Als die TITANIC für Schuster kämpfte

Demo für den blonden Engel

Der Aufruhr um Kevin Kuranyi ist nichts gegen den Volkszorn, den 1994 die Nichtbeachtung von Bernd Schuster auslöste. Das Satiremagazin TITANIC verlieh ihm ein Gesicht – und kettete sich für den blonden Engel vor der DFB-Zentrale an.  Als die TITANIC für Schuster kämpfte

Vor der WM 1994 tobte eine handfeste Diskussion zur alles entscheidenden Frage »Effenberg oder Schuster?« – leider nur im Büro des Satiremagazins »Titanic«. Bernd Schuster hatte in der Saison 1993/94 bei Bayer Leverkusen glänzend gespielt, war vom »Kicker« sechsmal für die »Elf der Woche« nominiert worden.

[ad]

Der Redaktionsrat der »Titanic«, praktischerweise in Frankfurt/Main angesiedelt, beschloss daher, dass besondere Maßnahmen erforderlich seien: eine Mahnwache beim DFB. Am 31. Mai, drei Tage vor dem Spieleranmeldeschluss bei der FIFA, gondelte das Team in die Otto-Fleck-Schneise 6. Thomas Gsella stellte die mobilen Transparente auf (»So nicht, Herr Vogts!«), Jürgen Roth verteilte Flugblätter (»Titanic fordert: Bernd Schuster in die Nationalelf!«) und Gerhard Henschel kettete sich ans DFB-Leuchtlogo vor dem Eingang. Das dafür nötige große Sicherheitsschloss hatte man vorher in einem Eisenwarenladen besorgt.

»Bis der DFB einlenkt«

Henschel erinnert sich: »Die Kollegen hatten alle Bier mitgebracht, nur ich konnte nicht trinken, weil ich ja ein bisschen durchhalten musste.« Die Schuster-Unterstützer mussten nicht lange warten, bis die ersten Medienvertreter eintrafen. Die Fragen waren immer wieder die gleichen. Wie lange die Aktion dauern soll? »Bis der DFB einlenkt.« Warum soll ausgerechnet Stefan Effenberg gehen? »Weil ihn seine Formschwankungen und sein Maulheldentum disqualifizieren.« Was passiert, wenn sich Berti Vogts weigert? »Dann scheidet Deutschland wahrscheinlich bereits in der Vorrunde aus.«

Irgendwann erschien ein Mitarbeiter des DFB und fragte, wer für den Menschenauflauf verantwortlich sei. Nachdem er korrekt informiert worden war, bellte er: »Was ist Titanic?« Henschel ließ sich erst nach drei Stunden befreien, erklärte gegenüber der Presse: »Forderungen erfüllt, wir rücken ab.« Sechs Jahre, bevor die nächste Generation der »Titanic« die WM 2006 nach Deutschland holte, tauchte der Frankfurter Kreis erstmals im Fußballkontext auf: bei »RTL Hessen Live« (»Fußballfan in Ketten«) – und SAT 1. Bernd Schuster wurde in »ran täglich«, moderiert von Gaby Papenburg, eigens zu der Mahnwache befragt. Sein trockener Kommentar: »Der Mann hat scheinbar Ahnung vom Fußball.«

Doch allein den Bundes-Berti ließ das Engagement kalt. Er reiste mit Stefan Effenberg in die USA, um ihn später nach dessen Mittelfingerzeig suspendieren zu müssen. Gerhard Henschel: »Hätte er mal auf mich gehört!«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!