Als Bayern Johan Cruyffs Abschiedsspiel vermieste

Das Sakrileg

Im November 1978 spielten Ajax und Bayern, die Rivalen des Jahrzehnts, noch einmal gegeneinander, um den großen Johan Cruyff zu verabschieden. Doch die Gala wurde zum Fiasko. Wie kam's? Simon Tahamata war dabei. Als Bayern Johan Cruyffs Abschiedsspiel vermieste

Für mich war es eine große Ehre, bei diesem Spiel dabei zu sein. Ich stand noch am Anfang meiner Karriere und war erst zwei Jahre zuvor zu Ajax gewechselt. Mit dem damals wohl besten Fußballer Europas zusammen zu spielen, war für mich etwas ganz Besonderes. Deshalb habe ich mich auch riesig auf dieses Spiel gefreut, weil Johan es einfach verdient hatte, einen großen Abschied zu bekommen. Normalerweise hätte die Partie 5:5 oder 6:6 ausgehen sollen und Cruyff hätte drei Tore gemacht. Doch von Anfang an kam keine feierliche Stimmung auf. Wir wollten eigentlich nur ein bisschen Fußball spielen, doch die Bayern waren regelrecht fanatisch. Später habe ich gehört, dass sie sich schlecht behandelt gefühlt haben, weil sie schon am Flughafen in Schiphol nicht richtig empfangen worden waren.

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Das kann ich natürlich nicht beurteilen. Trotzdem hätte es sich meiner Meinung nach nicht gehört, das Spiel so ernst zu nehmen. Einen so Großen wie Johan Cruyff mit einer 0:8-Niederlage zu verabschieden, ist nicht schön. Nicht einmal einen Treffer haben die Bayern ihm gegönnt. Das kann ich nicht verstehen.

Eine richtige Party war es nicht

Nach dem Spiel war es mit den Feierlichkeiten natürlich erst einmal vorbei. Wir saßen in der Kabine und haben uns gefragt, was eigentlich los war. An die Reaktion von Cruyff kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Er war mit Sicherheit enttäuscht und böse, weil er es gehasst hat, zu verlieren. Und dann in seinem Abschiedsspiel so vorgeführt zu werden, das hat ihm nicht gepasst. Nach einer Weile haben wir aber doch noch ein paar Bierchen zusammen getrunken. Eine richtige Party war es aber irgendwie nicht.

Ich bin heute Jugendtrainer bei Ajax und für die Technikschulung unserer Talente verantwortlich. Noch bei den ganz Kleinen ist Cruyff ein Idol, obwohl die meisten ihn nie haben spielen sehen. Ich stehe heute noch ab und zu mit ihm in Kontakt. Über sein Abschiedsspiel haben wir aber nie mehr gesprochen. Dass Karl-Heinz Rummenigge sich im vergangenen Jahr für den Münchener Auftritt entschuldigt hat, habe ich gelesen. Es ehrt ihn, dass er das gemacht hat. Inzwischen ist das Spiel aber für niemanden mehr ein Thema. Die deutsch-niederländischen Beziehungen werden dadurch nicht belastet (lacht). Wir haben aber gelernt, dass wir zu Abschiedsspielen keine deutschen Teams mehr einladen… Nein, das ist natürlich nicht ernst gemeint. Dennoch muss ich zum Schluss noch einmal sagen, dass ich den Bayern-Auftritt an diesem Abend nicht in Ordnung fand. Ob sie schlecht behandelt wurden, kann ich nicht beurteilen. Wenn dem so gewesen ist, war das mit Sicherheit nicht in Ordnung. Dennoch hätte man Johan Cruyff einen anderen Abschied schenken müssen.

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Cruyff revidierte seinen Rücktritt später noch einmal und spielte noch ein paar Jahre in den USA, Spanien und ab 1982 auch noch einmal in den Niederlanden für Ajax und Feyenoord. Ob sein Rücktritt vom Rücktritt mit den Vorkommnissen an jenem tristen Abend zu tun hatte, ist nicht überliefert.

Simon Tahamata ist heute 54 Jahre alt
und arbeitet als Trainer in der Al-Ahli Soccer Academy. Als Spieler war der Linksaußen in den Niederlanden für Ajax und Feyenoord aktiv. Für die niederländische Nationalmannschaft bestritt er 22 Länderspiele, in denen er zwei Treffer erzielte. Als Vereinsspieler war Tahamata zudem in Belgien bei Standard Lüttich, Germinal Beerschot und Germinal Ekeren aktiv, wo er 1996 seine Karriere beendete. Insgesamt bestritt er 604 Erstligaspiele, in denen er 113 Treffer erzielte.

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