Jedes Jahr der gleiche Mist: Während Engländer oder Spanier einfach munter den Winter ignorieren und stumpf ihren Ligabetrieb am Laufen halten, kuschelt sich der deutsche Fußball in einen wochenlangen Winterschlaf, treibt seine Schützlinge in langweilige Trainingslager irgendwo zwischen Belek und Katar, während wir Fußball-Junkies den kalten Entzug ertragen müssen.
Sieben Tage sind es mit Erscheinen dieses Artikels noch, bis Schalke 04 und Hannover 96 unseren Wochenenden wieder einen Sinn geben. Acht Tage. 10.080 Minuten. 604.800 Sekunden. Ohne Ersatzdrogen ist das nicht zu schaffen. Es braucht alternative Sportarten, denen wir für etwa 691.200 Sekunden unsere Liebe und Aufmerksamkeit schenken können. Keine Sorge, die Samariter von 11FREUNDE haben die passenden Alternativen gesucht und gefunden.
Faustball
Des deutschen liebstes Kind? Fußball, klar. Des deutschen erfolgreichstes Kind? Faustball! Was Faustball angeht, sind wir Deutschen Vorreiter, Superheld, Megastreber in einem. Die Herren haben seit der ersten WM 1968 zehnmal (!) den Titel abgesahnt, sind zweimal Zweiter und einmal Dritter geworden. Ähnlich dominant sieht der Medaillenspielel bei den Damen aus. Sagen wir doch, wie es ist: Im Faustball sind wir eine Macht. Quasi die Gröfanaz, die Größte Faustball-Nation aller Zeiten! An alle Augsburger, Fürther, Hoffenheimer – wer einmal zur Abwechslung den Geschmack des Sieges kosten möchte: Am 12. Januar beginnt in Frauenberg der Hallen-Europa-Cup der Männer. Das ist euch noch nicht geil genug? Dann holen wir das letzte Ass aus dem Ärmel: Faustball heißt auf englisch »Fistball«.
Aerobic
Ihr dachtet Aerobic sei spätestens mit der letzten »Alf«-Staffel ausgestorben bzw. verboten worden? Falsch gedacht. Aerobic lebt – und das nicht zu knapp. Es gibt Welt- und Europameisterschaften, ja, selbst internationale Turniere, wie jenes, das am 12. Januar in Frankfurt stattfindet. Hautenge Fantasieanzüge, krude Bewegungen wie morgens um halb 4 in der Dorfdisco und gaaanz viel Fitness – alles ist wie damals in den Achtzigern, als sich plötzlich normale Hausfrauen vor dem Fernseher zum Brot machten. Nur Jane Fonda ist nicht mehr am Start. Schade eigentlich.
Darts, Snooker, Korfball!
Darts
Ihr fahrt eigentlich nur zum Fußball, um euch gepflegt einen in die Rüstung zu schrauben, die Stimmbänder zu malträtieren und schweißgebadet Ein-Mann-Conga-Schlangen zu zünden? Ihr liebt bierselige Herrenrunden, derbe Gesänge und den Geschmack von Party, Männergeruch und Alkohol in der Luft? Aber euer Klub trainiert sich lieber in Belek einen Wolf, statt euch zum Auswärtsspiel nach Gelsenkirchen zu begleiten? Und ihr sucht händeringend nach Ersatz für die kalten Tage des Jahres? Dann dürfte Darts der richtige Sport für euch sein. Noch bis zum 13. Januar steigt in Frimley Green die BDO-WM (BDO=British Darts Organisation). Schwergewichtige Thekenbrüder mit scharfen Augen, ruhigen Händchen und gruseligen Hemden suchen den König des Kneipensports. Was derweil im Zuschauerraum passiert, ist großartig: Eine Mischung aus Oktoberfest, DFB-Pokalfinale und 30. Geburtstag des besten Kumpels, stilvolle Herrenchöre inklusive. 11FREUNDE empfiehlt: Hin da! Dass sich bereits Fußballgetreue aus deutschen Landen unter die feiernden Briten gemischt haben, bewies ein Schildchen, dass neulich bei einer Live-Übertragung in die Kameras von Sport1 gehalten wurde. Aufschrift: »Fick dich, DFB!«
Snooker
Gibt es in jedem anständigen Büro: Den Snooker-Klugscheißer, der einem ungefragt die größten Heldentaten von Ronnie O´Sullivan auflistet und Schaum vor dem Mund bekommt, wenn der Namen Stephen Hendry fällt. Unser Tipp: Den Arbeitsplatz wechseln. Oder sich mit dem Kollegen vom 13. bis zum 20. Januar in London einnisten, um die dort stattfindenden Masters zu begutachten. Vielleicht eher was für den schweigsamen Sitzplatz-Analysten als für den Schreihals mit Doppelhalter und Rauchpulver in der Unterhose.
Korfball
Klingt ein bisschen nach »Schorf« oder »Torf«, und scheint auch ähnlich lecker zu sein. Beim Korfball geht es darum, einen Ball in einen Korb zu bugsieren. Also wie Basketball? Korrekt. Doch statt wie beim Basketball steht der Korb in der Mitte, das Feld ist drum herum verteilt, und der Korb sieht nicht nur aus wie ein ausgeschnitten Plastikmülleimer, er ist auch noch in 3,5 Meter Höhe angebracht. Dunkings? Sind nicht drin.
Irgendwie ist beim Korfball tatsächlich alles wie beim Basketball – nur, dass man die coolen Elemente verändert oder vernichtet hat. Aber bilde sich doch jeder Interessierte selber seine Meinung und stoße die Arroganzler von 11FREUNDE anschließend von ihrem hohen Fußball-Ross: Vom 15. bis zum 19. Januar findet in Budapest das Korfball-Europa-Cup-Finale statt.