31.10.2013

Als Schiedsrichter beim Hans-Sarpei-Kick

Kleines Fernsehspiel

Seite 2/3: Fast Hans Sarpei vergessen
Text:
Dirk A. Leibfried
Bild:
Dirk A. Leibfried

Und Hans Sarpei? Er sitzt daneben, wirkt fast schon etwas schüchtern. Leise und wohl überlegt formuliert er seine Sätze, die so gar nicht nach Attacke klingen: »Ziel muss es sein, dass die Mannschaft zusammenrückt, als Einheit auftritt. Dann glaube ich auch, dass wir die bessere Mannschaft sind.« Sätze eben, die man bei jeder zweiten Pressekonferenz in Fußball-Deutschland zu hören bekommt. Nach einer Teambuilding-Maßnahme im nahegelegenen Waldseilpark und zwei Trainingseinheiten mit Schaulustigen rückt das Spiel immer näher.

Meine beiden Assistenten Dirk Kallmayer und Alexander Ecker treffen pünktlich um 13:45 Uhr ein. Genug Zeit für einen Kaffee, Kontrolle der Tornetze und eine ausführliche Vorbesprechung. Derby, Fernsehteam, viele Zuschauer und eine knisternde Atmosphäre. Wir bereiten uns auf ein heißes Spiel vor, besprechen Taktik und Entscheidungsbefugnisse. Ein Kollege kommt in die Kabine und präsentiert uns sein neuestes technisches Schiri-Equipment. B-Klasse mit Headset? Warum nicht!

Zu Beginn gleich eine gelbe Karte: »Super Einstieg!«

Passkontrolle – und auf dem offiziellen Spielbericht steht in der Rubrik »Trainer« tatsächlich Hans Sarpei. Ein letztes aufmunterndes Shakehands in der Schiri-Kabine. 400 Zuschauer säumen den Platz, es nieselt. Beide Fangruppen skandieren lautstark, auf dem Platz wird um jeden Zentimeter gefightet. Nach neun hitzigen Anfangsminuten wird ein Spieler der Einheimischen an der Außenlinie abgegrätscht. Ich ziehe die erste von insgesamt sieben Gelben Karten. »Super Einstieg«, höre ich vom Assistenten auf der gegenüberliegenden Seite über meinen Knopf im Ohr.

Und es bleibt ruppig. In der 42. Minute ein rustikales Foul, wieder an der Außenlinie. Und wieder erwischt es einen Mölschbacher. Der Übeltäter ahnt bereits, was jetzt kommt: Rot! Der Spielertrainer des Gegners tobt: »Der Platzverweis kommt nur wegen dem da draußen«, will er mir weißmachen und deutet auf Hans Sarpei. Sarpei? Genau, den hatte ich bei all der Hektik völlig vergessen. Vielleicht auch, weil er sich wie jeder andere Trainer in der B-Klasse verhält. Taktische Anweisungen, verbale Aufmunterungen. Nicht mehr und nicht weniger. Auch André Schubert fällt nicht aus dem Rahmen, lediglich dem Kameramann muss ich seinen Platz zuweisen, weil dieser die Sicht des Assistenten verstellt.

 
 
 
 
 
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