13.06.2007

25 Dinge über Transfers

Auf dem Dampfer nach Europa

Beatrix will nicht nach Wolfsburg, Günter Eichberg lässt Mihajlovic sein Gehalt selbst bestimmen, und Horst Szymaniak bekommt sein Handgeld auf Mallorca überreicht – wenn Spieler den Verein wechseln, passieren kuriose Dinge.

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1
Der Kölner Vereinsboss Franz Kremer hatte ihn 1964 markig als »sensationellen Transfer« angekündigt. Es schwimme ein brasilianischer Spieler »schon auf einem Bananendampfer in Richtung Europa«. Ganz Köln freute sich schon auf Pelé, stattdessen wurde aber José Gilson Rodriguez Zézé vorstellig. Der erste Brasilianer der Bundesliga absolvierte gerade einmal vier Bundesliga-Spiele für Köln.



2
Mehr Verständnis konnte keine Fußballer-Gattin erwarten. Als Beatrix, die Frau des litauischen Bombers Valdas Ivanauskas, vom geplanten Transfer nach Wolfsburg erfuhr, geriet die gute Dame in Panik. Vielleicht fühlte sie sich beim Anblick der Wolfsburger Fußgängerzone an die litauische Nachkriegsfilme erinnert. Am Ende brachte sie mit vielen Tränen den Ehemann zur Räson. Der gab zu Protokoll: »Ich wollte meine Ehe retten!«, und versprach brav: »Ich fahre nie mehr nach Wolfsburg.«

3
Der folgenreichste Transfer der Fußballgeschichte, und fast niemand kennt die Vereine, die daran beteiligt waren. Der Belgier Jean-Marc Bosman wollte 1990 vom RFC Lüttich zu USL Dünkirchen wechseln. Lüttich verhinderte den Transfer durch eine überhöhte Ablösesumme. Bosman klagte dagegen, am Ende erklärte der Europäische Gerichtshof Ablösesummen bei ausgelaufenen Verträgen für rechtswidrig und zerstörte damit das europäische Transfersystem. Für seine Klage musste Bosman schwer büßen, er fand keinen Verein mehr.

4
Schalkes Sonnenkönig Günter Eichberg setzte einst auf betriebliche Mitbestimmung. Dem verdutzten Radmilo Mihajlovic erklärte Eichberg: »Ich gehe jetzt raus. Wenn ich wiederkomme, haben Sie bitte eine Summe in diesen Vertrag eingesetzt.« Mihajlovic trug ein: »500.000 Mark Garantiegehalt, 1,6 Millionen Handgeld, mietfreies Haus mit Einrichtung, Mercedes«. Eichberg winkte den Vertrag durch, dazu eine Ablöse an den FC Bayern in Höhe von drei Millionen Mark. Obwohl Manager Kremers zuvor 2,5 Millionen ausgehandelt hatte.

5
Als teuerster Transfer aller Zeiten gilt der Wechsel von Zinédine Zidane von Juventus Turin zu Real Madrid für 13.033.000.000 spanische Peseten (rund 70 Millionen Euro). Den teuersten Transfer eines deutschen Klubs vermeldete Borussia Dortmund im Jahre 2001 mit der Verpflichtung von Parmas Márcio Amoroso für 25 Millionen Euro.


6
Autohändler Peter Hammer mimte vor Jahren den Talentscout für den 1.FC Nürnberg und schaute auf einer Dienstreise in der Slowakei bei einem Spiel des Erstligisten Žilina vorbei, um den dortigen Spielmacher zu beobachten. Anschließend telefonierte Hammer mit Nürnbergs Coach Wolfgang Wolf. Der machte dann die Verpflichtung von Marek Mintal perfekt.

7
Ein Fall für »Nepper, Schlepper, Bauernfänger« war die »Koffer-Affäre«, die 1999 den Vorstand von Alemannia Aachen aus dem Amt fegte. Die Vereinsführung hatte einem windigen Spielervermittler 300.000 Euro in bar übergeben, die angeblichen Ablösen für zwei australische Profis. Die hatte der Vermittler allerdings nur erfunden und verschwand prompt mit dem Geldkoffer.

8
Vielleicht hatte Bernd Schuster mit seinen 18 Jahren auch gedacht, er werde nur um Autogramme gebeten. Am Ende jedoch hatte er gleich drei rechtsgültige Verträge unterzeichnet, in Mönchengladbach, beim FC Augsburg und beim 1.FC Köln. Alle Verträge zu erfüllen, wäre wohl insbesondere an den Wochenenden schwierig geworden.

9
In späteren Jahren musste sich der blonde Bernd nicht mehr um den lästigen Papierkram kümmern. Das regelte das knallharte Ex-Mannequin Gaby und brachte insbesondere die Verantwortlichen des FC Barcelona mächtig ins Schwitzen.

10

Das schönste Transferdementi ever stammelte Andi Möller ins Mikrofon des Dortmunder Westfalenstadions. Er bleibe ein Dortmunder, bebte der Andi. Er muss das allerdings als Metapher oder allegorisch oder literarisch gemeint haben. Kurz darauf wechselte Möller zur Eintracht nach Frankfurt.

11
1959 kickte Horst Szymaniak beim Wuppertaler SV, in der Sommerpause urlaubte er auf Mallorca. Dann passierte folgendes: »Ich lag gerade am Strand, als plötzlich zwei Männer in dunklen Anzügen auf mich zukamen. Einer von den beiden hatte einen Koffer mit vielen Geldscheinen dabei. Da waren 30.000 Mark drin. Mein Handgeld für den Wechsel zum Karlsruher SC. Da saß ich nun am Strand mit dem Koffer voll Geld und wusste nicht, wohin damit.«

12
Mit einem Bauerntrick versuchte der FC Bayern 1992, die Ablösesumme des Dortmunders Thomas Helmer zu drücken. Der teuflische Plan: Helmer, der für eine festgeschriebene Ablöse von drei Millionen Mark ins Ausland wechseln durfte, sollte beim befreundeten französischen Klub AJ Auxerre geparkt werden, um anschließend überraschend zu den Bayern weitergereicht zu werden. Ganz so blöd waren die Dortmunder nicht, Helmer kostete den FC Bayern schließlich doch 7,5 Millionen Mark Ablöse.

13
Einige Jahre zuvor hatte Thomas Helmer noch Entscheidungen in ganz anderen finanziellen Dimensionen fällen müssen. »Die Entscheidung traf ich damals auch für meine Familie – für 500 Mark im Monat. Das war viel Geld für uns«, erinnerte sich Thomas Helmer an sein erstes Vertragsangebot von Arminia Bielefeld.

14
Eine spontane Bänderdehnung im Training sicherte dem Hamburger SV und Khalid Boulahrouz eine Menge Geld. Die sicher sehr schmerzhafte Dehnung hinderte den Holländer nämlich an der Teilnahme am Hinspiel der Hamburger in der Champions-League-Qualifikation gegen Osasuna. Wäre Boulahrouz aufgelaufen, hätte er nicht mehr für den FC Chelsea in der Königsklasse spielen können, kurze Zeit später wurde der Niederländer nach London blitztransferiert. Eine Simulation, um den Marktwert zu retten? Für den damaligen HSV-Coach Thomas Doll wäre das »eine Riesenenttäuschung. Ich mag gar nicht daran denken«.

15
Ein deutscher Spieler ließ einen Transfer zu Leicester City platzen. Der Grund: Der Hund des Spielers hätte in Großbritannien ein halbes Jahr in Quarantäne verbringen müssen. Der Spielerberater Peter Telek kommentierte amüsiert, die Hundeliebe habe den Kicker »700.000 Mark pro Jahr gekostet«.


16
Spielerberater Norbert Pflippen lotste den 18-jährigen Sebastian Deisler von Mönchengladbach zu Hertha BSC, trotz »27 Anfragen von Spitzenklubs aus dem In- und Ausland«. Unter anderem vom AS Rom. »Deren Präsident hätte mich mit Geld zugeschmissen, wenn ich ihm Deisler
gegeben hätte. Er lud mich im Vorfeld unter einem Vorwand nach Rom ein. Im Laufe des Gesprächs erwähnt er plötzlich den Namen Deisler, greift unter den Tisch, holt einen Koffer hoch und sagt: ›Für Sie!‹ Ich erwidere, dass ich nicht zum Verhandeln gekommen sei, er greift wieder unter den Tisch und holt den zweiten Koffer hervor.«

17
Findige Manager umgarnen zögerliche Spieler gerne mal auf Umwegen – nämlich über die Spielerfrau und die Spielerkinder. Der Klassiker: Der Gattin wird auf Vereinskosten ein Blumenstrauß zugestellt. Manches ist aber auch nur Legende, wie jene Spielzeugeisenbahn, die Leverkusens Manager Reiner Calmund angeblich den Kindern von BFC-Dynamo-Star Andreas Thom mitbrachte. Thom: »Die suche ich heute noch. Die hat es nie gegeben!«

18
Nach der Wende hatte es viele DDR-Kicker in den Westen gezogen, der erste westdeutsche Spieler, der in den Osten wechselte, war Sergio Allievi, der von Kaiserslautern zu Dynamo Dresden wechselte. Mit mäßigem Erfolg allerdings, er schoss ein Tor in 17 Spielen.

19
Um den Transfer von Hannes Bongartz zu finanzieren, wurden die Eintrittspreise im Gelsenkirchener Parkstadion 1974 um eine sogenannte »Bongartz-Mark« erhöht.

20
Wenn Spieler nach Gründen für einen Wechsel gefragt werden, erzählen sie gerne etwas von »besseren sportlichen Perspektiven«. Willi Lippens begründete den Wechsel von Rot-Weiss Essen zu Borussia Dortmund hingegen freimütig: »Wegen dem Geld. Ich musste ja sehen, dass ich mir nach der Zeit als Fußballer was kaufen kann. Und jetzt habe ich einen Bauernhof mit vielen Tieren.«


21
Früher wurden Transfererlöse noch sinnvollen Zwecken zugeführt und nicht einfach nur verpulvert. Als Charly Dörfel von der Sportvereinigung Polizei Hamburg zum HSV wechselte, wurden dafür 3000 Mark Ablöse fällig. Dörfel: »Wie man mir später mal erzählt hat, haben die sich davon einen lustigen Kegelabend gemacht!«

22
Nicht unbedingt auf systematisches Scouting führte Bielefelds Trainer Ernst Middendorp die Verpflichtung von Matthias Breitkreutz zurück: »Den habe ich aus irgendeiner dunklen Kiste geholt.«

23
Drakonische Strafen für ein verbotenes Handgeld: Als der begnadete Techniker Willi Schröder im Juni 1953 eine Gratifikation für den gerade unterzeichneten Vertrag beim Hamburger SV erhielt, reagierte die Fußball-Justiz prompt und sperrte Schröder für ein ganzes Jahr. Der Handel war unter anderem aufgeflogen, weil ein Bremer Autohaus stolz ein Plakat ins Schaufenster gehängt hatte: »Dieses Auto kaufte Willi Schröder!«

24
Für 15 Kilogramm Schweinswürste ist der Verteidiger Marius Cioara vom rumänischen Erstligisten UT Arad an den Viertligisten Regal Hornia verkauft worden. Ein Sprecher von Regal Hornia: »Wir haben eine Wochenration Würste für das Team investiert, um Cioara zu verpflichten, und sind zuversichtlich, dass er den Preis wert ist«.

25
Die Geschichte nahm übrigens kein gutes Ende. Die Wurstwitze in den Medien deprimierten Cioara derart, dass er seine Karriere beendete: »Die Hänseleien wurden mir zuviel. Ich fühlte mich beleidigt. Ich gehe jetzt nach Spanien, wo ich auf einer Farm arbeiten werde«.


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In der Galerie: "Sie dürfen die Braut jetzt küssen" – Die schönsten Präsentationen von Neuverpflichtungen.
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