3. November 1990

Der Tag, an dem Mike Polley starb

3. November 1990: Sachsen Leipzig und der FC  Berlin stehen sich in der letzten Saison der DDR-Oberliga gegenüber. Es kommt zu Ausschreitungen, am Ende stirbt der Berliner Mike Polley durch eine Polizeikugel. Eine Spurensuche.

Best of 2010: Vor 20 Jahren in LeipzigJens Fuge

Die DDR gibt es schon nicht mehr, sie ist abgewickelt, ebenso wie ihr einstiger Serienmeister BFC Dynamo. Der Stasiklub heißt inzwischen FC Berlin, hat einige seiner besten Kicker gen Westen abwandern lassen müssen und wird noch immer von hunderten von Gewaltbereiten zu jedem Spiel begleitet. Das Spiel läuft, es hatte verspätet begonnen, weil der Andrang an den Kassen so groß war.

Nicht, dass viele Leute gekommen sind – die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt, die Kontrollen an den Eingängen sind penibel wie selten. Im Spiel haben die grün-weißen Leutzscher nicht viel zu bestellen. Es geht zwar um viel – die beiden Teams, die am Ende der Saison oben stehen, würden in die 1. Bundesliga aufsteigen, die nächsten 4 in die 2. Bundesliga –, doch der FC Sachsen wirkt gelähmt. Die Spieler kommen zu keinen geordneten Aktionen, immer sind die Berliner schneller. Doch während das Spiel läuft, ereignet sich wenige Kilometer entfernt ein viel größeres Drama. Schüsse fallen, ein Mensch stirbt. Wie konnte das geschehen?

Augenzeugen der Szenerie schwören noch heute, die Polizei sei restlos überfordert gewesen und vom Geschehen überrascht. Dabei hatte sich schon in den Wochen und Monaten zuvor die Gewalt der ostdeutschen Hooligans zügellos gegen die Vertreter des sich auflösenden Staates gerichtet. Heftige Ausschreitungen in Rostock, Dresden, Erfurt und Berlin sorgten für Angst und Schrecken. Und auch beim EM-Qualifikationsspiel Luxemburg gegen die Bundesrepublik Deutschland hatten ostdeutsche »Fußball-Terroristen« (BILD) im Verbund mit ihren westdeutschen Kollegen für Randale gesorgt. Berliner waren stets dabei.

»Den Berlinern Saures geben«

In Leipzig waren schon 14 Tage vor dem Spiel die wildesten Gerüchte im Umlauf. Die Berliner wollten sich angeblich mit Leipziger Hools zusammentun und »Leutzsch anbrennen«. Man wolle sich rächen an den Sachsen-Fans, hieß es, denn in den Jahren zuvor, wenn Chemie Leipzig in der Oberliga spielte, hatte sich die gesamte »Schläger-Welt von Leipzig rund ums Stadion versammelt, um den Berlinern Saures zu geben«, so ein Insider. Starker Polizeischutz musste dann für die Unversehrtheit der BFC-Fans sorgen. Nun aber war alles anders, denn die Autorität der uniformierten Staatsmacht war vollkommen verloren gegangen.

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