Als Nigeria Olympia verzauberte

Die mit den zwei Gesichtern

Deutschlands Gegner im olympischen Halbfinale verzückte bei den Spielen 1996 die Welt. Und doch war der Olympiasieg der »Super Eagles« nur ein Trostpreis.

Es war einer der emotionalsten Momente der WM 1994: Wie der nigerianische Stürmer Rashidi Yekini das Tornetz umklammert, es mit weit aufgerissenem Mund von sich hält, um es dann fast liebevoll an sich zu schmiegen und dabei unablässig zu murmeln: »Rashidi Yekini, Rashidi Yekini…« Sekunden zuvor hatte der bullige Angreifer das erste Tor Nigerias bei einer Weltmeisterschaft geschossen und sofort realisiert, dass er sich unsterblich gemacht hatte.



Im Auftaktspiel der Gruppe D trafen an diesem 21. Juni Nigeria und Bulgarien aufeinander. In einem 90-minütigen Offensivfestival demontierte das Ensemble um den damaligen Frankfurter »Jay-Jay« Okocha einen hilflosen Gegner, der mit dem 0:3 am Ende noch gut bedient war. Die Fußballwelt war sich einig: Dieses Team, die »Super Eagles«, konnte eventuell sogar um den WM-Titel mitspielen. Eine Einschätzung, die aber schon vier Tage später teilweise revidiert werden musste: Da nämlich hatten jene leichtfüßigen Nigerianer in einem zerstörerischen Gewaltakt alle Fußballkunst preisgegeben und gegen alles getreten, was in argentinischen Trikots herumlief. Das Spiel ging 1:2 verloren und mit ihm viele Sympathien, die sich Nigeria zuvor erworben hatte.

Diese zwei Gesichter waren typisch für ein Team, das fußballerisch zweifelsohne zu den besten der 90er Jahre gehörte. Einerseits technisch brillant, athletisch und spielfreudig, andererseits unkonzentriert, überheblich und auf entscheidenden Positionen schlecht aufgestellt. So ist es fast einhelliger Tenor, dass die Hauptschuld am späteren Achtelfinal-Aus gegen Italien den holländischen Trainer Clemens Westerhof trifft. Der eigensinnige Niederländer, der aus seiner offenen Abneigung gegen die »afrikanische Art« nie einen Hehl machte, drückte den Westafrikanern seine Vorstellung eines europäischen Defensivfußballs auf, der die Stärken der Elf ignorierte. Nach der 1:0-Führung gegen die Italiener durch Emmanuel Amunike beorderte Westerhof fast all seine Mannen nach hinten und ließ einzig Yekini noch stürmen. Der konstatierte nach dem Abpfiff: »Je mehr wir angreifen, desto besser können wir verteidigen. Das ist unser Spiel.« Der einzige, der das nicht verstanden hatte, war Clemens Westerhof.

»Die wollen nicht einfach gewinnen«

Überhaupt ist schwer nachzuvollziehen, wie dieser Mann fünf Jahre die Geschicke der Nationalmannschaft leiten konnte. Immer wieder äußerte er sich abschätzig über seine Spieler. »Sie essen fettig, vergnügen sich mit ihren oder anderen Frauen und haben sich nicht unter Kontrolle«, war einer jener Sätze, die Westerhof Journalisten freimütig in die Blöcke diktierte. »Die wollen nicht einfach gewinnen, die wollen sich als Helden feiern lassen, den Gegner demütigen«, ein anderer. Nach der schmerzlichen Niederlage im Achtelfinale sprach der Holländer von der Dummheit seiner Spieler und behauptete, ihr Verhalten sei typisch für Afrikaner – der Schwarze müsse sich dem Weißen eben immer überlegen fühlen. Das niederländische Fachblatt »Voetbal International« nannte Westerhof einen Kolonialherren und zeichnete damit ein präzises Bild dieses Ignoranten. Seine Selbstherrlichkeit führte unmittelbar nach dem WM-Aus dazu, dass die Spieler ihn aus dem Hotel warfen, weil sie seine Anwesenheit nicht mehr ertrugen.

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