Die Vereinsfahnen vor dem Stadion hängen bereits auf Halbmast. Ein Meer aus Kerzen und Bildern auf den Treppenstufen davor. Weinende Menschen liegen sich in den Armen, stützen, halten einander, so gut es eben geht. Und überall Kameras und Mikrofone. Andreas Bergmann erstarrt. »Es war eine neue Dimension von Trauer«, sagt er. »Wir standen im öffentlichen Fokus. Jede Bewegung, jede Geste wurde von nun an ständig in Zusammenhang gebracht mit Roberts Tod. Es wurde für meine Mannschaft und für das ganze Team ein unglaublicher Spagat zwischen intimer Trauer und Professionalität.«
Am selben Abend noch hält die Landesbischöfin Margot Käßmann die Trauerandacht in der Marktkirche. Am anschließenden Marsch durch die Stadt nehmen 35 000 Hannoveraner teil. Trainer Andreas Bergmann geht vorneweg. In seinen Händen ein schwarzes Banner mit dem Konterfei von Robert Enke. »Ruhe in Frieden«, steht darauf.
»Er schaute doch in die Zukunft«
Bergmann denkt an das letzte Gespräch mit seinem Kapitän. Auslaufen am Maschsee nach dem Spiel. Es ist nicht lang her. »In den zwei freien Tagen wollte Robert Extraschichten mit unserem Torwarttrainer Jörg Sievers schieben«, sagt Bergmann. »Er schaute doch in die Zukunft.«
Robert ist tot. Dieser Moment am 10. November 2009 ist schwer aufzulösen in all der Zeit, die seitdem vergangen ist. Die Sekunde ist unendlich. Noch heute schlägt Bergmanns Herz schneller, wenn er daran zurückdenkt, an den Anruf von Jörg Schmadtke, die Bilder im Fernsehen. Bahngleise, ein Auto, eine Geldbörse auf dem Beifahrersitz.
Die Erinnerungen sind mittlerweile geordnet, die Erfahrung aber bleibt gespeichert auf der persönlichen Festplatte, für immer. »Das Schicksal eines anderen sollte mein eigenes nicht zu sehr beeinflussen«, sagt Bergmann und atmet tief ein. Und trotzdem tue es das natürlich. »Vielleicht hätten wir ihm helfen können, wenn er uns doch bloß etwas gesagt hätte. Dieser Gedanke wird mich wohl für immer begleiten.«