elfmeterschießen gegen den WM-Vierten von Südafrika zweifelte zwar niemand mehr an Messis untadeliger Einstellung. Um die Stadt im Nordosten Argentiniens wird er künftig wohl trotzdem einen großen Bogen machen. Umringt von jubelnden Uruguayern schlich Messi mit hängendem Kopf in die Kabine. Der Traum vom Triumph vor eigenem Publikum war geplatzt.

Dabei sollte die Südamerikameisterschaft im eigenen Land der Wendepunkt im angespannten Verhältnis zwischen Messi und der Albiceleste werden. Seit 18 Jahren wartet Argentinien auf einen Copa-Gewinn. »Ich würde all meine Tore und Titel für einen Erfolg mit der Selección eintauschen«, hatte Messi im Vorfeld gesagt. Der Grund für seinen weiterhin unerfüllten Wunsch hat einen Namen: Fernando Muslera.

Uruguay knapp eine Stunde in Unterzahl

Uruguays Torhüter trieb Messi mit seinen Glanzparaden schier zur Verzweiflung. Egal, wohin der 24 Jahre alte Superstar auch zielte, Muslera brachte noch eine Hand dazwischen. »Von so einer Partie kann man einfach nur träumen«, stammelte der Keeper hinterher überglücklich vor den TV-Kameras. Lediglich Gonzalo Higuain war es an diesem Abend per Kopf gelungen, Muslera aus dem Spiel heraus zu bezwingen (17.). Zuvor hatte Diego Perez Uruguay früh in Führung gebracht (5.). Später musste er nach Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen.

In Unterzahl stemmte sich der Außenseiter knapp eine Stunde lang erfolgreich gegen den Angriffswirbel der Copa-Gastgeber, blieb seinerseits aber auch bei Kontern stets gefährlich. In die Verlängerung ging es dann wieder mit ausgeglichenem Personal. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit kassierte Argentiniens Kapitän Javier Mascherano für ein rüdes Foul auf Höhe der Mittellinie die Rote Karte. Im Elfmeterschießen wurde Muslera endgültig zu Messis Alptraum, als er den Schuss von Carlos Tévez parierte.

Während seine Spieler kommentarlos den Ort der Enttäuschung verließen, versuchte Argentiniens Trainer Sergio Batista den erneuten Tiefschlag nach dem blamablen WM-Aus vor einem Jahr in Südafrika gegen Deutschland in Worte zu fassen. Weitgehend frei von Selbstkritik, weigerte sich der Nachfolger von Diego Maradona jedoch beharrlich, das Abschneiden als »Fiasko« zu bezeichnen. Bei vier Auftritten konnte seine Truppe lediglich das Duell mit Costa Rica für sich entscheiden. Wie gegen Kolumbien hatte es auch gegen Bolivien im Eröffnungsspiel nur zu einem Unentschieden gereicht.

Trotzig betonte Batista, dass sein Projekt ohnehin langfristig angelegt sei. »Oberste Priorität hat die WM 2014 in Brasilien«, sagte er und verließ das Podium der Pressekonferenz mit einer Kampfansage: »Ich denke nicht daran, meinen Hut zu nehmen.«

»Hört auf, den armen Jungen zu malträtieren.«

Derweil dürfte Messi froh sein, bald wieder im Flieger in Richtung Europa zu sitzen. In seiner Wahlheimat Spanien erwarten sie ihn bereits mit offenen Armen. Ungläubig hat man dort verfolgt, wie die Argentinier mit ihrem Star umgehen: »Gebt ihn uns so unbeschädigt wie möglich zurück. Und hört auf, den armen Jungen zu malträtieren. Er könnte für immer uns gehören, hat sich aber für euch entschieden«, heißt es in einem Kommentar der katalanischen Zeitung »El Periódico de Catalunya«.

Messi selbst wird es nie öffentlich zugeben. Hoch über den Wolken wird aber auch der gescholtene Ausnahmekönner vielleicht kurz darüber nachdenken, was wohl passiert wäre, hätte er sich damals für die spanische Auswahl entschieden. Beim amtierenden Weltmeister würde er nicht nur mit seinen kongenialen Klubkameraden Xavi und Iniesta zusammenspielen. Auch um Kritik an seiner Gesangsfaulheit müsste er sich nicht mehr scheren, Die Hymne der Iberer hat keinen Text.

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