Antoine Griezmanns spektakuläre Rückkehr nach Lyon

Goodbye my lover

Als kleiner Junge stand Sociedad-Stürmer Antoine Griezmann Olympique Lyon als Fan bei, am Mittwochabend beerdigte sein Volley-Traumtor vorerst die Champions-League-Hoffnungen des ehemaligen französischen Abonnement-Meisters. Ein Abend zwischen Emotionen und Millionen.

Antoine Griezmann hat einen scheuen Blick, der Mütter in Alarmbereitschaft zu versetzen vermag. Und einen Torabschluss, der bei Abwehrreihen Alarm verursacht. Der Franzose verfügt über den berüchtigten »Riecher«. Er erzielt Tore, die man auch in der fünften Zeitlupe noch gern sieht. Weil Griezmann Präzision und Schusskraft vereint. Weil bei ihm selbst Abstauber sehenswert sind. So schenkte der Flügelstürmer dem spanischen Fußball etliche hinreißende Tore.

Unter diesen Treffern befand sich allerdings noch nie ein solch persönlicher wie jenes vom Mittwochabend. Sein Klub Real Sociedad San Sebastián, dank eines Griezmann-Tores am letzten Spieltag Sensationsvierter der vergangenen Saison, gastiert zur Champions-League-Qualifikation in Lyon. Zehn Jahre nach der bislang einzigen Königsklassen-Teilnahme nahmen die Basken erneut Anlauf. Vorhang auf, Flutlicht an, ein Spiel um Millionen. Und – für Griezmann – um Emotionen. Denn Lyon, aktueller Spitzenreiter Frankreichs, ist der Klub seiner Kindheit.

»Ich will einfach spielen«

»Olympique ist seit jeher mein Verein«, sagt der 22-Jährige vor dem Spiel. »Damals versuchte ich, jedes Spiel mit meinem Vater zu besuchen.« Ungeachtet der aufrüstenden Parvenüs aus Monaco und Paris sei Lyon von Spanien aus gesehen der Klub, der zähle. Griezmann verteilt vor seinem ersten Profi-Spiel in Frankreich einen bunten Strauß an Komplimenten, schiebt aber hinterher: »Es ist die Champions League. Ich will einfach spielen!«

Und das tut Antoine Griezmann. In Spielminute 17 wird Carlos Vela, der Sociedads juvenile Hochgeschwindigkeits-Flügelzange kompletiert, auf die Reise geschickt. Der Mexikaner flankt von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr. Griezmann steigt 15 Meter vor dem Tor hoch – für eine Weile scheint er quer in der Luft zu liegen und sich das Folgende en detail auszumalen. Dann schweißt Griezmann den Ball per Seitfallzieher direkt ins Tor – und indirekt in die Herzen derer, mit denen er früher im Stade de Gerland gefiebert hatte.

Übliches Statement zu einem unüblichen Spiel

Im Fanblock, wo er vor dem Anpfiff noch seinen alten Stammplatz ausgemacht hatte, herrscht Totenstille. Seine Mitspieler der U19-Europameistermannschaft von 2010, Clément Grenier und Alexandre Lacazette, blicken ungläubig auf die spanische Jubeltraube. Ein »scissor kick«, wie sie in Großbritannien ehrfürchtig sagen. In einem Champions-League-Spiel! Von einem Spieler, der als Junge in Olympique-Trikot herumlief! Eine »Ausgerechnet-Story«, wie sie nur der Fußball verlässlich zu liefern vermag.

Den Rasen des Stade de Gerland zu betreten, sei natürlich ein »emotionaler Moment« gewesen, floskelt Griezmann im branchenüblichen Sprech über ein unübliches Tor bei einer ungewöhnlichen Rückkehr. Der Schweizer Haris Seferovic sorgt fünf Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte gar für das 2:0. Lyon ist vor dem Auswärtsspiel am kommenden Mittwoch in Spanien mit einem Bein draußen. Ein Umstand, den Griezmann selbst vor einigen Jahren noch beklagt hätte.

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