Alle deutschen WM-Spiele gegen Argentinien

20 silberne Brieföffner

Deutschland gegen Argentinien ist schon längst ein alter WM-Hut. Das Finale in Brasilien ist bereits das siebte Aufeinandetreffen der beiden Fußball-Dinos bei einer Weltmeisterschaft. Eine Geschichte mit Kohl und Kahn.

8. Juni 1958 / Weltmeisterschaft in Schweden
Deutschland - Argentinien 3:1 (Finalrunde)

Bundestrainer Sepp Herberger hatte vier Jahre nach dem sensationellen Titelgewinn in der Schweiz seine liebe Not, die bewährten Stützen der Berner Wundertruppe mit nach Schweden zu schleusen. Der Doppeltorschütze vom Finale gegen Ungarn, Helmut Rahn, war in den vier Jahren nach der Weltmeisterschaft lediglich als notorischer Säufer und Verkehrsrowdy in Erscheinung getreten und hatte dabei sogar den ein oder anderen Polizisten verhauen. Und Fritz Walter war inzwischen in die Jahre gekommen, nicht wenige Journalisten machten sich über den 36-jährigen Spielmacher lustig. Dankbarkeit gibt es erst am Grab. Wie wahr. Herberger schaffte es trotzdem Rahn und Walter mit nach Schweden zu nehmen und im ersten Spiel gegen Argentinien auflaufen zu lassen. Und siehe da: An der Seite von Walter und Rahn konnte der Rest der Mannschaft seine Wirkung entfalten, darunter ein junger Hamburger namens Uwe Seeler, von Herberger in seinem Notizbüchlein beständig als »Das Wunder« bezeichnet. Seeler traf, Rahn sogar doppelt und Fritz Walter lenkte das Spiel wie in besten Zeiten. 3:1 gewann der Weltmeister und Argentiniens Coach Guilermo Stabile maulte ob der rustikalen deutschen Spielweise: »Wir sind keinen so gewalttätigen Fußball gewöhnt!« Gewalt im Allgemeinen dürfte er nicht gemeint haben – nach dem vorzeitigen WM-Aus warteten bei der Ankunft 20.000 Landsleute, die Stabile ans Leder wollten. Nur mit Müh und Not konnte sich der Trainer retten. Deutschland schied erst im Halbfinale gegen Schweden aus.

16. Juli 1966 / Weltmeisterschaft in England
Deutschland - Argentinien 0:0 (Finalrunde)

Wirklich Chancen auf einen Gruppensieg gegen Argentinien rechnete man sich im deutschen Team 1966 nicht aus – zu beeindruckend war die Bilanz der Südamerikaner, die allein Weltmeister Brasilien seit dem Titelgewinn 1962 viermal abgefrühstückt hatten. Nach einer klaren 5:0-Sieg zum Auftakt gegen die Schweiz (Kommentator Rudi Michel: »Das sind Kombinationen aus der Fußball-Fibel!«) musste Helmut Schöns Auswahl in Birmingham gegen Argentinien spielen. Nach einem kurzen Zwischenstopp (Autor Udo Murras auf dfb.de: »In einer Turnhalle wurden Tee, Sandwiches und Schaumgummi-Matrazen bereitgestellt. Zum Entspannen.«) ging schon wenige Minuten nach dem Anpfiff die ganz große Treterei los. 21:11 Fouls zählten die überforderten Statistiker, Schiedsrichter Zecevic aus Jugoslawien wurde nach einer Roten Karte für Argentiniens Albrecht fast auf dem Platz vermöbelt. Wieder Murras zitiert aus einem WM-Almanach von 1966: »Der Jugoslawe wird an die Höhe seiner Lebensversicherung gedacht haben, als er sich einem Dutzend drohender Fäuste gegenüber sah.« Es blieb letztlich beim 0:0, Bundestrainer Schön musste sich quengelnden Journalisten erwehren und schaffte es schließlich doch noch ins Finale. Da war Argentinien längst in der Heimat angekommen.

29. Juni 1986 / Weltmeisterschaft in Mexiko
Argentinien - Deutschland 3:2 (Finale)

Vor dem Endspiel der WM in Mexiko schwelgt die deutsche Mannschaft im kollektiven Freudentaumel. Nach jeder Trainingseinheit stimmen sich Brehme & Co., mit riesengroßen Phantasiesombreros behutet, auf das anstehende Finale gegen Argentinien ein. Hans-Peter Briegel, sonst kein großer Ideengeber, reißt mit Megaphon in der Hand, zu den Klängen einer rund um die Uhr aufspielenden Mariachi-Kapelle zur lyrischen Blutgrätsche an: »Aber eins, aber eins, das ist gewiss, auch Argentinien hat vor Deutschland Schiss!« Bundeskanzler und Großgratulant Helmut Kohl besteigt postwendend die Regierungsmaschine gen Mexiko City, um vor dem Finale im Speisesaal an die Spieler 20 silberne Brieföffner auszuteilen, »für die viele Fan-Post, die Sie in der Heimat erwarten wird.« Im Finale gelingt es dann dem jungen Lothar Matthäus  vor 117.000 Zuschauern im Azteken-Stadion Argentiniens Starlet Diego Maradona weitestgehend auszuschalten, bis kurz vor dem Ende ein Geistesblitz von »El diez« jegliche deutsche Hoffnungen zerschmettert. Sein Traumpass schickt Burruchaga auf die Reise in die deutschen Hälfte. Briegel, ohne Sombrero, dafür aber mit Sonnenstich, hebt wie paralysiert das Abseits auf und kommt zu spät. Schuhmacher ist chancenlos. 2:3. Argentinien ist Weltmeister.

8. Juli 1990 / Weltmeisterschaft in Italien
Deutschland - Argentinien 1:0 (Finale)

Vier Jahre zuvor hatten noch die Gauchos gesiegt, doch jetzt, erstmalig in der Geschiche der WM, gab es die Möglichkeit zur WM-Finalrevanche. Manndecker Buchwald verfolgte Maradona bis ans Frühstücksbuffet und meldete ihn damit komplett ab. Argentiniens Offensivspiel war so ungefährlich wie Messerwerfen mit Plastikbesteck: Die einzige Offensivaktion kam durch eine Bogenlampe vom Andreas Brehme zustande. Beleidigt traten Maradonas Mannschaftskollegen um sich. Dezotti und Monzon durften vorzeitig duschen gehen und konnten endlich die Beine hochlegen. Brehme legte sich derweil den Ball für den fälligen Elfmeter in Minute 85 zurecht. Dieser durfte nur schießen, weil Matthäus die Hosen voll bzw. den Knacks im Schuh hatte. Seine Schlappen, ein Geschenk Maradonas, waren kaputt gegangen und die neuen Treter gaben ihm zwar nicht die Sicherheit, wohl aber die Ausrede für einen Rückzieher. Brehme verwandelt eiskalt unten links. Durchhalten bis zum Schlusspfiff. Geschafft! Die Revanche war geglückt, die Stimme weggegröhlt und die deutschen Römer feierten mit Deutschland auf dem Frankfurter Römer. Happy End

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