40 Jahre und torhungrig: Altersgerechtes Jubeln mit Kevin Phillips

Der Rollator

Kevin Phillips ist 40 Jahre alt und immer noch ein passionierter Torjäger. In der aktuellen 11FREUNDE #149 stellen wir den Mann vor, der allen zeigt, wie man auch im hohen Fußballeralter würdevoll jubelt.

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Jeder Fußballer, an den man sich später erinnern soll, braucht etwas Besonderes, eine außergewöhnliche Fähigkeit, die die Leute mit ihm verbinden und die ihn schließlich in die Fußballgeschichte eingehen lässt. Manni Kaltz hatte seine Bananenflanken, Horst Hrubesch den dazugehörigen Schädel, und Leo Messi dribbelt, als hätte er seine Seele dem Teufel verkauft. Kevin Phillips hat nichts von alledem, er wirkt auf dem Platz erst einmal ziemlich unscheinbar. Dennoch steigert sich die Aufmerksamkeit des Publikums, wenn er den Rasen betritt, eine kollektive Erwartungshaltung stellt sich ein, die in einem knappen Satz zusammengefasst werden kann: Gleich fällt ein Tor.

Meine einzige Gelegenheit, Phillips live spielen zu sehen, war ein Spiel der zweiten englischen Liga zwischen Crystal Palace und dem FC Middlesbrough, vor ungefähr einem Jahr. Das Spiel war bereits entschieden zugunsten des Heimteams, als 20 Minuten vor Schluss Kevin Phillips eingewechselt wurde. Es wäre übertrieben zu sagen, dass in diesem Moment ein Raunen durch die Zuschauerreihen ging, es war eher eine Art unterschwelliges Summen, das zeigte, dass die vom Spielverlauf wohlig sedierten Fans wieder wach wurden. Von da an dauerte es genau 14 Minuten, bis Kevin Phillips das 4:1 für Crystal Palace schoss. Er war zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre, sechs Monate und 22 Tage alt.

»Seht her, ich bin steinalt!«

Kürzlich hat es der veteran striker, wie ihn die Engländer gerne nennen, mal wieder in die Schlagzeilen geschafft, erneut in einem Spiel der zweiten englischen Liga, nur dass er jetzt das Trikot von Leicester City trug und den 1:0-Siegtreffer in Bournemouth erzielte. Anschließend zeigte er einen selbstironischen Torjubel, der in der Folge zum Youtube-Hit wurde, die Pantomime eines Mannes am Rollator, der den biologischen Grenzen des Profifußballs ein Schnippchen schlägt und den Leuten zuruft: »Seht her, ich bin steinalt! Aber ich treffe noch immer!« Er war zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre, sechs Monate und sieben Tage alt.



Kevin Phillips spielt seit zwei Jahrzehnten Profifußball und stand bei neun Vereinen unter Vertrag – ein moderner Legionär, den es selten länger als zwei oder drei Jahre an einem Ort hielt. So einem begegnen die Fans normalerweise eher kühl, doch in seinem Fall ist das ganz anders. Phillips schreibt einen Blog auf der Website des TV-Senders »Sky Sports«, und als neulich das sogenannte Transferfenster offenstand, da war es interessant, die zahlreichen Kommentare unter diesem Blog zu lesen: »Komm zu uns, Kev! Hilf uns! Rette uns!« Darunter waren Anhänger so ziemlich aller seiner Ex-Klubs, dazu noch viele andere, die einen brauchbaren Stürmer in ihren Reihen vermissten.

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