23.10.2013

90 Minuten mit André Schürrle

Kaum ein Achselzucken

Das Gastspiel auf Schalke war André Schürrles erster Auftritt mit Chelsea in Deutschland. Die Nahaufnahme zeigt, dass der Nationalspieler bereits erstaunlich gut ins Londoner Spiel integriert ist – dafür musste er an diesem Abend jedoch nicht glänzen, sondern sehr unauffällig bleiben.

Text:
Stephan Knieps
Bild:
imago

Wer am Dienstag ins Schalker Stadion gekommen war, um zu beobachten, inwieweit André Schürrle bereits in Chelseas Ensemble eingegliedert ist, der wurde formal nicht enttäuscht: Schürrle stand 72 Spielminuten lang zu Beobachtungszwecken auf dem Platz. Wer jedoch hoffte, Schürrle würde an seinen Gala-Auftritt von vergangener Woche mit drei Toren in Stockholm anknüpfen, der wurde enttäuscht. Man kann es auch so ausdrücken: Der Flügelstürmer scheint bereits so gut integriert zu sein, dass er sich dem Spiel seiner Londoner Teamkollegen hervorragend anzupassen weiß. Und das bedeutete an diesem Abend eine Art von Fußball zu spielen, die »nüchtern, vielleicht auch langweilig« war, wie Schalkes Manager Horst Held zerknirscht einräumte. Oder, wie Schürrle selbst es nicht ganz so zerknirscht ausdrückte: »War nicht so berauschend.«

Empfänglich für Raum-Geschenke

Vielleicht sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass der FC Chelsea mit 3:0 in Gelsenkirchen gewonnen hat. Und dass Schürrle seinen ersten Besuch mit seinem neuen Verein auf ehemals heimischem Boden mit guten Absichten angegangen war. Beim Aufwärmen etwa schoss er gemeinsam mit Fernando Torres und Frank Lampard Chelseas Ersatzkeeper Mark Schwarzer warm. Torres zielte zu hoch und traf ein paar Schalke-Fans auf der Südtribüne. Eine entschuldigende Handgeste folgte – von Schürrle, nicht von Torres. Auch den ersten Torschuss der Partie gab Schürrle ab. Und mit seiner darauffolgenden Szene kann man ihm durchaus – mit ein bisschen gutem Willen – einen Anteil am Verlauf dieses Spiels anrechnen: Er holte gegen Schalkes Atsuto Uchida jene Ecke raus, die Torres zur frühen 1:0-Führung einköpfte. „Am Ende kann man wohl sagen, dass wir abgezockt waren«, sagte er später. »Wir waren effizient und haben die Tore im richtigen Augenblick gemacht.«

Dass sich Schalke dank des frühen Tores zu mehr Spielgestaltung genötigt sah, dürfte ganz im Sinne von Mourinhos Spielverständnis gewesen sein. Dass aber Schürrles Gegenspieler Uchida hin und wieder offensive Vorstöße wagte und empfänglich war für entsprechende Raum-Geschenke auf seiner Seite, wohl eher nicht. Der Ex-Leverkusener mag in offensiven 1:1-Situationen gegen den Japaner, vor allem im Sprint, häufig Sieger gewesen sein, bei der Defensivarbeit aber ließ er Ivanovic meist allein. Mourinho nutzte dann auch im zweiten Abschnitt die Gegebenheiten, die der Seitentausch so mit sich bringt, und zitierte den nun direkt vor seiner Trainerbank auf- und ab trabenden Schürrle ein paar Mal zu sich.

 
 
 
 
 
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