Als der Underdog CD Alavés Europa aufmischte

Ups, wir sind im Finale!

Deportivo Alavés ist zurück in der ersten spanischen Liga. Vor 16 Jahren gewann dieser baskische Provinzclub fast den UEFA-Cup. Ein Blick zurück auf die Geschichte eines Fußballmärchens.

Jordi Cruyff war alles andere als glücklich über den Verlauf seiner Karriere. Die Jahre bei Manchester United waren verkorkst. Nach zwei Jahren als Ersatzspieler hatte der Sohn von »König Johan« seinem Gefühl nachgegeben und sich an Celta Vigo ausleihen lassen. Doch auch diese Zeit war nun vorüber, sein Vertrag lief aus. Als er in Manchester seinen Spind ausräumte, hinterließ er den Mitspielern auf einem Zettel einen letzten Abschiedsgruß in der Umkleide, dann war seine Zeit als Profi in England Geschichte.

Barcaelona, Manchester – Alaves?

Große Sorgen um seine Zukunft machte sich der 26-Jährige nicht. In seinem Lebenslauf standen Engagements beim FC Barcelona, Manchester United und Celta Vigo. Das konnte sich sehen lassen. Schon bald trudelten die ersten Offerten von einigen namhaften Klubs ein. In diesen Tagen besuchte ihn José Manuel Esnal, genannt Mané, daheim in Barcelona. Der Trainer hatte Deportivo Alavés, ein Team aus der baskischen Peripherie, nach 42 Jahren Abwesenheit vom spanischen Spitzenfußball zurück in die erste Liga geführt. Jordi Cruyff erinnert sich: »Er stand in dem Ruf, das Optimale aus seinen Spielern herauszuholen. Ich freute mich, dass er vorbeikam. Aber, ganz ehrlich, ich hatte nicht ernsthaft die Absicht, dorthin zu wechseln.«

Mané redete nicht lange um den heißen Brei herum. »Jordi, ich brauche einen Mittelstürmer, eine klassische Nummer 9.« Cruyff entgegnete ihm freundlich, dass er sich nicht als Mittelstürmer verstehe. »Ich sagte, dass ich als hängende Spitze weitaus besser sei.« Der Oberlippenbart des Trainers ruhte unbeweglich über dem geschlossenen Mund, als er den Kopf senkte und sagte: »Gut, dann brauche ich eben eine hängende Spitze.«

Ein Cruyff ist kein Mitläufer

Cruyff war beeindruckt. In England war er ein Mitläufer gewesen, niemand hatte ihm das Gefühl gegeben, gebraucht zu werden. »Aber Mané wollte mich wirklich«, sagt er. Die Überzeugungskraft des Trainers versetzte den Niederländer in einen süßen Rausch. Dass Deportivo ihm gerade mal die Hälfte des Geldes anbot, das er in England verdient hatte, spielte keine Rolle. Mané versprach, dass der Klub im Falle des Erfolges nachlegen würde. Deportivo Alavés hatte die vergangene Saison auf dem sechsten Tabellenplatz abgeschlossen und sich für den UEFA-Pokal qualifiziert. Mal sehen, vielleicht ging ja was. Cruyff unterschrieb.

Er sollte seine Entscheidung nicht bereuen. Die Saison 2000/01 wurde die denkwürdigste in der Geschichte des Baskenklubs. Man muss es sich so vorstellen, als würde Darmstadt 98 das Endspiel der Europa League erreichen. Mit dem Unterschied, dass Fußball in Darmstadt die populärste Sportart ist, Deportivo Alavés jedoch aus Vitoria-Gasteiz stammt, der Heimat von Saski Baskonia, einem führenden Team im europäischen Basketball. Fußball führt dort ein Schattendasein.

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