25 Dinge über José Mourinho

„Gott und nach Gott ich“

Seine Arroganz ist legendär, seine Verschwörungstheorien auch: José Mourinho ist einer der schillernsten Fußballtrainer der westlichen Hemisphäre. Wir haben die schockierendsten Entgleisungen zusammengetragen. Imago
Heft #72 11 / 2007
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Es geht hier nicht um irgendeinen Trainer. Um es José Mourinho selbst sagen zu lassen: »Bitte nennen Sie mich nicht arrogant, ich habe die Champions League gewonnen. Ich glaube, ich bin der Auserwählte.«

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Aber erst einmal die nüchternen Fakten: Am 6. Januar 1963 im portugiesischen Setúbal geboren, voller Name José Mário dos Santos Mourinho Félix, Sohn des Torhüters und Trainers Félix Mourinho. Mit 44 Jahren hat der Coach bereits alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: den UEFA-Pokal und die Champions League mit dem FC Porto sowie sämtliche englischen Pokale mit dem FC Chelsea.

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Dass Mourinho später einmal der bestbezahlte Coach der Welt werden würde, war am Anfang seiner Karriere nicht abzusehen. Als der wenig polyglotte Bobby Robson 1993 Manager von Sporting Lissabon wurde, war Mourinho lediglich sein Übersetzer. Robson bemerkte jedoch schnell zwei Dinge: »Er sprach perfektes Englisch – und er sah verdammt gut aus. Etwas zu gut für meinen Bedarf.«

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Das hinderte Robson allerdings nicht daran, bei seinem späteren Wechsel zum FC Barcelona den Katalanen eine Bedingung zu stellen: Er wolle Mourinho als Übersetzer mitbringen. Der junge Portugiese war aber schon damals mehr als das, fand Robson: »Da war dieser Bursche, keine Spielerfahrung, selten als Trainer gearbeitet, und der bringt Analysen unserer Gegner, die mindestens so gut sind wie das, was mir die Profis geliefert haben.«

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Seine Vergangenheit als Dolmetscher wird von gegnerischen Anhänger heute noch gerne erwähnt. Als der FC Chelsea in Barcelona spielte, verhöhnten ihn die Barca-Anhänger als »El traductor!«, der Übersetzer.

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Mourinhos Äußeres hingegen gab stets wenig Anlass zum Spott. Der Journalist Simon Kuper beschrieb die Erscheinung des Portugiesen: »Mourinho hat edlere Züge als die meisten Schauspieler, dichtes, graudurchwirktes Haar, Zweitagebart, sorgsam nachlässig geknüpfte Krawatte und den besten Mantel im Fußballsport (Kaschmir, Armani, 2700 Franken).«

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Seine erste Station als Cheftrainer trat Mourinho 2000 bei Benfica Lissabon an, als Nachfolger von Jupp Heynckes.

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Man sagt, er habe magische Kräfte. Chelseas Joe Cole erzählt gerne die Anekdote von einer kleinen Wette nach dem Training: Mehrere Spieler versuchten, einen 30 Meter entfernt liegenden Ball zu treffen. Nachdem mehrere Runden lang niemand den Ball getroffen hatte, versuchte Mourinho sein Glück: »Er trifft den Ball nicht richtig, die vollkommen falsche Richtung. Aber von der Seite kommt wie aus dem Nichts ein anderer Ball, und lenkt seinen genau auf das Ziel.«

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Der Yorkshire-Terrier der Mourinho-Familie wurde zur Hauptfigur eines britischen »Outbreak«-Remakes. Weil der Chelsea-Coach vergessen hatte, den Hund ordnungsgemäß anzumelden, ermittelten die Behörden wegen eines Verstoßes gegen die Tollwut- und Quarantänebestimmungen Großbritanniens und baten Mourinho sogar zum Verhör auf die Polizeiwache. Am Tag des FA-Cup-Finales in Wembley dann die Entwarnung durch Mourinho: »Der Hund ist wieder in Portugal. Jetzt brauchen Sie keine Angst mehr zu haben. London ist wieder sicher.«

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José Mourinho ist ein gläubiger Katholik und regelmäßiger Kirchgänger, der die Pilgerreise zum Fatima-Schrein, dem wichtigsten Wallfahrtsort Portugals, gleich dreimal angetreten ist. Er selbst sagt, die drei »F« (Fußball, Fatima und Fado, der wehmütige portugiesische Musikstil) seien maßgebend für sein Leben.

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Nicht ganz mit der reinen katholischen Lehre vereinbar sind allerdings Mourinhos Auslassungen zur göttlichen Thronfolge. Als er beim FC Chelsea vorgestellt wurde, verkündete er: »Wenn ich einen einfachen Job gewollt hätte, wäre ich in Porto geblieben: Wunderschöner blauer Stuhl, die Champions-League-Trophäe, Gott und nach Gott ich!«

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Wenn Mourinho nicht gerade die Bibel umformuliert, widmet er sich einer portugiesischen Lieblingsbeschäftigung, den Verschwörungstheorien. Diese tendieren gerne mal ins Obskure. Schön etwa der Vorwurf an »Sky Television«, der TV-Sender habe ein Foul von Chelseas Michael Essien gegen Dietmar Hamann vom FC Liverpool 100-fach wiederholt, weil man beim Sender Chelsea hasse und Essien suspendiert sehen wolle. Die Vorwürfe konnten nicht erhärtet werden.

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Ebenso desaströs endete Mourinhos Attacke gegen Markus Merk nach dem Kick gegen den FC Liverpool. Der deutsche Schiedsrichter habe ein Handspiel des Liverpoolers Alvaro Arbeloa übersehen, moserte José Mourinho und lederte in einem Interview munter drauf los. Der Talk wurde später von diversen Medien als »peinlich«, »konfus« und »bizarr« gewürdigt.

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Nicht mit allen seinen Attacken kam Mourinho ungeschoren davon. Als er 2005 den schwedischen Schiedsrichter Anders Frisk mit ebenfalls gänzlich unbewiesenen Bestechungsvorwürfen überzog, wurde der Portugiese für mehrere Champions-League-Spiele gesperrt.

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Anders Frisk bekam übrigens nach dem Spiel derart viele Morddrohungen wütender englischer Anhänger, dass er entnervt seine Karriere beendete.

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Wer auf einen Lerneffekt gehofft hatte, sah sich jedoch getäuscht. Laut der Londoner »Times« umging Mourinho in den Viertelfinal-Spielen gegen Bayern München die Platzsperre, indem er via Funk und eilig bekritzelten Zetteln mit der Chelsea-Bank kommunizierte.

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Eine stattliche Quote: Nach eigenen Angaben benutzt Mourinho das Wort »Hurensohn« rund 50-mal während eines Spiels und mindestens ebenso oft im Training.

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Das klingt alles wenig sensibel. Doch auch bei Mourinho gilt: Rauhe Schale, sentimentaler Kern. Ein Beispiel nur: Nach einem Streit mit Arsène Wenger schickte er dem Arsenal-Coach eine Weihnachtskarte als dezentes Versöhnungsangebot. Als Wenger keine Karte retour schickte, brach Mourinho öffentlich den Kontakt zu Wenger ab.

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Zuvor hatte Mourinho dem Arsenal-Coach ein allzu großes Interesse an seinem Klub und offensichtliches Spannertum unterstellt: »Er ist ein Voyeur. Er redet von nichts anderem, immer nur Chelsea, Chelsea, Chelsea, Chelsea. Ich weiß nicht, ob er meinen Job will, aber er liebt Chelsea.« Wenger gab kühl zurück, Mourinho sei »gestört, ohne Bezug zur Realität und respektlos«.

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In den letzten Wochen bei Chelsea ließen auch Mourinhos Vergleiche etwas nach. Anstelle theologischer Ausführungen gab es vor dem mauen 1:1 gegen Trondheim einen Ausflug ins Kühlregal: »Es ist wie mit Omeletts und Eiern. Ohne Eier keine Omeletts! Es hängt von der Qualität der Eier ab. Im Supermarkt hat es Eier der ersten, zweiten und dritten Klasse. Einige sind teurer, einige lassen dich bessere Omeletts machen. Wenn die Ersteklasse-Eier weg sind, hast du ein Problem.«

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Und gleich danach zum Gemüse: »Junge Spieler sind ein bisschen wie Melonen. Nur wenn du sie öffnest und probierst, bist du dir 100 Prozent sicher, ob die Melone gut ist. Manchmal hat man wunderschöne Melonen, aber sie schmecken nicht sehr gut, und andere Melonen sind ein bisschen hässlich, aber wenn man sie öffnet, schmecken sie fantastisch.«

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Der Rausschmiss hätte ein Hollywood-Regisseur als großes Finale inszenieren können: Während sich Mourinho mit grimmiger Miene im »Vue Cinema« im Londoner Stadtteil Fulham den PR-Film »Blue Revolution« ansah, machten die Bosse Mourinhos Demission perfekt – selbstredend »im gegenseitigen Einvernehmen«. Wichtige Spieler wie John Terry wurden von Mourinho anschließend eher undramatisch via SMS über den Rauswurf informiert.

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Der Rausschmiss beim FC Chelsea mag Mourinho sportlich gewurmt haben, was die Entschädigung für die frühzeitige Entlassung angeht, hatte der Portugiese schon Wochen zuvor in einer Pressekonferenz zu Protokoll gegeben: »Wenn ich hier in den nächsten Monaten gefeuert werde, bin ich Millionär und übernehme eben in ein paar Monaten einen anderen Klub.« Er sollte Recht behalten, zumindest was die Abfindung angeht. Es heißt, Klubeigner Roman Abramowitsch werde ihm rund 30 Millionen Pfund überweisen. Einen neuen Klub hat Mourinho allerdings noch nicht.

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Kurz nach seiner Demission löste Mourinho ungewollt einen Eklat im portugiesischen Rundfunksender SIC aus. Als die Station ein Gespräch mit Portugals früherem Regierungschef Lopes unterbrach, um live von der Ankunft des Trainers auf dem Lissaboner Flughafen zu berichten, tobte Lopes: »Ich lasse es nicht zu, dass man mich wegen der Ankunft eines Fußballtrainers unterbricht«. Sprach’s und rauschte wütend aus dem Studio.

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Nun denn, das Leben geht weiter: »Manchmal siehst du schöne Menschen ohne Hirn, manchmal hässliche, die intelligent sind, wie Wissenschaftler. Auf dem Spielfeld ist es ähnlich. Von oben ist es eine Schande, aber der Ball rollt.«

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