Ajax-Opa bekommt eigenen Chauffeur - vom Verein

Alte Liebe rostet nicht

Willem Groen ist 79 Jahre alt und seit 1956 Anhänger von Ajax Amsterdam. Weil er es alleine nicht mehr ins Stadion schaffte, bekam er überraschende Hilfe. Von seinem Klub.

leidschdagblad.nl

Als Schiedsrichter Dennis Higler am vergangenen Dienstag die Partie zwischen Ajax Amsterdam und Heracles Almelo abpfiff, erhoben sich 44.516 Zuschauer frustriert von ihren Sitzen. Mit hängenden Köpfen verließ die Elf des Tabellenführers den Rasen der Amsterdam Arena. Die Gäste aus Almelo hatten ihnen ein enttäuschendes 0:0 abgerungen. Trotz 64 Prozent Ballbesitz, 12:4 Torschüssen, 7:1 Ecken. »Hätte ich auch zu Hause bleiben können«, dachten sich wohl einige Zuschauer, als sie durch die Stadiontore in die Amsterdamer Nacht entflohen.

Für Zuschauer Nummer 44.517 war das Ergebnis an diesem Abend vermutlich Nebensache. Ajax-Anhänger Willem Groen genoss den lauen Kick bei sechs Grad und Nieselregen – obwohl er solche Spiele schon hundertfach gesehen hat. Und bessere Zeiten sowieso: Willem feierte mit Ajax bereits 25 Meisterschaften, 16 Pokalsiege, vier Champions-League-Triumphe. Er sah Cruyff, van Basten, Koeman. Ajax ist Willems Verein – seit 60 Jahren. Die Liebe seines Lebens. »Das bleibt bis zum Tod«, sagte der Senior diese Woche der Regionalzeitung Leidsch Dagblad. Immer, wenn er nicht einschlafen könne, denke er an seinen Verein. Und Ehefrau Cor ergänzt: »Willem ist nicht mit mir verheiratet, sondern mit Ajax.«

Doch Fahrten zu Heimspielen seines Herzensklub wurden für den mittlerweile 79-Jährigen in den vergangenen Jahren zunehmend zur Herausforderung. Willem wohnt in Leiden, südlich von Amsterdam, von seiner Haustür bis zum Arena-Drehkreuz muss er 45 Kilometer überwinden. Eine lange Reise – die er sich in seinem hohen Alter nicht mehr alleine zutraut. Als sein Kumpel ihm neulich eröffnete, dass er nicht mehr wie gewohnt mit Willem von Leiden zum Stadion fahren könne, brach für den Mann die Welt zusammen. »Abends alleine in öffentlichen Verkehrsmitteln – das war mir zu gefährlich«, berichtet Willem. »Gerade mit einem Ajaxschal um den Hals fühle ich mich nicht sicher.«

Zwischen den Bonzen sitzen? Nicht mit Willem

Esther Crena Uiterwijk, seit zehn Jahren Willems Sitznachbarin in der Amsterdam Arena, fand, dass die Liebesgeschichte des alten Mannes zu seinem Verein ein besseres Ende verdient hat. Also startete sie am Spieltag bei Twitter einen Aufruf: »Welcher Dauerkartenbesitzer fährt von Leiden zur Arena?«

Innerhalb einer Stunde kam ein Hilfsangebot – von Ajax Amsterdam. Der Klub erklärte sich bereit, Willem ab sofort zu jedem Spiel zu kutschieren. Wenig später saß Willem an seinem gewohnten Platz in der Amsterdam Arena, hofiert wie ein Millionär auf dem Rasen.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Geschichte von Willem unter den Ajax-Fans. Nun will der Verein seinen treuen Anhänger Anfang Februar beim Spiel gegen Feyenoord gar im Stadion ehren. Ein bisschen stolz sei er schon, gesteht Willem holländischen Journalisten. Verbiegen wird er sich dafür aber nicht. »Ich werde gegen Rotterdam dann wohl auch mal in den VIP-Bereich gehen, aber das Spiel werde ich dann von meinem gewohnten Platz aus verfolgen. Ich will doch nicht zwischen den ganzen Bonzen sitzen.« Guter Mann.

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