Als Dariusz Kampa für den Winterpausen-GAU sorgte

»Kannst du einen besoffenen Torwart gebrauchen?«

Im Wintertrainingslager 2005 sorgte Gladbachs Torwart Dariusz Kampa für einen handfesten Skandal. Eine Frustmischung aus Rotwein und Bier schickte den Deutsch-Polen auf die Bretter. Zurück blieben ein vollgekotzter Hotelflur und ein Profi auf dem Abstellgleis. Als Dariusz Kampa für den Winterpausen-GAU sorgte

Sechs Gegentore. Sechs verdammte Gegentore gegen Hertha BSC! Dariusz Kampa, Torwart von Borussia Mönchengladbach, hatte an diesem 4. Dezember 2004 einfach einen Scheißtag erwischt. War machtlos gewesen gegen die Treffer von Billy Reina, Nando Raffael, Alex Madlung, Yildiray Bastürk und Marcelinho. Hatte, von seinen Abwehrspielern im Stich gelassen, ein halbes Dutzend Tore kassiert. Und, noch viel schlimmer, die Suppe auch noch selbst auslöffeln müssen. Eine Woche später, beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen, saß Dariusz Kampa nur noch auf der Bank. Gladbachs Trainer Dick Advocaat, ein strenger Holländer mit Hang zu unpopulären Entscheidungen, hatte überraschenderweise Ersatzmann Michael Melka in die Startelf befördert. 0:6 verloren, von den Zuschauern verspottet, vom eigenen Trainer gedemütigt. Von einem Torwart ersetzt, der mit 26 Jahren erst sechs Bundesligaspiele absolviert hatte. Was für eine beschissene Woche. Kampa brauchte dringend Urlaub.

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Durch ein Tor von Vaclav Sverkos holte Gladbach gegen den kriselnden Titelkandidaten Leverkusen ein 1:1 heraus, Michael Melka hatte seine Sache ganz gut gemacht. Trainer Advocaat verabschiedete seine Profis in die Weihnachtsferien.
Anfang Januar 2005 trafen sich die Spieler des vom Abstieg bedrohten Borussia Mönchengladbach wieder. Im spanischen Marbella, wo auch die Tabellennachbarn aus Nürnberg und Bochum Quartier bezogen hatten, scheuchte Advocaat seine Spieler über den Rasen. Aufstehen, frühstücken, trainieren, essen, trainieren, essen, schlafen – viel mehr tut ein Fußballprofi in einem Wintertrainingslager nicht. Dariusz Kampa, der geschasste Torwart, hatte seinen Frust mit unter den Weihnachtsbaum nehmen müssen, und nun, im Trainingslager, spukten die Gedanken an die Ersatzbank durch seinen Kopf. Die sechs Gegentore, der Spott, Michael Melka. Und jetzt musste Kampa auch noch beim Frühstück in den deutschen Zeitungen lesen, dass sich sein Verein intensiv um die Verpflichtung des US-amerikanischen Nationaltorhüters Kasey Keller bemühte. Kampa hatte die Schnauze voll.

Ausgang bis zum Wecken. Das hatte sich die Profis verdient

10. Januar 2005, der letzte Tag im Trainingslager. Dick Advocaat hatte seinen Spielern nach der letzten Trainingseinheit frei gegeben. Ausgang bis zum morgendlichen Wecken. Advocaat fand, dass sich seine Jungs dieses Bonbon verdient hatten. Auch Dariusz Kampa nutzte das Angebot, ging zum Essen mit den Kollegen in ein Hotel am Hafen von Marbella und schloss sich dann einer Gruppe an, die der örtlichen Disco einen Besuch abstatten wollte. So weit, so uninteressant. Was dann passierte, konnten die deutschen Fußballfans am nächsten Morgen in den bekannten Boulevardblättern im Detail nachlesen.

»Um 23.29 Uhr torkelt Kampa mit erhobenen Armen ins Barcello Marbella Golf Resort«, notiert die »Bild«-Zeitung und der »Kölner Express« ergänzt: »Bereits mit deutlichen Rotweinspuren an Hemd und Hose.« Dariusz Kampa, der 27-jährige Torwart von Borussia Mönchengladbach, ist voll wie ein Rabe. Im Hotelflur kommt ihm Bochum-Trainer Peter Neururer entgegen. Kampa lallt: »Du bist der tollste Trainer der Bundesliga. Aber so 'nen besoffenen Torwart kannst du wohl auch nicht gebrauchen?!« Neururer antwortet ein schnelles »Gerade deshalb« und macht sich dann vom Acker.



An der Theke entdeckt Kampa Zeugwart Günther »Chicco« Vogt und Physiotherapeut Joachim »Golle« Walther, beide Mitarbeiter seines ehemaligen Arbeitgebers 1. FC Nürnberg. Sechs Jahre hat Kampa in Nürnberg gespielt, dem Zeugwart und dem Physio schüttet er nun sein Herz aus. Vogt und Walther wollen dem Torwart ein stilles Wasser bestellen, doch der »verlangte gegen deren ausdrücklichen Rat eines mit Kohlensäure«, weiß der »Kölner Express« zu berichten. Jetzt nimmt das Unheil seinen Lauf.

»Plötzlich dreht sich ihm der Magen um«

»Um 0.22 Uhr suchte Kampa dann die Toilette auf, war schnell wieder zurück und versank in einem Sessel, die Arme nach oben gestreckt. Sekunden später sanken diese nach unten, und Kampa übergab sich im Hotelflur.« (»Kölner Express«)
»Kampa geht auf die Toilette, kommt nach zehn Minuten kreidebleich wieder. Plötzlich dreht sich ihm der Magen um. Er stürmt nach draußen. Auf dem 25 Meter langen Weg zum Ausgang muß sich Kampa vor rund 15 Hotelgästen mehrfach übergeben.« (»Bild«)

Wie auch immer die Geschehnisse des Abends exakt abgelaufen sein mögen – der Fußballprofi hat sich besoffen und ins Hotel gekotzt. Vor Zeugen. Zwei Nürnberger Journalisten helfen Kampa in ein Taxi, das den Keeper rasch ins Gladbacher Mannschaftsquartier fährt. Mögen sich die Kollegen der »Bild« und »Express« in punkto Brech-Vorgang noch uneinig gewesen sein, gute Nasen haben beide. »Der Nachtportier und ein Sicherheitsmann beseitigen mit Wischmops notdürftig das Malheur, versprühen Lavendelduft«, schreibt »Bild«. »Um 0.26 Uhr brauste Kampa mit dem Taxi davon, während das Hotelpersonal mit Lavendel-Parfüm wieder für frische Luft sorgte«, schreibt der »Kölner Express«.

Wer trainiert, der darf auch saufen

Der nächste Morgen. Dariusz Kampa hat Kopfschmerzen, nicht nur vom Alkohol. Er weiß, dass er sich jetzt den Kollegen, seinem Trainer und vor allem der Presse erklären muss. Längst weiß jeder, was gestern Nacht im Barcello Golf Resort passiert ist. Verdammte Hertha, verdammter Melka, verdammter Advocaat, verdammter Kasey Keller! »Ich hatte abends noch gut gegessen«, beginnt ein merklich angeschossener Kampa sein Verteidigungsplädoyer, »habe dann aber zu viel Bier und Wein durcheinander getrunken. Dann ist mir schlecht geworden. Ein Scheiß-Auftritt, den ich nicht mehr ändern kann. Es tut mir leid.« Gleich neben dem Torwart sitzt der Trainer, Dick Advocaat. Er wählt versöhnliche Worte: »Wer eine Woche hart arbeitetet, darf auch mal was trinken. Das fördert den Teamgeist!«

Wer's glaubt. Kampa wird in der gesamten Rückrunde der Saison 2004/05 kein Spiel mehr machen, erst am vierten Spieltag der Folge-Saison, beim 2:1-Heimsieg gegen den MSV Duisburg, darf er noch einmal ran. Da heißt der Trainer schon längst Horst Köppel. Nach der Saison 2005/06 verlässt Dariusz Kampa Borussia Mönchengladbach. Er hat 17 Spiele gemacht. 16 vor und eins nach dem GAU von Marbella.

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