20.11.2012

Analyse des ZIS-Jahresberichts

Mehr Verletzte, mehr Strafverfahren – warum?

Nach der Veröffentlichung der ZIS-Statistik ist wieder einmal die Rede von der grassierenden Gewalt im Fußball. Doch es gibt einige Punkte, die unter anderem den Anstieg der Strafverfahren erklären. Ein Blick hinter die nackten Zahlen mit Stimmen der Polizei und der Fans.

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Die Anzahl der Verletzten ist gestiegen, bewegt sich aber in Relation zu den Besucherzahlen auf einem niedrigen Niveau. Speziell die Risikospiele im Europapokal und die besondere Konstellation der Zweiten Liga haben den Anstieg der Zahlen beeinträchtigt. Ebenso gründet die erhöhte Anzahl von Strafverfahren unter anderem auf einer konsequenteren Strafverfolgung im Zuge der Pyrotechnik-Debatte. Die genannten Punkte sind keineswegs die einzigen Gründe für den jeweiligen Anstieg und sollen den Sachverhalt nicht verharmlosen. Dennoch sollten sie in der von allen Seiten beschworenen »Versachlichung« der Diskussion um Sicherheit im Stadion bedacht werden.

1. Mehr Verletzte

In der Zusammenfassung des Berichts ist die Rede davon, dass in den Spielen der ersten beiden Ligen, im DFB-Pokal, den UEFA-Wettbewerben und der Länderspiele 1142 Personen (keine Unfallopfer) verletzt wurden – 296 mehr als in der Vorsaison. Auf Nachfrage erklärt die ZIS, dass die Anzahl der verletzten Personen sich nur auf die 612 Spiele der ersten zwei Ligen beziehe. Fest steht: Diese Zahl (1142) markiert tatsächlich einen Höchststand in den Erhebungen der letzten zwölf Jahre.

0,0051 Prozent Verletzte unter den Stadionbesuchern

Jeder Verletzte ist einer zu viel. Dennoch ist es wichtig, die Zahlen in Relation zu setzen. Nimmt man sich die laut ZIS behandelten 612 Spiele vor, dann kommt man auf eine Zuschauerzahl von circa 18,7 Millionen Besuchern in den deutschen Stadien. Der prozentuale Anteil der Verletzten bei einem Fußballspiel lag somit bei 0,0064 Prozent. Allerdings ist auch diese Statistik nicht ganz eindeutig, da zu den 18,7 Millionen Besuchern nicht die eingesetzten Polizisten gerechnet werden, in der Verletztenstatistik die Polizisten (235) aber doch auftauchen. Der prozentuale Anteil der Verletzten unter allen Stadionbesuchern lag demnach bei 0,0051 Prozent. Auf Vergleiche zu den Zahlen bei Volksfesten soll an dieser Stelle verzichtet werden.

Unklar bleiben zudem die Ursachen der Verletzungen, so führte beispielsweise der Einsatz von Pfefferspray durch Polizeibeamte in Hannover zu 36 verletzten Personen. Christian Bieberstein, Sprecher der Fanorganisation »Unsere Kurve« sieht dies kritisch: »Leider wird im ZIS-Bericht nicht differenziert aufgeführt, wieviele verletzte Personen es durch den Einsatz von Pfefferspray gab oder durch sonstige überharte Einsätze der Polizei. Auch fehlt ein Vergleich zu anderen Großveranstaltungen, um die Zahlen wirklich in Relation zu setzen und damit auch bewerten zu können.«

 
 
 
 
 
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