Als Ailton den HSV auf Platz 3 schoss

Der Spieler des Jahres

Vergeigter Schlussspurt oder Last-Minute-Coup? So lautete die Ausgangssituation zwischen dem HSV und Werder Bremen am 34. Spieltag 2005/2006. Doch wie sich nach der Partie zeigte, ging es um viel mehr als auf dem Spiel stehende Saisonziele. Als Ailton den HSV auf Platz 3 schoss

Eigentlich hätte sie eine rundum gelungene Spielzeit werden können, diese 42. Bundesliga-Saison des HSV. Eigentlich. Denn die Hamburger standen über den gesamten Saisonverlauf zwar nicht schlechter als auf Platz drei, distanzierten Erzfeind Werder Bremen noch am 30. Spieltag um fünf Punkte und spekulierten auf einen 34. Spieltag, an dem sie im Nordderby gegen Bremen uneinholbar auf dem zweiten Tabellenplatz liegen würden. Doch es kam anders. Der Vorsprung des HSV auf die tabellendritten Werderaner war am letzten Spieltag bis auf einen Punkt geschrumpft. Würde Werder in Hamburg gewinnen, stünden sie plötzlich auf zwei, und der HSV ginge den Gang in die ungeliebte Champions League-Qualifikation. Und das, obwohl die HSVer bereits davon geträumt hatten, gegen Bremen mit einer besseren A-Jugend aufzulaufen –  der Demütigung und gesicherten Tabellensituation wegen.

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Nachdem klar war, dass daraus nichts werden würde, eröffnete Innenverteidiger Khalid Boulahrouz den verbalen Vorspiel-Reigen mit einer Kampfansage Richtung Miroslav  Klose: »Wenn ich spiele, schießt der kein Tor«. Der Niederländer irrte.

»Halb Bremen lacht sich schlapp«

Es läuft die 72. Minute, als beim Stand von 1:1 ein von Naldo verlängerter Freistoß bei Klose landet, der den Ball aus fünf Metern unter die Latte drischt – Boulahrouz kommt zu spät. Das Tor markiert den entscheidenden Treffer zum 2:1-Endstand. Kurz zuvor hatte HSV-Transfercoup Ailton das Kunststück fertiggebracht, aus acht Metern am leeren Tor vorbeizuzimmern. Der Kommentar von HSV-Vereinschronist Axel Formeseyn: »Halb Bremen lacht sich schlapp ob des letzten Dienstes, den der ehemalige Torschützenkönig der Saison 2003/2004 seinen alten Werder-Spezis erwiesen hat.« Denn nach der Partie hüpfen Thomas Schaaf und seine Mannen übers Feld als hätten sie Sprungfedern unter die Füße geschnallt. Torsten Frings krächzt heiser: »Das ist eine geile Geschichte für ganz Bremen.«

Dagegen herrscht im HSV-Lager Katerstimmung. Kein Derby-Sieg, keine bessere A-Jugend-Elf, keine direkte Champions League-Qualifikation. Ausgerechnet von Bremen, vor heimischer Kulisse, am letzten Spieltag bezwungen. Ausgerechnet durch Ailton die Chance auf eine veredelte Saison vergeben. Ausgerechnet durch Miroslav Klose besiegt, der bereits vor dem Spiel geätzt hatte: »Man kann den HSV nicht mit Werder vergleichen. Der HSV hat noch einiges aufzuholen.«

Die Wunden der HSVer ob der Niederlage waren bereits geleckt, und die Helden der Mannschaft sollten nach Saisonschluss gewürdigt werden, als St. Pauli- und Bremen-Fans erneut in die gleiche Kerbe schlugen. In Werder- und Pauli-Internet-Foren hatten User dazu aufgerufen, Ailton zum HSV-Spieler der Saison zu wählen – mit Erfolg. Und so bleibt eine der besten Saisons der letzten 20 Jahre für den Hamburger Sportverein, mit einem der bittersten Zieleinläufe der Vereinsgeschichte – und einem Spieler des Jahres namens Ailton.

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