23.08.2013

90 Minuten mit Mario Gomez

German Dreamboy

Am Donnerstag machte Mario Gomez gegen die Grasshopper Zürich sein erstes internationales Pflichtspiel für den AC Florenz. Wir waren im Stadion und haben den deutschen Stürmer 90 Minuten lang auf Schritt und Tritt verfolgt.

Text:
Roland Wiedemann
Bild:
Imago

Es sind gerade einmal 18 Sekunden in der zweiten Halbzeit der Europa League-Play-Off-Partie gegen den Grasshopper Club Zürich gespielt, als Mario Gomez allein vor dem gegnerischen Torhüter auftaucht, an diesem vorbeizieht und der Ball einen Wimpernschlag später im Netz landet, unter Mithilfe von Zürichs Verteidiger Grichting.

Mario Gomez' vermeintlich erster Treffer gleich im ersten Pflichtspiel für die Fiorentina – es war kein schönes, sondern ein kurioses Tor. Typisch Gomez, werden die Kritiker seiner Art des Fußballspielens, die scheinbar auf das Nötigste reduziert ist, sagen. Einfach ein genialer Stürmer, finden dagegen Menschen wie Roberto Vinciguerra, die Fußball ergebnisorientiert, die Leistungen seiner Protagonisten vor allem unter dem Aspekt der Zahlen und Fakten betrachten. Wie alle anderen wird er erst Stunden später erfahren, dass die Uefa letztlich nicht Gomez, sondern Grichting das Tor zuschreibt.

»Bravo Mario«

Davon weiß Roberto Vinciguerra noch nichts, als er auf der Pressetribüne des Zürcher Letzigrund-Stadion den Treffer bejubelt, an einem Ort, wo man eigentlich zur Neutralität verpflichtet ist. Aber der italienische Journalist mit den vielen grauen Locken macht keinen Hehl aus seiner Sympathie für den AC Florenz, die Mannschaft in violett – eine Farbe, die Gomez übrigens bestens steht. Als die 20 Millionen Euro teure Neuverpflichtung Mitte der zweiten Halbzeit in Höhe der Mittellinie einen gegnerischen Spieler abgrätscht, schreit er laut »Bravo Mario« und macht ein Kreuzchen unter der Rubrik »gewonnener Zweikampf« auf seinem Statistikbogen. Kein Zweifel, wie so viele Fiorentina-Fans hat auch Vinciguerra die Gomez-Hysterie erfasst.

25.000 Menschen waren bei der Vorstellung des Neuzugangs vom FC Bayern ins Fiorentina-Stadion gekommen. So etwas hat es nicht einmal gegeben, als Sócrates, eine der Lichtgestalten des Weltfußballs, 1984 in der Hauptstadt der Toskana einzog. Gomez, diese Tormaschine, »kann die Fiorentina den entscheidenden Schritt voranbringen«, glaubt Vinciguerra wie so viele andere Gleichgesinnte. »Er lässt uns träumen.« Vom Scudetto, dem dritten Meistertitel in der Klubgeschichte, auf den die  Florenz-Anhänger jetzt schon seit 44 Jahren warten müssen.

 In der vergangenen Saison, die Florenz auf Platz vier der Serie beendet hat, fehlte ein »Bomber« (Vinciguerra). 16 verschiedene Torschützen – die Kerngeschäft im Fußball war auf viele Schultern verteilt worden. Als Ausdruck dieses Kollektivwerks wurde in Italien der Begriff »Cooperativa del Gol« geschaffen. »Eigentlich«, meint Vinciguerra, der AC Florenz-Analyst, »passt Gomez gar nicht so richtig in das System von Trainer Montella.«

Gomez kommt zu Chancen und bereitet vor

Tatsächlich suchen die neuen Mitspieler den deutschen Nationalstürmer, der an diesem lauen Spätsommerabend von Jogi Löw bei seinem Pflichtspieldebüt im Fiorentina-Dress beobachtet wird. Insbesondere im ersten Durchgang, in der die Gäste das überforderte Grasshopper-Team dominieren. Der lauffreudigere Sturmpartner Rossi  schafft die Räume, die Gomez durchaus zu nutzen weiß.    

Er kommt zu Chancen und bereitet auch Möglichkeiten für die Kollegen vor. Beim 1:0 durch den quirligen Cuadrado ist Gomez aber nur Zuschauer. Nach dem Seitenwechsel bleibt Gomez blass – bis auf die 46. Spielminute. Er wirkt müde, wie auch seine Mitspieler. Vielleicht waren insgesamt fünf Wochen Trainingslager, zuerst mit den Bayern, dann für den neuen Arbeitgeber, doch ein bisschen zu viel. Aber nicht Gomez, sondern sein Sturmkollege Rossi muss nach 67. Minuten vom Platz – womöglich ein Zeichen der Wertschätzung des Trainers, die Gomez, der sensible Strafraumstürmer nach Ansicht vieler Beobachter spüren muss, damit sein Kopf vor dem Tor frei bleibt.

 
 
 
 
 
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