13.05.2013

Anleitung: So feiert man eine Meisterschaft!

Früher war weniger Lametta

Seite 2/3: Einsam tschüss sagen, den Präsidenten nicht anrülpsen!
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Schritt 9: Einsame Verabschiedung!
Die Spieler feiern, die Massen sind elektrisiert und abgelenkt, der Stadion-DJ peitscht seine Lieblingsschlager mit Vereinsbezug durch die Boxen – jetzt ist der richtige Moment für ein paar zwar notwendige, aber eher unbeliebte Verabschiedungen verdienter Mannschaftsmitglieder. Der Ersatztorwart, der zwar seit zehn Jahren im Verein ohne Pflichtspiel ist, für den sich aber längst kein Schwein mehr interessiert. Der Physiotherapeut, im Klub seit 1980, zuletzt aber negativ durch Alkoholeskapaden im Trainingslager aufgefallen. Solche Fälle. Greifen sie sich als Präsident fix den angeschickerten Kapitän, einen Blumenstrauß, ein Mikrophon und bringen sie die Sache schnell hinter sich. Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Schritt 10: Feiern mit den Fans!
Ach ja, die Fans. Waren immer für sie da, standen immer hinter ihnen, 34 Spieltage lang. Gut, die Pfiffe beim 4:0-Sieg gegen Mainz, als es nach 15 Minuten noch immer 0:0 stand, die haben sie ziemlich aufgeregt. Aber sonst waren die Fans immer da. Jetzt müssen, pardon: wollen, sie auch mal was zurückgeben. Schmeißen sie die Stutzen und Schienbeinschoner ins Volk, die Teile stinken mit einer Mischung aus Schweiß und Bier ohnehin wie die Vorhölle. Und natürlich: die Humba! Das volle Programm, mit hinsetzen, Wechselgesang, aufstehen, Pogo. Das hängt ihnen nach 30 gewonnenen Spieltagen natürlich schon zum Hals heraus, aber heute geben sie noch einmal alles! Kommt immer gut: Mit den Ultra-Capos abklatschen und Arm in Arm den schönsten Tag ihres Lebens feiern.

Schritt 11: Feuerwehrtuch mit dem Trainer!
Ihr Trainer dürfte jetzt durch sein mit den ersten Fieldinterviews. Schnappen sie ihn sich und werfen ihn kichernd und johlend in die Luft. Vorsicht: Bei Übungsleitern jenseits der 65 sollten sie eine gewisse Vorsicht walten lassen, eine verstauchte Wirbelsäule kann den Spaß ganz schnell vermiesen. Längst ausgestorben ist allerdings das Trainer-auf-den-Schultern-tragen. Halten sie sich bitte daran.

Schritt 12: Siegerehrung!
Das Riesenpodium samt Konfettikanone ist jetzt in Positon. Begeben sie sich nach und nach ebenfalls auf ihrem angestammten Position: Leistungsträger in die Mitte, Ersatzspieler und Außenseiter am Rand. Auf dem Weg zum Podium spielen sie noch einmal die Schritte 4 und 8 durch. Die Funktionäre kommen, bewahren sie jetzt noch ein letztes Mal Haltung, dem Bundespräsidenten in die Haare rülpsen kann Karrieren im Zeitalter des Internets nachhaltig beschädigen. Wer sich ganz schwer damit tut, lenkt sich einfach mit einem schnellen Flirt mit den Hostessen ab.

Schritt 13: Ohhhhhhhh…
Die Medaillen sind verteilt, die Funktionäre von dannen, die Hostessen abgecheckt. Jetzt also endlich die Schale. Als Kapitän hören sie sich artig an, was ihnen der Mann mit der Schale noch zu sagen hat und vergessen das Ganze am besten gleich wieder. Für alle anderen gilt es, schon einmal für verbalen Trommelwirbel zu sorgen. Umarmen sie den Nebenmann ganz feste und stöhnen ein langgezogenes »Ohhhhhhh….« in den Nacken ihres Kapitäns. Und dann…

Schritt 14: Konfettikanone und Remmidemmi!
Natürlich, sie sind müde und an den Geschmack des Sieges haben sie sich auch längst gewöhnt. Aber das hier ist ihr Business, verdammt. Die Kanone spuckt Konfetti in ihres Vereinsfarben aus und sie haben jetzt verflucht noch mal zu brüllen, was die Stimmbänder hergeben! Halten sie das so lange durch, bis auch das letzte Pressefoto geschossen ist.

Schritt 15: Witzbold entführt Pokal!
Eigentlich sollen sie jetzt noch schnell Schritt 16 hinter sich bringen, aber ohne einen Gagvogel, der dem Kapitän die Schale entreißt und sich grinsend aus dem Staub macht, ist jede Meisterfeier unvollständig. Lassen sie dem Kollegen den Spaß, und schicken sie vielleicht zwei oder drei Nachwuchsspieler zur Jagd hinterher.

Schritt 16: Mannschaftsfoto!
Business as usual. Denken sie jedoch daran, diesmal zwei Spieler vor die erste Reihe zu legen und vielleicht auch den ein oder anderen Edelfan mit aufs Foto zu nehmen. Die Marketingabteilung wird es ihnen danken.

>>> Bildergalerie: Die schönsten Meister-Fotos!

 
 
 
 
 
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