Als Uwe Bein vom HSV zu Eintracht Frankfurt wechselte

Die Geburt des tödlichen Passes

Beim HSV bildete er mit Thomas von Heesen das beste Mittelfeldduo der späten Achtziger – doch erst bei Eintracht Frankfurt erhielt Uwe Bein den Respekt, den er verdiente.

imago

Im November 1987 stand es nicht gut um den HSV. Ernst Happel hatte den Klub nach dem DFB-Pokalsieg verlassen, die Mannschaft spielte unterirdisch und stand vor dem Nordderby gegen Werder Bremen nur auf Platz 10. Sorgen, die man heute gerne hätte, aber das nur am Rande.

»Bein ist nicht bundesligareif!«

Damals knöpften sich Hamburger Journalisten alle paar Tage HSV-Trainer Josip Skoblar und Manager Felix Magath vor, denn die beiden hatten es offenbar nicht geschafft, den Jubelfußball der Ära Happel/Netzer fortzuführen. Es ging dabei vor allem um die Personalpolitik des Vereins, um den Transfer von Mladen Pralija, der in München sechs Gegentore kassierte. Und es ging um einen gewissen Uwe Bein, der mit Vorschusslorbeeren aus Köln gekommen war, doch in den ersten Spielen auf ganzer Linie enttäuschte. Zwei Tage vor dem Spiel gegen Werder Bremen urteilte das »Hamburger Abendblatt« knallhart: »Ablöse 800.000 Mark, Gehalt 150.000. Bein ist nicht bundesligareif.«
 
Es war nicht das einzige Mal, dass Bein in der Presse hinterfragt wurde. Felix Magath musste sich in fast jedem Interview rechtfertigen, warum er den Mittelfeldregisseur überhaupt verpflichtet hatte. Im Februar 1988 sagte der Manager: »Er kann den Durchbruch noch schaffen. Er ist jede Mark seiner Ablöse wert, ich hätte sogar noch mehr für ihn gezahlt, denn er ist ein fertiger Spieler.«

Zum Manndecker degradiert

Doch konnte man Magath überhaupt einen Vorwurf machen? Bein hatte in den Jahren zuvor bei Kickers Offenbach als Mittelfeldspieler in 153 Spielen sensationelle 72 Tore erzielt. Mit 24 Jahren war er zum 1. FC Köln gewechselt, wo er zwar weniger traf, dafür aber als Passgeber brillierte. Vor dem Wechsel zum HSV war die halbe Liga hinter ihm her. Doch in Hamburg wehte damals ein mitunter noch unbequemerer Wind als heute. Bein kam in ein Team, das sich im Umbruch befand, überall Cliquen, überall Missgunst, und dazu ein Trainer, Josip Skoblar, der Bein zur Strafe für schlechte Leistungen manchmal als Manndecker spielen ließ. Bein, introvertiert und bescheiden, nahm es hin. Erst als der neue Coach Willi Reimann die Cliquen aufbrach und einige Spieler auf die Tribüne setzte, blitzte Beins Talent einige Male auf.
 
Reimann setzte sich konsequent und gegen alle Widerstände für sein Mittelfeldliebling ein. In der Sommerpause redete der Trainer den Spieler stark – und plötzlich lief es für Bein. Auch weil er mit Thomas von Heesen einen kongenialen Mitspieler fand. In der Saison 1988/89 schoss das Duo 24 Tore (Bein: 15, Von Heesen: 9).

Langsam erkannte man in Hamburg, welchen Diamanten man da in den eigenen Reihen hatte. Und wenn sich Willi Reimann nun schwärmend vor die Journalisten stellte, runzelte niemand mehr die Stirn. »Fußballerisch ist er perfekt«, sagte er im November 1988, und dann echauffierte er sich darüber, dass DFB-Teamchef Franz Beckenbauer den Spielmacher bislang nicht zur Nationalmannschaft berufen hatte. Auch Bein selbst wurde in jenen Wochen richtig vorlaut. »Thomas von Heesen und ich wollen mit zur WM nach Italien«, sagte er unmissverständlich. »Nur Häßler ist derzeit besser.«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!