Als Knut Reinhardt und Alois Reinhardt plötzlich Brüder waren

»Die Ente des Jahres«

Nach gemeinsamen Jahren bei Bayer Leverkusen wechselten Alois Reinhardt zu Bayern München und Knut Reinhardt zu Borussia Dortmund - und wurden von der Dortmunder Lokalpresse prompt zu Brüdern erklärt. Knut Reinhardt erinnert sich an ein Meisterstück in schlampiger Recherche.

Anfang der Neunziger hatten wir die Bayern gerne im Westfalenstadion zu Gast, denn zu dieser Zeit waren das oft heiße Spiele mit dem besseren Ende für uns. Im September 1992 spielten wir mal wieder gegen den Rekordmeister. Ein Jahr zuvor war ich aus Leverkusen nach Dortmund gewechselt, mein Namensvetter Alois, mit dem ich gemeinsam bei Bayer gespielt hatte, war nach München gegangen. Nun trafen wir aufeinander.

Alois ist ein netter Kerl und guter Kollege, verwandt sind wir aber nicht. Umso erstaunter war ich, als ich vor dem Spiel in die Kabine kam und dort die Lokalpresse durchstöberte: »Bruderkampf im Westfalenstadion«, titelte eine Dortmunder Lokalzeitung. Der Sportredakteur hatte einen ausführlichen Text über das Aufeinandertreffen der Reinhardt-Brüder geschrieben, die sich im Spitzenspiel nun erstmals auf dem Feld gegenüberstünden.

Auch unsere angebliche Mutter kam zu Wort

An sich ein netter Artikel, mit dem kleinen Manko, dass Alois und ich eben keine Brüder sind. Die Mitspieler hatten die Zeitungsente auch schon gelesen, wir haben uns in der Kabine vor Lachen kaum noch eingekriegt. Im Artikel kam sogar eine Frau zu Wort, unsere angebliche Mutter, die sich in mehreren Zitaten über mich und Alois geäußert hatte - eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte.

Alois und ich sehen uns nicht im entferntesten ähnlich. Wenn sich der Redakteur Bilder von uns angesehen hätte, wäre ihm sicherlich aufgefallen, dass da etwas nicht stimmt. Aber wahrscheinlich hat er überhaupt nicht recherchiert und den Artikel einfach runtergeschrieben. Ein Wahnsinn. Für diese Fehlleistung ist er dann auch von unserem damaligen Manager Michael Meier mit dem Karl-May-Preis ausgezeichnet worden.

Meier ist ein humorvoller Mensch und hat damals immer einmal im Jahr die Falschmeldung des Jahres mit besagtem Preis gekürt. Die Story vom angeblichen »Bruderkampf« lief in diesem Jahr quasi außer Konkurrenz, sie war einfach zu gut. Ob Alois von der Geschichte weiß, kann ich gar nicht sagen. Schließlich lief die Ente in der Dortmunder Lokalpresse und hat den Weg nach Bayern wahrscheinlich gar nicht geschafft. Aber so wie ich Alois kenne, würde er sich darüber bestimmt schlapp lachen.

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