05.07.2013

Als die Politik Gerd Müllers Wechsel nach Barcelona verhinderte

Bomber bleibt!

Teil zwei unserer Serie »Erschütternde Sommerpausen-Geschichten für zwischendurch«: Als Gerd Müller im Sommer 1973 nach Barcelona wechseln wollte, schaltete sich sogar die Regierung ein.

Text:
Manuel Barbosa
Bild:
Imago

Es ist Sommer 1973, und der FC Barcelona baggert intensiv an Gerd Müller, der gerade 85 Tore in einem Jahr geschossen hat. So weit, so normal – aus heutiger Sicht. Doch ein Jahr vor der WM ist die deutsche Fußballöffentlichkeit in Panik. DFB-Vizepräsident Hermann Neuberger muss sich von der Nachrichtenagentur »sid« fragen lassen, was er gegen den »drohenden Ausverkauf« zu tun gedenke.

Der Auslandsstopp

Neubergers Antwort: »Beim DFB sind Überlegungen im Gang, einen Auslandsstopp für die deutschen Nationalspieler zu verhängen«. Doch diese Lösung hat ein kleines Problem: »Gesetzlich ist ja festgelegt, dass jeder Bürger unseres Staates seinen Arbeitsplatz frei wählen kann.« Der DFB müsse also genau überlegen, wie er die Grundrechte unterläuft, sonst, fürchtet Neuberger, »werden wir wieder mit einstweiligen Verfügungen attackiert«.

Und was denkt Gerd Müller? Man weiß es nicht genau. »Wie andere ihre Unterhosen« habe er seine Meinung gewechselt, umschreibt die »Süddeutsche Zeitung« Müllers Verhalten mit klaren Bildern. Am 16. Juli 1973 frohlockt der »Kicker«: »Gerd Müller verzichtet auf Millionen«. Der Bomber habe das Angebot des FC Barcelona abgelehnt. »Wenn ich Junggeselle wäre, hätte ich das Angebot angenommen«, wird der 27-Jährige zitiert. »Aber für meine Familie ist es besser, in München zu bleiben, wo wir viele Freunde haben.«

Netzer - ein Verräter?

Im Urlaub in Italien gibt Müller der Zeitung »Corriere dello Sport« ein bizarres Interview, in dem er Günter Netzers Transfer zu Real Madrid verurteilt: »Ich habe diesen Wechsel nicht gebilligt, weil Netzer damit eine sehr unpopuläre Entscheidung getroffen hat«, sagt Müller, Netzer habe »seine eigenen Anhänger ganz vergessen. Die Leute halten ihn für eine Art Verräter und sind bereit, ihn als solchen zu behandeln.« Wie man einen Verräter so behandelt, überlässt Müller der Fantasie der Leser.

Man könnte meinen, das Thema Barcelona wäre mit diesem Interview abgeschlossen. Doch jetzt geht der Thriller um Müller erst richtig los.

 
 
 
 
 
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