Lediglich dem Verletzungspech war es danach geschuldet, dass der Stern von Aaron Hunt nicht endgültig aufgehen sollte. Schon 2007 hing seine Karriere nach Operationen an Leiste und Knie und einer siebenmonatigen Verletzungspause am seidenen Faden. Beschwerden und Verletzungen an Knie, Schambein und Leiste blieben ihm auch danach treu. Kaum eine Saison spielte Hunt durch. Für die Fans wurde er aufgrund von unkonstanten Leistungen und vieler Verletzungen vom großen Versprechen zum »ewigen Talent«.
Als Werder 2011 nach dem Abgang von Mesut Özil in Abstiegsgefahr geriet, war Aaron Hunt für viele der Sündenbock. Seine von Natur aus zurückhaltende Körpersprache deuteten die Fans als Arroganz und Phlegma. Pfiffe der eigenen Fans und wütende Forumsdiskussionen machen die Körpersprache des Halbengländers auf dem Platz nicht unbedingt sicherer. Hunt-Bashing im Stadion und Internet-Foren wurde zum Sport. Das junge Versprechen an den Fußball war längst ein »fauler Hunt«. Später ließ Hunt in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« durchblicken, dass er daran ordentlich zu knapsen hatte: »Überhören kann man das nicht.«
»Mit Herz und Hunt!«
Einige Fans hielten Hunt jedoch die Stange und ließen als Gegengewicht zu den Pfiffen im Abstiegskampf T-Shirts mit dem Slogan »Mit Herz und Hunt!« und dem Konterfei des Linksfuß drucken. Sie schenkten dem Linksfuß ihr Vertrauen: Hunt fing sich, die Pfiffe hörten auf und seitdem geht es bei dem inzwischen 26-Jährigen bergauf.
Im vielbeschworenen Umbruch von Werder Bremen nach sportlichen Misserfolgen und dem mehrmaligen Verpassen des internationalen Geschäfts wurde Aaron Hunt als dienstältester Werder-Profi zur zentralen Figur. Topverdiener wie Tim Wiese und Claudio Pizarro verließen den Verein, Bremens Mannschaft ist inzwischen die jüngste der Bundesliga. Als Kapitän Clemens Fritz diese Saison verletzt fehlte, war Aaron Hunt mit 26 Jahren der älteste Spieler auf dem Platz und übernahm in sechs Partien die Kapitänsbinde. Aaron Hunts Rolle in Bremen hat sich verändert. Er ist kein Talent mehr, sondern Kernstück in Werders neuen System, das nicht mehr auf die individuelle Klasse eines spielstarken Zehners setzt, sondern kollektive Arbeit in den Vordergrund stellt.
Torgefahr und Führungsrolle
Die Zahlen sprechen eine noch deutlichere Sprache: Mit sechs Treffern und drei Vorlagen ist Aaron Hunt an knapp der Hälfte der Bremer Tore beteiligt. Gegen Hamburg, Mainz und Freiburg erzielte jeweils er den Siegtreffer. Der neue Aaron Hunt ist in dieser Saison torgefährlicher Offensivspieler und Führungsfigur zugleich. Mit ihm steht und fällt die Ordnung im Bremer Spiel.
Das Gesicht von Aaron Hunt erzählt Geschichten. Dabei ist er erst 26 Jahre alt. Er war Teil von Werders erfolgreichen Zeiten als Champions-League-Abonnent, er stand im Uefa-Cup-Finale 2009, sah Ballkünstler wie Johan Micoud, Diego und Mesut Özil kommen und auch wieder gehen. Nur er blieb als einziger. Als wollte er sagen: »Ich habe noch ein Versprechen einzulösen. Hunt drauf!«