Als Reinhold Wosab Trainer Lindemann verarschte

»Ich war noch nie im Puff!«

Saison 1969/70: Als BVB-Trainer Hermann Lindemann von seiner angeblichen Verhaftung in einem Hamburger Bordell liest, bricht er fast zusammen. Reinhold Wosab über den besten Scherz seiner Fußball-Karriere. Als Reinhold Wosab Trainer Lindemann verarschte
Heft#112 03/2011
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Vor Auswärtsspielen in Hamburg haben wir damals meistens im Europäischen Hof genächtigt, Zeit hatte man als Profi mehr als genug. Unser Trainer hieß Hermann Lindemann, ein kleiner Mann mit dicker Brille und ziemlich feuchter Aussprache. Er mochte mich, ich war sein Liebling. Zusammen mit Ferdi Heitkamp. »Männer, geht doch eine Runde spazieren«, bot Lindemann an. Also sind wir zusammen mit Jürgen Rynio ab zur Reeperbahn, dort wartete schon der HSV-Spieler Klaus Zaczk, ein guter Kumpel von Rynio. Auf St. Pauli gab es damals einen kleinen Laden, wo man seine eigenen Titelseite der »St. Pauli Nachrichten« drucken lassen konnte. Dieses kleine Blatt mit den vielen nackten Brüsten. Ferdi ist gleich ran den Apparat und hat sich zwei Zeitungen machen lassen. Erste Überschrift: »Hermann Lindemann im Bordell verhaftet!« Zweite Überschrift: »Ferdi Heitkamp neuer Boss im Eros-Center!«

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Am nächsten Morgen saßen wir beim Frühstück, die ganze Mannschaft hockte an einem großen runden Tisch. Dann der Auftritt des Trainers: »Guten Morgen Männer. Gut geschlafen?« Und wir im Chor: »Natürlich, Trainer!« »Sehr gut, so will ich das sehen.« Lindemann setzte sich an seinen Platz und begutachtete die Zeitung, die vor ihm auf dem Tisch lag. »Hermann Lindemann im Bordell verhaftet!« Der arme Kerl wurde weiß wie ein Leichentuch und rief nur: »Ich war noch in meinem Leben im Puff!« Als ihm dann auch noch unser Busfahrer zuraunte, die Zeitung würde in 100.000-facher Auflage im ganzen Land verteilt werden, war es endgültig aus mit unserem Trainer. Erst packte er sich den Kellner (»Herr Ober, ich brauch einen Anwalt!«), dann klingelte er bei seiner Frau in Duisburg Sturm. Die gute Frau musste sämtliche Kioske in näherer Umgebung anfahren, nur um ihrem Gatten mitzuteilen, nicht eine Ausgabe der »St. Pauli Nachrichten« gefunden zu haben.

»Ich reiß euch den Arsch auf!«

Ferdi und ich sind nur kurze Zeit später zu Lindemann gegangen: »Trainer, das war Blödsinn. Nur ein dummer Flachs von uns.« Was war der wütend. Er hatte tatsächlich geglaubt, die Posse sei auf dem Mist des Vorstandes gewachsen, um ihn aus dem Verein zu eckeln. Die sonst übliche Sitzung vor dem Spiel gegen den HSV fiel aus, der Trainer gab es nur eine Anweisung mit auf den Platz: »Ihr könnt das nur gut machen, wenn ihr gewinnt.« Und was machen wir? Führen bis zur 63. Minute mit 3:1 und verlieren noch 3:4. Da war was los! »Ich reiß euch den Arsch auf«, war der einzige Satz, den wir vom Trainer nach dem Spiel hörten, auf der Rückfahrt herrschte Eiseskälte im Bus.

Ganz klar, dass wir am Montag nach dem Spiel stundenlang Runden drehen mussten. Hermann Lindemann hatte sich bald wieder beruhigt, die Geschichte wabert allerdings noch immer durch die Szene. 25 Jahre lang habe ich für die Uwe-Seeler-Traditionself gespielt, zusammen mit solchen Helden wie Franz Beckenbauer und natürlich Uwe selbst. Und jedes Mal, wenn ich bei den Spielen auftauchte, hieß es gleich: »Reinhold, erzähl noch mal die Puff-Story vom Lindemann!« Vielleicht wollte Uwe auch nur ablenken: Im besagten Spiel gegen uns verschoss er nämlich nach sieben Minuten einen Elfmeter...

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