Alles außer EM: Was sonst noch in der Welt geschah

Kevin – Allein zu Haus

EM. Euro. Europameisterschaft. Kein Tag mehr ohne Polen, Ukraine und Joachim Löw. Und sonst so? Ein schneller Überblick, was sich in der Welt des Fußballs außerdem getan hat. Rangnick, Kagawa, Rehhagel, Großkreutz. Alles, außer EM.

Kevin ganz allein

Wer Kevin Großkreutz dieser Tage einsam und verlassen die Straßen Dortmunds ablaufen sieht, bemerkt die gebückte Haltung und das traurige Gesicht. Wer genauer hinschaut, wird vielleicht auch ein Tränchen im Gesicht den Dortmunder Urviechs erkennen. Kevin geht es nicht gut, musste er sich doch von seinem Ziehsohn verabschieden – Shinji Kagawa. Als der kleine Japaner 2010 nach Dortmund kam, eroberte er mit seinem spitzbübischen Lächeln ganz schnell das Herz des BVBlers. Großkreutz adoptierte Kagawa, zog ihn auf wie ein Tierpfleger ein von der Mutter verstoßenes Jungtier. Kagawa wuchs in Rekordschnelle vom unbekannten Kicker aus der zweiten Liga Japans, zu einem der begehrtesten Mittelfeldspieler Europas heran. Auch dank der guten Pflege von Kevin Großkreutz. Und nun? Nach zwei Jahren ist der Japaner flügge und wechselt für 15 Millionen Euro zu Manchester United. Und lässt Kevin ganz allein.

Ralf, der Pionier

Was hat bisher in der Premier League noch gefehlt? Richtig, ein deutscher Trainer, der den Engländern mal zeigt, wie Fußball wirklich gespielt wird! Den Pionierstatus wird sich wohl Ralf Rangnick krallen. In dieser Woche will der ehemalige Trainer von Schalke entscheiden, ob er ein Angebot von West Bromwich Albion annimmt. Wem jetzt schon die nackte Panik ergreift vor kauderwelschen Interviews von Rangnick auf Englisch, der kann beruhigt werden. Ein denglisches Desaster à la Lothar Matthäus und Roman Weidenfeller ist ausgeschlossen. Rangnick studierte Englisch auf Lehramt, unter anderem an der University of Brighton.

Uli und Theo, Levan und die Strafe

Zwani, der Umschmuste

Apropos Englisch. Was ist eigentlich eine »lame Duck«? Wer es ist nicht weiß, sollte sich einen Anruf bei Theo Zwanziger sparen. Der hat laut Uli Hoeneß weder von Englisch noch seiner Aufgabe als reformwilliges FIFA-Exekutivmitglied einen Plan. Bei einer Veranstaltung der »Netzwerk Recherche« kam Hoeneß richtig in Wallung. Für ihn lässt sich der ehemalige DFB-Präsident von Sepp Blatter »umschmusen«. Der Plan, einen Wandel im Weltverband herbeizuführen, sei so zum Scheitern verurteilt. Die spitzfindige Frage, ob Zwanziger damit eine »lame Duck« sei, beantwortete Hoeneß gewohnt bissig: »Für ihn ist es schon ein Problem, lame Duck zu übersetzen, weil er kein Englisch kann.« Für alle Theo Zwanzigers dieser Welt: Es bedeutet »lahme Ente« oder »machtloser Politiker«. Beides nicht gerade nett.

Siebeneinhalb für Lewan K.

Paolo Guerrero atmete tief durch. Über den Skandal-Tritt des Hamburgers aus dem Spiel gegen den VfB Stuttgart wird sich in ein paar Jahren niemand mehr den Mund fusselig reden. Seine Sperre von acht Spielen – geschenkt. Peanuts im Vergleich zu der Strafe, die Levan Kobiashvilli von Hertha BSC aufgebrummt wurde. Siebeneinhalb Monate wird der Georgier aus dem Verkehr gezogen, weil er Wolfgang Stark beim Relegationsspiel in Düsseldorf einen Schlag auf den Hinterkopf verpasst hatte. Die Monster-Sperre für Kobiashvilli stellt sämtliche Sanktionen der deutschen Fußballgeschichte in den Schatten, verschafft dem »fairsten Fußballer seit dem zweiten Weltkrieg« (Otto Rehhagel) einen zweifelhaften Rekord. Da können die bisherigen Guinnessbuch-Sünder Timo Konietzka (sechs Monate), Erwin Kremers (14 Wochen) und Axel Kruse (zehn Wochen) einpacken.

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