25 Dinge über Pokale

Turmaline, Bergkristalle, Nephrite

Er ist 52 Zentimeter groß, zwölfeinhalb Pfund schwer und sein Sockel bietet noch bis zum Jahr 2020 Platz für die Gravierungen der siegreichen Mannschaften. Der DFB-Pokal. Aber das ist noch nix gegen die 25 kuriosesten Dinge über Pokale! 25 Dinge über Pokale

1.
Einmal den WM-Pokal in den Händen zu halten, davon träumt jeder Fußballer. Der Argentinier Julio Cesar Olarticoechea vergaß nach dem Finalsieg 1986 schlicht, den Pokal einmal zu berühren. »Ich saß auf der Bank, trank Wasser, und alle rannten auf das Spielfeld, um den Titel zu feiern. Ich blieb sitzen, um mir das alles anzusehen. So kam es, dass ich den Pokal nie in Händen gehalten habe.

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2.
Als Eintracht Frankfurt 1980 den UEFA-Pokal holte, kümmerte sich nach einer exzessiven Feier niemand mehr um den Pott. Außer Bernd Hölzenbein: »Der Pokal stand völlig unbeachtet unterm Tisch. Also habe ich ihn mir geschnappt und mit nach Hause genommen. Als mich Eintracht-Geschäftsführer Jürgen Gerhard dann am nächsten Tag völlig aufgelöst anrief, habe ich ihn dann noch zwei Stunden zappeln lassen, bevor ich ihm mitgeteilt habe, dass er bei mir ist.«

3.
Noch respektloser gingen die Kicker des FC Zürich mit dem Schweizer Pokal um. Nach dem Endspielsieg 1976 wurde das Team in einem Feuerwehrauto quer durch die Züricher Innenstadt gefahren. Köbi Kuhn berichtet: »In einem Restaurant wurde dann gefeiert. Auf einmal kam ein Angestellter des öffentlichen Dienstes zu uns. Er sagte, er wollte nicht stören, sondern nur schnell fragen, ob es wirklich unser Ernst sei, den Pokal zu entsorgen.« Ein Spieler hatte die Trophäe kurzerhand auf einen Abfallcontainer an der Straße gestellt.

4.
Der Europapokal der Pokalsieger ging 1999 im UEFA-Pokal auf. Einst einer der wichtigsten Wettbewerbe des Klubfußballs war er am Ende nur noch eine müde Pfl ichtveranstaltung im Schatten der Champions League. Den letzten Pokal gewann Lazio Rom, dort steht er auch heute noch in der Vitrine.

5.
Noch ein ausrangierter Kübel: Das DDR-Pendant zum DFB-Pokal war der FDGB-Pokal, benannt nach der DDR-Gewerkschaft. Er ist heute im Besitz von Hansa Rostock, das die letzte Pokalrunde 1991 gewann.

6.
Den DFB-Pokal demoliert zu haben, diese zweifelhafte Ehre gebührt dem FC Schalke und seinem Manager Assauer nach dem Pokalsieg 2002. Schon mächtig alkoholisiert hatte Assauer ihn auf der Triumphfahrt durchs Revier vom Festwagen fallen lassen. Der Pott war daraufhin so verbogen, dass ein Goldschmied professionelle Hand anlegen musste. Die Anhänger hingegen verewigten den bananenkrummen Pokal gleich auf tausendfach verkauften T-Shirts.

7.
Den heutigen DFB-Pokal reckte als erster Spieler überhaupt Aki Schmidt von Borussia Dortmund nach dem Pokalfinale 1965 in die Luft. Der neue Pokal war nötig geworden, weil der bis 1943 vergebene Goldfasanen-Pokal den DFB-Präsidenten Peco Bauwens zu sehr an die unselige Nazizeit erinnerte, und das Nachfolgemodell den kulturellen Ansprüchen nicht genügte. Entworfen hatte den neuen Pokal der Kölner Künstler Wilhelm Nagel.

8.
Kurz noch ein paar Fakten: Der DFB-Pokal ist 52 Zentimeter groß, zwölfeinhalb Pfund schwer und sein Sockel bietet noch bis zum Jahr 2020 Platz für die Gravierungen der siegreichen Mannschaften. Verwendet wurden 250 Gramm Feingold, außerdem zwölf Turmaline, zwölf Bergkristalle und 18 Nephrite. Kernstück ist das aus grünem Nephrit geformte DFB-Emblem. Und ganz wichtig: Der Pokal hat ein Fassungsvermögen von acht Litern.

9.
Richtig despektierlich äußerte sich nur einer über den DFB-Pokal. Nach Leverkusens grandioser Vize-Saison 2001 tröstete Manager Reiner Calmund das Team mit der Bemerkung: »Der Scheißpokal ist eh zu groß und zu schwer.«

10.
Das denkwürdige Champions-League-Finale in Istanbul mit dem glücklichen Sieger FC Liverpool war das Abschiedsspiel für den alten Landesmeister-Pokal. Weil Liverpool ihn zum fünften Mal gewann, darf der englische Rekordmeister den Cup behalten. In der neuen Trophäe werden erstmals die Sieger der letzten 50 Jahre eingraviert sein.

11.
In einem Schuhkarton unter seinem Bett versteckte der damalige italienische Vizepräsident der FIFA, Dr. Ottorino Barassi, den ersten WMPokal, den nach dem FIFA-Präsidenten benannten Coupe Jules Rimet, während des zweiten Weltkrieges, um ihn nicht in die Hände der deutschen Besatzungstruppen fallen zu lassen.

12.
Damit nicht genug der Aufregung. Kurz vor der WM 1966 in England wurde der Pokal aus einer Ausstellung heraus gestohlen. Der brave Hund Pickles erschnüffelte und erbuddelte das Wertstück jedoch unter einem Strauch.

13.
Endgültig den Garaus machten den Coupe Jules Rimet Diebe, die den Pokal in Rio de Janeiro entwendeten und einschmolzen. Der brasilianische Verband, dem die Trophäe nach dem dritten WM-Sieg 1970 übergeben worden war, ließ daraufhin für die Vitrine eine Replik anfertigen.

14.
Selbst wenn Deutschland tatsächlich Weltmeister werden würde, der Pokal würde nur vorübergehend in der Otto-Fleck-Schneise deponiert, obwohl es bereits der dritte WM-Sieg gewesen wäre. Behalten dürfte Deutschland dann lediglich eine vergoldete Kopie der wertvollen WM-Trophäe. Dies besagt eine neue Regel, die die FIFA verabschiedet hat. Das Original des Pokals verbleibt im ständigen Besitz der FIFA.

15.
Nach dem Double des SV Werder Bremen verlor Manager Klaus Allofs kurzzeitig die Meisterschale aus den Augen: »Die Mannschaft ist am Samstag allein mit der Schale losgezogen.« Die Schale sei kein Duplikat gewesen: »wir haben es ihnen angeboten, aber darauf wollten sie sich überhaupt nicht einlassen. Der Kompromiss war, dass wir ihnen zwei Sicherheitsleute mitgeschickt haben, die die ganze Zeit auf die Schale aufpassten. Nachdem sie Ailton zwei Autos aus dem Haus geklaut haben, war uns das sonst zu gefährlich.« Die Schale tauchte anschließend wieder wohl behalten auf: »Ich kann es bezeugen, dass sie wieder zurückgekommen ist. Das Original ist so schwer, dass ich mir heute morgen schon den Daumen verletzt habe. Im ersten Wagen haben wir sie ordentlich hin und her gewuchtet.«

16.
Nach dem DFB-Pokalsieg von Hannover 96 1992 tanzten die Spieler des Zweitligisten auf der Autobahn Polonaise und Keeper Jörg Sievers setzte sich plötzlich mit dem Pokal ins Auto eines Fans. Der staunte nicht schlecht.

17.
Auf den schönen Namen »Cup- Schäfer« hörte nach dem Pokalendspiel 1986 der Uerdinger Wolfgang Schäfer. Der hatte zwar vorher noch über den Untergrund im Berliner Olympiastadion gemosert: »Dass auf solch einem schlechten Platz ein Pokalendspiel ausgetragen wird, ist eine Frechheit.« Hinterher war jedoch alles vergessen, der Torschütze nahm den Pokal mit aufs Zimmer. Nicht ins Bett allerdings, dort lag nämlich seine Frau.

18.
Und kein Ende mit den neuen Pokalen. Zur EM 2008 gibt es auch einen neuen EM-Pokal. Die von der Londoner Juwelierfirma Asprey entworfene Trophäe ist 18 Zentimeter größer, etwa zwei Kilogramm schwerer und in einer moderneren Fassung gehalten als das Original. Ihren Namen behält die nach Henri Delaunay, dem früheren französischen Verbands-Präsidenten, benannte Trophäe aber.

19.
Einen EM-Pokal kann Deutschland allerdings für immer behalten. Mit dem Endspiel-Sieg 2001 gelang der deutschen Frauen-Nationalmannschaft der Titel-Hattrick. Der Cup steht in Frankfurt in einer Vitrine.

20.
Als der FC Schalke 04 im Jahre 2003 den UI-Cup gewann, wurde den Gelsenkirchenern kein Pokal, sondern eine 30 x 24 cm große Metallplatte mit aufgesetzter Milchglasscheibe und der Gravur »FC Schalke 04 Winner Intertoto Cup 2003« überreicht. Das reichlich uncharmante Wertstück trug obendrein ein um zwei Tage falsches Endspieldatum.

21. Der Materialwert der Meisterschale des DFB kommt vergleichsweise mager daher. Auf gerade einmal 25 000 Euro wird die Schale, abwertend auch »Salatschüssel« genannt, geschätzt. Sie wurde übrigens schon einmal erweitert, auf der Schale sind alle Deutschen Meister seit 1903, beginnend mit dem VfB Leipzig, verewigt. 1981 war die Schale jedoch für neue Gravuren zu klein geworden, so daß ein weiterer Silberring untergearbeitet und mit Silberschrauben am ursprünglichen Ehrenteller befestigt wurde.

22.
Die ehemalige Meisterschaftstrophäe »Viktoria« blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. 1944 verschwand die Viktoria in den kriegswirren, erst Jahrzehnte später fand sie ein ostdeutscher Fan auf einem Speicher. Flugs verschwand die Trophäe weitere Jahre in einem DDR-Banktresor. Nach der Wende wanderte die Viktoria nach Frankfurt zum DFB und wird seither den jeweiligen Meistern überreicht. Mitunter geschieht dies allerdings arg unprätentiös. »Sie kam in einer großen Kiste«, erinnerte sich etwa Bremens Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer an die Ankunft der Viktoria.

23.
Kaum eine Mannschaft hat solch eine Routine in der Entgegennahme eines Pokals wie der FC Vaduz in Liechtenstein. Sage und schreiben 34 Mal gewann die Mannschaft den Landespokal und hängte damit locker Seriensieger anderer Zwergstaaten ab.

24.
Dem bankrotten österreichischen Meister FC Tirol kam 1993 in den Wirren der Zahlungsunfähigkeit ausgerechnet der einzig pfändbare Wertgegenstand abhanden: die Meisterschale des ÖFB. Der Innsbrucker Insolvenzverwalter Herbert Matzunski suchte das Silberstück vergeblich.

25.
Ganz grundsätzlich gilt die Erkenntnis Franz Beckenbauers: »Wenn du die Meisterschale überreicht bekommst, dann bist du Meister.«

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