25 Dinge über Sonnenkönige

Der Klub bin ich

Geld stinkt nicht, sprach einst Kaiser Vespasian. Deshalb werfen sich Fußballklubs immer wieder reichen Gönnern an den Hals. Geschichten über einen abgebrannten Privatbankier, eine plötzliche Ölkrise im Ruhrpott und einen falschen Scheich. 25 Dinge über Sonnenkönigeimago

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Jack White, alias Horst Nußbaum, spielte einst durchaus passabel Fußball, wurde dann Plattenproduzent und kaufte sich schließlich 1992 beim Berliner Underdog Tennis Borussia ein. Dort steckte er die mit Chartstürmern wie Laura Branigan sauer verdienten Millionen in neue Spieler, mehr als ein paar schmucklose Jahre in der 2. Liga sprangen nicht dabei heraus. Die Leidtragenden der White-Ära sind die TeBe-Fans, die im Stadion ausgiebig mit den schwer erträglichen Songs von David Hasselhoff (vom Band) und Bernhard Brink (gerne live) beschallt werden.

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2
1976 stieg Popstar Elton John beim englischen Fußballklub FC Watford ein. Was zunächst nur wie der Spleen eines gelangweilten Popmusikers wirkte, erwies sich bald als Erfüllung eines Jugendtraums. So stolz war John auf sein Amt, dass er sogar seinen Aston Martin in den Klubfarben anmalen ließ. Was wiederum Prinz Philip, Gemahl der englischen Königin, zu John sagen ließ: »Oh, Sie sind das, dem dieses Auto gehört. Wir haben es oft gesehen, wenn wir an die Rückseite von Windsor Castle gefahren sind. Jedes Mal haben wir uns gefragt, wem wohl dieses grässliche Auto gehört!«

3
Bisweilen verraten schon Spitznamen etwas über die Amtsführung. So wurde Peter Maaßen, Großhändler von KFZ-Teilen, als Präsident von Rot-Weiß Oberhausen nur »Pascha« gerufen. Der gutmütige Maaßen war in Personalunion Präsident, Trainer, Betreuer und Zuschauer. Als Maaßen nach 35 Jahren im Jahre 1973 bei RWO hinschmiss, war der Klub derart pleite, dass er seinen Spielern nicht einmal das Essen im Trainingslager bezahlen konnte.

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Schier unbegrenzte Machtfülle genoss der Parfümeur Helmut Spikker in
Ahlen. Der Klub hieß nach einer Umbenennung genauso wie sein Duft-Imperium, nämlich »LR«, wenn auch Spikker schmunzelnd verkündete, die Abkürzung stehe für »Leichtathletik und Rasensport, aber bitte nicht für Leichtsinn und Reichtum«. Dann verhökerte Spikker seine Duftwasser-Fabrik, deren neue Besitzer das Sponsoring umgehend beendeten. Der Verein musste sich erneut umbenennen, heißt jetzt »Rot-Weiß« und kämpft seitdem gegen die horrenden Schulden der Spikker-Ära.

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16 Jahre lang, von 1987 bis 2003 war Jesús Gil y Gil (Foto) Präsident des spanischen Klubs Atlético Madrid, verschliss in dieser Zeit rekordverdächtige 26 Trainer und quittierte erst im hohen Alter den Dienst, mit der hübschen Begründung: »Ich bin jetzt 70 Jahre alt, und es gibt so viele Dilettanten, die mich kritisiert haben. Das muss ich mir nicht mehr antun.«

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Kaum ein Land zieht übergeschnappte Mäzene so an wie Österreich. So engagiert sich seit 1999 der Austrokanadier Frank Stronach bei der Austria Wien und anderen Klubs. Legendär Stronachs fußballerische Unbedarftheit. So kursiert die Anekdote, er habe einmal insistiert, den zur Halbzeit ausgewechselten Fernando Troyansky wieder einzuwechseln. Über Trainer mochte Stronach sich nicht ärgern: »Der beste Trainer kann nichts machen, wenn die Spieler keine Kondition haben.«

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Besonders schön allerdings und deshalb eine eigene Erwähnung wert: Als die Austria im UEFA-Cup daheim gegen den FC Brügge antrat und ein schneidig kalter Wind durchs Stadion pfiff, wärmte sich Stronach – mit einem Salzburg-Schal. Den er erst abnahm, als ihn in der Halbzeit jemand auf den Fauxpas aufmerksam machte.

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Den wohl kriminellsten Sonnenkönig des österreichischen Fußballs beschäftigte 1998 der Linzer ASK. Präsident Wolfgang Rieger war zugleich Bankier des privaten Instituts »Rieger Bank AG« und verdünnisierte sich im Herbst 1998 unter Mithilfe des LASK-Platzwarts und mit 125 Millionen Schilling aus den Tresoren seiner Bank im Gepäck. Später klickten dann an der Cote d’Azur die Handschellen.

9

Weniger kriminell, dafür umso lustiger ging es einst bei der Austria aus Salzburg zu. Dort war Präsident Rudi Quehenberger auf der Suche nach einem Mäzen fündig geworden und brüstete sich: »Scheich Khalil Al Qassimi hat in mehreren Telefonaten bestätigt, dass er zu dem abgeschlossenen Kooperationsvertrag steht.« Doch der Scheich machte sich zunächst rar und schickte stattdessen einen Spanier namens Pedro Benali, ausgestattet mit den allerbesten Zeugnissen großer Klubs, vor. Benali, der sich zwischendurch auch Ben Ali nannte, erwies sich dann aber als Hochstapler. Vorbei das orientalische Märchen.

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Jeder opponiert mal gegen seine Eltern und doch sind sie für einen da, wenn die gerade noch vorlauten Kinder irgendwann flehend angekrochen kommen, weil das Taschengeld wieder verschleudert wurde. Beim FC St. Pauli ging es nicht um Taschengeld, sondern um Profi-Fußball. Architekt Heinz Weisener scheiterte erst grandios mit seinem Babel-Projekt »Sportdome«. Danach hielt der »Papa« als Präsident mehrmals und jahrelang den Klub aus der eigenen Geldschatulle am Leben.

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Der schillerndste Sonnenkönig der Bundesliga-Geschichte ist ohne Zweifel Günter Eichberg, der Schalke 04 durch schiere Verschwendungssucht in die Schulden stürzte. Legendärstes Beispiel: der Transfer des Bayern-Stürmers Radmilo Mihajlovic. Aus purer Geltungssucht riss Eichberg die Verhandlungen an sich und bezahlte drei Millionen Ablöse, die Bayern hatten nur 2,5 Millionen gefordert. Und noch eine Anekdote: Weil er die Beerdigung von Ernst Kuzorra verpasst hatte, ließ er die Feierlichkeiten wiederholen.

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Mitunter landen leicht größenwahnsinnige Präsidenten auch im Kittchen, wie der Potentat des TSV 1860 München Karl-Heinz Wildmoser. Der stolperte über den Vorwurf der Untreue und Bestechlichkeit beim Bau des gemeinsamen Stadions mit dem FC Bayern. Am Ende wurde Wildmoser zwar freigesprochen, der Sohn als Geschäftsführer der Arena GmbH aber verknackt. Worauf die Anhänger auf der Wiesn den »Holzmichl« umdichteten: »Ja, sitzt denn der junge Wildmoser noch?...«

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Das Mäzenatentum ist keine rein männliche Domäne. Ausnahme und Beweis zugleich ist die gebürtige Deutsche Gisela »Gigi« Oeri, die reichste Frau der Schweiz und Präsidentin des FC Basel. Die Anhängerin der Solariumstechnologie hat früher selbst Fußball gespielt, ist also vom Fach. Ihr skurrilstes Hobby ist allerdings nicht der Fußball. Die gute Frau besitzt außerdem die größte öffentliche Teddybären-Sammlung der Welt.

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Sage keiner, Mäzene seien nicht wählerisch. Als Dietmar Hopp, großzügiger Financier der TSG Hoffenheim, gefragt wurde, warum er nicht auch dem siechenden 1. FC Kaiserslautern unter die Arme greife, gab Hopp zu Protokoll: »Das ist Quatsch. Schließlich kann ich nicht die ganze Welt retten.«

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Ewige Liebe: Die Wege der »Vecchia Signora« Juventus Turin sind seit 85 Jahren untrennbar mit dem FIAT-Clan verbunden. Über Dekaden hinweg führte Gianni Agnelli schier unsichtbar die Geschicke des Klubs, war aber ein Patriarch alter Schule. Michel Platini wurde eines seiner verhätschelten Herzblätter. Als Agnelli den Franzosen verpflichtete, bekam Madame Platini einen Strauß Rosen gesandt. »Er fühlte sich ihr verbunden, buhlten sie doch um den selben Mann«, bemerkte dazu Autorin Birgit Schönau.

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Den seligen Schäng Löring von Fortuna Köln einmal beiseite gelassen, fühlte sich kaum ein Mäzen so mit seinem Klub und seiner Stadt verbunden wie der Textilien-Unternehmer Klaus Steilmann mit Wattenscheid 09. Die größte Niederlage kassierten Klub und Präsident dann auch nicht auf dem Fußballplatz, sondern am 1. Januar 1976 auf dem Papier. Steilmann war einer der erbittertsten Gegner der Eingemeindung Wattenscheids in die Großstadt Bochum, die an diesem Tage beschlossen wurde.

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Hart, aber fair. »Mit einem Hauptschüler rede ich nicht«, konstatierte 1977 Osnabrücks Trainer Siegfried Melzig und meinte ein Vorstandsmitglied. Jungpräsident und späterer Großmäzen Hartwig Piepenbrock entband ihn kaltschnäuzig seines Amtes: »Herr Melzig, Sie sind fristlos beurlaubt.« Ex-Gymnasiast Melzig schrie: »Das will ich schriftlich.« Bekam er.

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Friedhelm Runge, skandälchenträchtiger Alleinherrscher beim Wuppertaler SV, sorgte auf der Mitgliederversammlung 2006 höchstpersönlich dafür, dass zwei ihm nicht genehme Kandidaten für den Aufsichtsrat nicht gewählt werden durften. Die Namen der Opponierenden mussten die Vertragsspieler höchstselbst per Kuli von jedem der 200 Wahlzettel streichen.

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Ein Pariser in Marseille. Fürwahr undenkbar. Aber nicht bei Bernard Tapie. Populistisch geschicktes Auftreten, Milliarden-Background und Verbindungen bis in höchste Staatskreise verhalfen ihm zur Olympique-Diktatur. OM dominierte den französischen Fußball, wurde erster Champions-League-Sieger. Jedoch erblickten seine dunklen Mächte alsbald Tageslicht: Steuerbetrug, schwarze Kassen, Schiri-Bedrohungen und Spielmanipulation. Der Verein wird 1994 zum Zwangsabstieg verurteilt, Tapie später zu vier Jahren Haft.

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Eine Top-Position unter den zwielichtigen Gestalten belegt Ex-Dynamo-Dresden-Präsident Rolf-Jürgen Otto. Im Westen scheiterten diverse Projekte unter anderem als Boxveranstalter. Nach der Wende residierte er im Bellevue, rettete erst Dynamo und zog unter großer Show in den Stadtrat ein. Der Rest sind beispiellos krumme Geschäfte, ein Trümmerhaufen von einem Traditionsverein und aufgedeckte drei Millionen veruntreute Mark.

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Erziehungscamp 2.0 – Fans des VfB Leipzig stürmten während des Ortsderbys 1999 den Platz in Richtung FC Sachsen-Block. VfB-Präsident Ralph Burkei, der den Zweitligaabsteiger mit Millionen am Leben erhalten hatte, bemerkte nach Spielende lapidar: »Es ist mir lieber, wenn die Jungs hier mal über das Spielfeld rennen, als wenn sie einer alten Oma die Handtasche rauben würden.« Wenig später lag der Verein erneut auf der Intensivstation, Burkei machte sich vom Acker.

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Manch niedersächsischer Fußballklub erfuhr schon Unterstützung von »Hühnerbaron« Albert Sprehe. Die jeweiligen Übungsleiter waren beim meinungsfreudigen Mitbestimmer dagegen von jeher unterprivilegiert. »Niemals zuvor in meinem Leben musste ich mir derartige Beleidigungen gefallen lassen. Beim Blick in den Spiegel muss ich noch immer Jürgen Bodendorf erkennen und nicht eines der Masthähnchen Sprehes«, sagte 1999 der entnervte Ex-Cloppenburger Bodendorf. Heuer sitzt der Hauptsponsor im Aufsichtsrat von Oberligist Wilhelmshaven. Das jüngste Opfer: Trainer Kay Stisi, im vergangenen September nach lediglich fünf Monaten in Amt und Würden entfernt. Grund: Kritik an Feinkostunternehmer Sprehe.

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Mäzene sollten sich für einen Klub entscheiden und ihm dann die ewige Treue schwören. Sonst drohen großformatige Schlagzeilen wie im Falle von Silvio Berlusconi, dem Mogul des AC Milan. Der geriet 2004 in den Verdacht, früher großer Anhänger des Rivalen Inter Mailand gewesen zu sein und sogar Kaufabsichten gehegt zu haben. Berlusconis Kommentar: »Ich war niemals Inter-Fan, weil man nicht seine Religion ändern kann!«

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Erhard Goldbach, Besitzer der Petrol-Firma »Goldin«, pumpte Mitte der 70er Jahre Millionen in den Traditionsklub Westfalia Herne und hievte die Westfalia bis in die 2. Liga. So dankbar war man Goldbach, dass zwischendurch sogar die Lizenzspielerabteilung »SC Westfalia Goldin 04 Herne« getauft wurde. Dann kam raus, dass Goldbach doch kein genialer Geschäftsmann war, sondern schlicht vermieden hatte, die Mineralölsteuer zu bezahlen. Westfalia verlor die Lizenz für die 2. Liga, kurioserweise allerdings erst nach dem 1. Spieltag. Der DFB reagierte kreativ und erklärte die absolvierte Partie auf dem kurzen Dienstweg zum Freundschaftsspiel.

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Wilhelm Neudecker, Patriarch des FC Bayern, verstand die Welt nicht mehr. Lediglich eine zweimotorige Hawker Siddeley HS 748 sollte seine Spieler im Oktober 1973 zum Europacup nach Norrköping bringen. Erschrockene Feststellung: »Das ist ja ein Heuhupfer, mit dem man höchstens bis nach Augsburg fliegen kann!« Unter Schamesröte stellte die Fluggesellschaft eine den Bayern genehme Maschine zur Verfügung.

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