Als Bayern Hof 1969 nach Israel reiste

»Das Eis war gebrochen«

Im Sommer 1969 trat der FC Bayern Hof als erster deutscher Fußballklub in Israel an – der denkwürdige Dokumentarfilm »08397B« erzählt jetzt davon und lässt die Erinnerung wieder wach werden. Wir haben ihn gesehen. Als Bayern Hof 1969 nach Israel reiste Das bedeutende sportpolitische Ereignis begann mit einer kleinen Finte. Im Herbst 1968 schrieb Franz Anders, Vorsitzender des damals renommierten FC Bayern Hof, der heute als SpVgg Bayern Hof in der Bayernliga antritt, an einem Tag zwei Briefe. Der eine ging an den israelischen Fußballverband, der andere ans deutsche Innenministerium nach Bonn.

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In Brief eins stand, dass Hof gerne für ein Fußballspiel nach Israel kommen würde und dass Bonn schon sein Okay gegeben haben. In Brief zwei stand, dass der israelische Fußballverband Hof für ein Fußballspiel eingeladen, der Klub aber nicht genügend Geld für diese Reise habe.

Israels Fußballverband war erfreut, das Innenministerium in Bonn anfangs skeptisch, später aber überzeugt – und so kam es im Juni 1969 zu zwei besonderen Freundschaftspartien: Erstmals bestritt eine deutsche Mannschaft auf israelischem Boden Fußballspiele.  

Aufschrei beim Foul

Es war ein wichtiger Moment im damals wenig entwickelten deutsch-israelischen Verhältnis, eine von vielen Etappen auf dem Weg der Aussöhnung – dennoch dürfte Autor und Regisseur Götz Gemeinhardt richtig liegen, wenn er anmerkt, »dass man dieses Ereignis heute so gut wie gar nicht mehr kennt«.

Gemeinhardt selbst kannte es ja nicht, bis er 2007 seine Recherchen über die Hofer Israel-Reise begann, dessen Ergebnis nun passend zum 100-jährigen Jubiläum des Klubs im 34-minütigen Dokumentarfilm "08397B" zu sehen ist.

Gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden Franz Anders flog Gemeinhardt noch einmal nach Israel, um den Spuren jener Sommerreise von 1969 hinterherzureisen. Nach Nahariya, wo die Hofer gegen eine Regionalauswahl 2:0 gewannen. Nach Petach Tikwa, wo sie gegen die damalige israelische Spitzenmannschaft 0:3 verloren. Und in die Nähe der Stadt Modi'in, wo sie als Zeichen des Dankes und der Freundschaft Bäume pflanzten. Noch einmal erinnern sie an die positiven Reaktionen vor Ort, an eine gemeinsame Trainingseinheit und an die verblüffende Situation im Stadion, als nach einem Foul des israelischen Vorstoppers an Hofs Mittelstürmer das Publikum aufschrie und die Auswechslung des Übeltäters forderte – in diesem Versöhnungsspiel sollte für Fouls kein Platz sein.

Oft begleitet die Ereignisse die Stimme des bekannten Fernsehjournalisten Sammy Drechsel, der damals mitreiste und einen einstündigen, mittlerweile verloren gegangenen Fernsehbeitrag schnitt.  

Handschlag vom Schiedsrichter

Auch israelische Zeitzeugen trifft Anders vor Ort wieder. Da ist Mordechai Spiegler, der den Beinamen »Beckenbauer Israels« trug, als bisher einziger Israeli bei einer Fußball-WM ein Tor schoss – und der sich sehr emotional erinnert. Oder Abraham Klein, der Schiedsrichter der beiden Spiele, der später als Fifa-Schiedsrichter auch international bedeutsame Partien leitete und sich heftigen Anfeindungen ausgesetzt sah. Ein Mann, aus dessen Familie viele dem Holocaust zum Opfer gefallen war, dürfe doch nicht vor dem Anpfiff einem deutschen Spieler die Hand schütteln, hieß es. Klein pfiff dennoch.

So erinnert Gemeinhardt mit einem einfühlsamen, oft auch heiteren Film an ein besonderes Sportereignis, das bald Nachahmer fand. Schon 1970 kam es zum Gegenbesuch einer israelischen Mannschaft in Hof, ab 1970 reiste Borussia Mönchengladbach jährlich zu einem Trainingslager nach Israel. »Das Eis war gebrochen«, heißt es am Ende des Films.

Am nächsten Sonntag (16 Uhr) ist »08397B« bei den Grenzlandfilmtagen in Selb zu sehen.

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