Abraham Klein: Der unvollendete Spitzen-Schiedsrichter

Meister der Pfeife

Der Israeli Abraham Klein war einer der besten Schiedsrichter der Welt. Ein WM-Finale blieb ihm stets verwehrt – auch aus politischen Gründen.

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Abraham Klein wollte eigentlich nur seine Hosen zu Jonas bringen, dem Schneider seines Heimatortes Haifa in Israel. Doch der musste dringend als Schiedsrichter zu einem Amateurspiel in der Nähe und nahm den damals 20 Jahre alten Klein einfach mit. Während der Partie verletzte sich der Schneider am Knöchel und hielt seinem Kunden mit schmerzverzerrtem Gesicht die Pfeife hin.

»Du springst für mich ein«, sagte er. Klein erwiderte am Spielfeldrand, dass er die Regeln überhaupt nicht beherrsche. Doch der Schneider insistierte: »Du kennst doch das Spiel. Wenn es ein Foul gibt, dann pfeifst du. Es ist einfach, glaub mir.«

Abraham Klein war zu einem der besten Schiedsrichter der Welt aufgestiegen

Das war 1954. Mehr als zwanzig Jahre später pfiff Klein vor Zehntausenden Zuschauern ein Spiel in der nordamerikanischen Profiliga, auf dem Platz stand Franz Beckenbauer. In der Halbzeitpause erblickte der Spielleiter auf dem Weg in die Kabine einen winkenden Mann, der näher herantrat und mit leuchtenden Augen rief: »Abraham, ich habe doch gewusst, dass du ein super Schiedsrichter wirst!« Die Freude über das Wiedersehen war groß, die in Auftrag gegebenen Hosen allerdings hatte Jonas, der Schneider, immer noch nicht dabei.

In den Jahren vor dem Wiedersehen in Amerika war Klein tatsächlich 
zu einem der besten Schiedsrichter der Welt aufgestiegen. Er kam bei drei Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen zum Einsatz. Alan Robinson von der englischen Schiedsrichter-Vereinigung nannte ihn ehrfurchtsvoll den Master of the Whistle, den Meister der Pfeife.

Ein fairer, konsequenter Spielleiter

Fußballstars wie Pelé und Günter Netzer lobten Klein in den höchsten Tönen. Ein fairer, konsequenter Spielleiter, mit Ausstrahlung und lautem Pfiff, athletisch, immer auf Ballhöhe, mit einem Gespür für das Geschehen auf dem Platz.

Ein Finale allerdings leitete Klein nie, er war der Mann für die Spiele um Platz drei, bei der WM 1978, bei Olympia 1968 und 1976. Der Grund dafür war in den Augen vieler Beobachter nicht Klein selbst, sondern die Politik. Der Israeli Klein, heute 80 Jahre alt, sah sich in seinem Leben immer wieder konfrontiert mit Diskriminierungen, Bedrohungen und dem Krieg.

»Was ich während des Krieges erlebt habe, daran möchte ich mich nicht erinnern«

Viele Familienmitglieder väterlicherseits kamen im Holocaust ums Leben. Sein Vater selbst konnte fliehen, bevor Rumänien an der Seite der Achsenmächte in den Krieg eintrat. Klein lebte mit seiner Mutter und ihren sechs Geschwistern in zwei Räumen. »Was ich während des Krieges erlebt habe, daran möchte ich mich gar nicht mehr erinnern«, sagt Klein und erstmals wird seine Stimme am Telefon leise.

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