Anthar Yahia über die »Unabhängigkeitself«

L'onze de l’indépendance

Als Algerien noch im Griff der französischen Kolonialherren war, hatte das Land an der Küste Nordafrikas bereits eine Fußballmannschaft, die »Unabhängigkeitself«. Bochums algerischer Nationalspieler Anthar Yahia erinnert sich. Anthar Yahia über die »Unabhängigkeitself«imago

Der Name sagt alles: L'onze de l’indépendance, die Unabhängigkeitself. Die Elf war ein Zeichen. Sie ist die Elf der Freiheit für uns. Ihre Spieler hatten großen Mut, sie waren politisch. Sie haben uns gezeigt, wie man sein Land lieben muss – obwohl das damals für sie überhaupt nicht einfach war. Ich bin auch deswegen so stolz, heute der algerische Kapitän zu sein, weil ich weiß, welche Männer damals in dieser Mannschaft standen.  
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Männer wie Rachid Mekhloufi, er ist der bekannteste von ihnen. Aber ich will niemanden hervorheben, ich bewundere sie alle. Leider habe ich noch keinen von ihnen treffen können. Wenn das eines Tages passiert, wäre ich vor ihnen wie ein kleines Kind. Mein Vater erzählte mir von ihnen, seit ich klein war. Er sagte immer, das waren richtige Kerle. Sie spielten einen sehr eleganten Fußball, das war auch später immer der Stil der algerischen Mannschaften.  

Aber nicht nur über die Elf sprachen wir, sondern auch über unsere Geschichte allgemein, den Krieg. Viele meiner Verwandten sind im Krieg gestorben, mein Opa sogar vor den Augen meines Vaters. Ein Krieg hat nur hässliche Seiten. Deswegen war die Elf so wichtig. Es war mehr als Fußball. Sie gaben den Menschen Hoffnung.   Wenn man die Geschichte kennt, weiß man, warum man für sein Land spielt. Für mich ist es das Größte. Jedes Mal, wenn ich die Nationalhymne höre, ist es das gleiche Gefühl wie beim ersten Mal. Wenn ich vor einem Länderspiel mit meinem Vater oder meiner Mutter spreche, sagen sie mir immer: Seid Männer auf dem Platz. Was sie meinen, ist: Wir wollen stolz auf euch sein. Mein Vater liebt die ganze Mannschaft wie seine Familie, alle Spieler sind wie Kinder für ihn. Die erste Frage ist immer: Wie geht’s den Jungs?  

Algerien ist eine große Liebe für mich. Ich bin in Frankreich und Algerien aufgewachsen, immer aber mit der Liebe zu Algerien im Herzen. Es ist eine Stimmung, ein Gefühl. Schon die Luft dort ist anders. Wenn man den Fuß auf den Boden setzt und tief einatmet, dann weiß man es...

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