23.09.2013

Aaron Ramseys Ruf als Todesengel

Der »Promi-Schlächter«

Um Arsenals Aaron Ramsey ranken sich krude Gerüchte: Der Waliser kam lange Jahre selten zu einem Torerfolg, nach jedem aber starb eine Berühmtheit. Seit er diese Saison in Serie trifft, geht auf der Insel die Angst um.

Text:
Paul Hofmann
Bild:
imago

Zufall, der
Substantiv, maskulin
1. das Auftreten eines Ereignisses oder Zusammentreffen mehrerer Ereignisse ohne kausale Erklärung

Im ursprünglichen Wortsinne würde Aaron Ramsey den Zufall sicher wohlwollend unterschreiben. Dass ihm Torerfolge »zufallen« ist letztlich erfreulich – für den Mittelfeldmann und seinen Arbeitsgeber, den FC Arsenal. Was die britischen Medien und Netzsphären daraus machen, ist weniger erfreulich als vielmehr obskur. Denn die »Sun« behauptet auf Basis diverser Twitter-Einträge seit Februar 2012, Ramsey würde mit jedem seiner Tore eine berühmte Persönlichkeit umbringen.

So ganz von der Hand weisen lässt sich die dunkle Behauptung bedauerlicherweise nicht. Ein Rückblick: Am 22. August 2009 erzielt Ramsey sein Debüttor für den FC Arsenal, am 23. August stirbt der islamistische Stammesführer Baitullah Mehsud nach einem Drohnenangriff der US-Luftwaffe. Vorerst kommt nicht mal die »Yellow Press« auf den Gedanken, diese Ereignisse in eine Relation zu bringen. Zwei Monate darauf, am 14. Oktober 2009, netzt Ramsey erstmals für die walisische Nationalmannschaft. Noch in der Nacht zum 15. Oktober entschläft Josias Kumpf, als ehemaliger KZ-Wachmann der Ermordung von 8000 Juden beschuldigt, altersbedingt in einem Wiener Spital. Auch das: Eine bloße Randnotiz. Zunächst.

Bin Laden, Jobs, Gaddafi – und Houston

Seinen nächsten Torerfolg verbucht Ramsey am 23. Februar 2011 in den Farben Cardiff Citys, Arsenal hat ihn zwecks Weiterentwicklung in seine Heimat verliehen. Drei Tage später verstirbt der Kanadier Roch »Moses« Thériault – 26-facher Vater, Apokalypse-Verfechter, Gewalttäter und Begründer der »Ant Hill Kids Kommune«, nach zwanzigjähriger Haft in einem Gefängnis in New Brunswick. Es ranken sich erste dubiose Gerüchte um »Ramseys geheimnisvolle Fähigkeit«, die Liste seiner »Opfer« erscheint jedoch weiterhin recht beliebig und inszeniert. Bis sich der Waliser, inzwischen wieder für Arsenal auf dem Rasen, im Topspiel gegen Manchester United am 1. Mai 2011 für das Tor des Tages bejubeln lassen kann. In den Morgenstunden des 2. Mai wird Al-Qaida-Anführer Osama bin Laden von einer US-Spezialeinheit erschossen. Ein gefundenes Fressen für die schlagzeilenheischende Regenbogenpresse der Insel.

Am 2. Oktober 2011 schiebt Ramsey im »North London Derby« gegen den Stadtrivalen Tottenham Hotspur ein. Am 5. Oktober erliegt Apple-Gründer Steve Jobs seinem Krebsleiden. »Aaron Ramsey is a murderer«, ist auf dem Banner eines bedeutenden Tottenham-Blogs zu lesen. Gerade zwei Wochen darauf knipst Ramsey in der Champions League gegen Olympique Marseille, am nächsten Tag segnet Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi das Zeitliche. Auf Twitter erreichen die bizarren Schicksalsfügungen um Ramseys Tore und das Ableben von Osama Bin Laden, Steve Jobs und Oberst Gaddafi Kultstatus. Der englische Blätterwald macht das Ganze in seiner Schlagzeilenwut öffentlichkeitswirksam. Die »Sun« titelt »Ramseys Todesausflüge enden nicht«, der »Telegraph« nennt Ramsey einen »Promi-Schlächter«.

Am 11. Februar steuert Aaron Ramsey einen Treffer zum Sieg der »Gunners« gegen den FC Sunderland bei. Whitney Houstons lebloser Körper wird wenige Stunden später in einem Hotelzimmer in Beverly Hills gefunden. Das Spitze des dunklen Eisbergs.

 
 
 
 
 
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