Anzeigetafeln aus der Fußball-Prämoderne

Und jetzt: Stimmung!

Weil in den achtziger und neunziger Jahren kaum Stimmung in den Stadien aufkam, wurden die Zuschauer über die Anzeigetafeln zum Klatschen, Singen oder Lachen animiert. Ein Rückblick in Wehmut.

Die Revolution hieß Astrovision. Im Sommer 1994 installierte der 1. FC Kaiserslautern als erster Bundesligaklub dieses neue Anzeigetafelmodell, und voller Stolz verkündete Geschäftsführer Klaus Fuchs wenig später, es sei das »leistungsfähigste auf der Welt«.
 
Zahlreiche Bundesligavereine hatten unlängst VIP-Logen bauen lassen, sie dachten über eigene TV-Sender oder neue Fanartikel nach. Alles sollte in jenen Monaten eine Nummer größer und bunter werden. Aber Astrovision, so viel schien klar, war der heißeste Scheiß. »Mit dieser Anzeigetafel«, sagte Fuchs, »beginnt ein neues Zeitalter der Stadion-Kommunikation.«

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Das Supergerät aus Japan konnte hochauflösende und kontrastreiche Bilder oder Computeranimationen senden wie ein TV-Gerät. Der »Spiegel« schrieb damals: »An eine Kombination von Sport, Kommerz und Show ist gedacht, wenn etwa in der Halbzeitpause Werbespots in Kinoqualität oder für das weibliche Publikum eine Modenschau über die Fernsehwände flimmert.« Und FCK-Manager Reinhard Geye jubelte: »Wir werden mit diesen neuen technischen Möglichkeiten die Verweildauer der Zuschauer in unserem Stadion deutlich erhöhen.« Ein Stadionbesuch könne nun bis zu acht Stunden dauern. Dadurch würde sich auch das Gastronomie-Angebot verdreifachen.
 
Manche Fans fragten sich unweigerlich, warum man überhaupt noch nach Hause gehen sollte. Zu Hause gab es kein Astrovision.

Die Zeit vor Astrovision
 
Vor Astrovision hatten Anzeigetafeln vor allem einen Zweck: Sie sollten informieren. Und das taten sie. Holztafeln leisteten dem Publikum über 50 Jahre treue Dienste, auch wenn es in einigen Stadien vor allem bei Pokal- oder Testspielen zwischen Bundesligisten und Amateurteams immer mal zu Problemen kam, denn die meisten Tafeln konnten keine zweistelligen Ergebnisse anzeigen. Also wurde man erfinderisch, wie etwa Union Berlins Holztafelmann Karsten Linow, der die Tafel noch in den nuller Jahren bediente: »Ein 11:1 wäre kein Problem mehr, ich habe eine Extratafel mit einer Eins aus Klebeband gebastelt.«

Mit dem Beginn des digitale Zeitalters und dem Bau der seelenlosen Betonkessel wuchsen Anzeigetafeln auf die Größe eines Hubschrauberlandeplatz. Sie versprachen Modernität, Zukunft, Farbe und vor allem: die Wahrheit.
 
Doch auch sie waren fehlbar, mal gingen Pixel verloren, mal fehlten die richtigen Buchstaben. Bei Tottenham begrüßten sie etwa »Jurgen Klinsmann« und in Hamburg den neuen polnischen Stürmer »Jan Frtuk«. Zudem wurden sie von Menschenhand bedient, was manchmal in unfreiwillige Komik mündete. Im Sommer 1994 – der FC Bayern vertraute statt auf Astrovision weiterhin auf ein altes Modell – erschien auf der Anzeigetafel des Olympiastadions diese Information: »Eckenverhältnis: FC Bauern – Bayer Leverkusen 1:0«.

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