96-Fans über Martin Kind

„Eine Kröte geschluckt“

Im neuen 11FREUNDE-Heft skizzieren wir das "System Kind" bei Hannover 96. Was halten die Fans eigentlich vom letzten Absolutisten der Liga? 11freunde.de hat mal nachgefragt. Imago
Heft #62 01 / 2007
Heft: #
62
Peter Staade, Eventmanager:

„Wir Fans haben ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Martin Kind. Einerseits hat er 96 aus der Versenkung herausgeholt. Als Kind Präsident wurde, haben wir noch in der Regionalliga gespielt. Seine Verdienste honorieren hier alle. Andererseits ist er ein biederer Geschäftsmann, der vom Sportlichen wohl nur wenig Ahnung hat. Er führt den Verein diktatorisch und kann wohl nicht von der Macht lassen – sein Rücktritt vom Rücktritt im Juli war der beste Beweis dafür. Wie er damals Ralf Rangnick entlassen hat – das war unmöglich. Sein Lieblingssatz lautet: „Die Marke Hannover 96 ist gut aufgestellt.“
Auch mit seiner Reaktion auf unseren Protest gegen die Preiserhöhung der Eintrittskarten hat er viele 96-Anhänger vor den Kopf gestoßen. Im DSF-Stammtisch sagte er dazu: „Es gibt auch noch etwas anderes als Fans.“ Wenn ich so etwas höre, kann ich nur den Kopf schütteln.
Volksnah ist Kind auf keinen Fall. Aber wir haben Kind als Kröte in Hannover geschluckt, denn er steckt weiterhin eine Menge Geld in den Verein. Er soll mal lieber hier bleiben, alle anderen Szenarien wären noch viel schlimmer.“

[ad]


Andrea Gnade, System-Administratorin:

„Kind ist ein knallharter Unternehmer, der seine Geschäftspraktiken auf den Verein übertragen hat.  Dummerweise scheint sein autokratischer Führungsstil das Beste für Hannover 96 zu sein. Er ist zurückgekehrt, weil er sein Lebenswerk in Gefahr sah. Ehrlich gesagt, darf er sich das auch rausnehmen. Dafür hat er viel zu viel in den Klub investiert. So  lange er weiter Geld hineinpumpt, wird er bei den meisten Fans wohl auch beliebt sein. Was soll’s, wir brauchen eben auch einen Geschäftsmann an der Vereinsspitze und keinen Frühstücksdirektor. Und da ist Kind genau der Richtige.“


Andreas Barthel, Diplom-Physiker:

„Martin Kind ist ein guter, aber enorm dominanter Präsident. Er überstrahlt den ganzen Verein – und irgendwie ist das für Hannover 96 eher schlecht. So eine Alleinherrschaft ist zu viel für jemanden, der nebenbei noch Hörgeräte herstellt. Er ist aber auf Gedeih und Verderb mit dem Klub verbunden. Daher ist er mir lieber, als jeder anderer aus dem 96-Umfeld.
Was mich aber skeptisch stimmt, sind die undurchsichtigen Vereinsstrukturen, die er geschaffen hat. Bei der „Hannover 96 GmbH & Co. KGaA“ weiß ist es ganz schwer nachzuvollziehen, wer wofür verantwortlich ist.“


-------------

Den Artikel "Der Macchiavelli von der Leine" findet Ihr im neuen 11FREUNDE-Heft (ab heute im Handel).

Die Themen außerdem:

Das gelobte Land - Auf der Suche nach der Seele des englischen Fußballs
Armin Veh und Horst Heldt - Höhenflug der Nobodys
Putsch bei Lazio - Im Würgegriff der Mafia
Stadionposter Borussia-Park
Die Bilder des Jahres 2006
Beilage: 11FREUNDE-Kalender 2007

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!