Als Uwe Kliemann mit gebrochener Nase spielte

»Beim Einatmen, da rasselt's«

25. August 1973: Frankfurt liegt gegen Stuttgart nach 66 Minuten mit 0:3 zurück. Dann bricht sich Abwehrhüne Uwe Kliemann die Nase, wächst über seine imposante Körpergröße hinaus und dreht das Spiel fast im Alleingang. Als Uwe Kliemann mit gebrochener Nase spielte

Das Waldstadion wird gerade für die anstehende WM umgerüstet, als Eintracht Frankfurt am 25. August 1973 den VfB Stuttgart empfängt. Die Saison ist noch jung und beide Mannschaften sind mit zwei Siegen und einem Unentschieden in die Spielzeit gestartet. Markant dabei: Sowohl die Eintracht als auch der VfB machen mit ihrer Torgefährlichkeit auf sich aufmerksam – nur der FC Bayern und die »Fohlen« aus Mönchengladbach können in punkto Torverhältnis mithalten.

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Die erste Halbzeit kann dann allerdings nicht annähernd halten, was das Spiel im Voraus versprochen hatte. Wahre Höhepunkte glänzen durch Abwesenheit, anstatt dessen neutralisieren sich die Mannschaften gegenseitig. Das ist wohl selbst dem Fußballgott zu viel, der sich kurzerhand entschließt, alle Anwesenden mit einer der atemberaubendsten Halbzeiten der Bundesligageschichte zu entschädigen.

Wie man ein Spiel dreht

Ab der 59. Minute geht es im Waldstadion drunter und drüber: Dieter Brenninger bringt die Gäste auf die vermeintliche Siegerstraße, nur zwei Minuten später legt Willi Entenmann nach. Die Frankfurter haben noch gar nicht begriffen wie ihnen geschieht, da schießt Hans Ettmayer in der 66. Minute schon das 0:3. Drei Tore in sieben Minuten – Stuttgart im Fußballhimmel. Und Frankfurt? Denkt gar nicht ans Aufgeben!

Der Widerstand der Eintracht manifestiert sich dabei in einer Person: Uwe Kliemann. Den Abwehrhünen mit dem blonden Pseudo-Afro zieht es jetzt bei jeder Gelegenheit mit nach vorne, kein hoher Ball, den er nicht noch mit seinen 1,96 Metern zu erreichen versucht. Doch nach einem Eckball kollidiert Kliemanns Kopf mit dem eines Stuttgarters, dazwischen der Riechkolben des langen Mannes. Es knirscht, die Nase ist hin, Kliemann blutet wie ein angestochenes Tier. Doch der lässt sich von diesem »Kratzer« nicht aus der Bahn werfen, Mannschaftsarzt Degenhardt berichtet er lediglich: »Beim Luftholen, da rasselt's so in der Nase«. Auch Eintracht-Trainer Dietrich Weise ist nicht bang um seinen Schützling: »Ein Kerl wie der Uwe wird damit schon fertig. Wenn es eine Zerrung oder eine Bänderdehnung wäre, würde ich mir mehr Sorgen machen.«

Mit lädierter Nase wächst Kliemann über sich hinaus

Frankfurts Bernd Nickel hat in der Zwischenzeit auf 1:3 verkürzt und jetzt wirft sich Kliemann schon in den nächsten Eckball. Er verlängert auf Roland Weidle, plötzlich steht es nur noch 2:3. Der nächste Kliemann-Kopfball lässt nicht lange auf sich warten, doch diesmal kann er den Ball nur an die Latte setzen. Das Publikum: außer Rand und Band.  

In der 82. Minute entscheidet der Schiedsrichter nach einem Foul nahe der Mittellinie auf Freistoß für die Eintracht. Kliemann ist nun nicht mehr bloß ein Kopfballungeheuer, er ist jetzt auch ein Flankengott. Präziser Freistoß auf Hölzenbein, Drehung, Tor! Der Ausgleich. Doch Kliemann hat noch einen im Köcher: anscheinend von der Muse geküsst, gibt er jetzt auch den Spielmacher. Diesmal bedient er Hölzenbein mit einem Pass aus der Tiefe, den der Angreifer mit letzter Kraft zum Endstand verwertet. Vier Tore in 16 Minuten und das Spiel ist gedreht – mehr geht nicht.

Kliemann ist neben Hölzenbein der Held des Tages, auch wenn Stuttgarts Trainer Hermann Eppenhoff nach dem Spiel zu relativieren versucht: »Es war nicht der Kliemann alleine.« Aber fast.

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