25 Dinge über Holländer

Ik heb en twejaarig contract

Jol, Rutten, van Bommel – die Bundesliga schwört auf niederländische Trainer und Spieler. Und das nicht erst seit diesem Jahr. Geschichten und Anekdoten vom Cadillac des Jacobus Prins und der dicken Tüte von Quido Lanzaat 25 Dinge über Holländer
Heft #83 10/2008
Heft: #
83

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Holländer in der Bundesliga – einer der Befürworter ist HSV-Sportchef Beiersdorfer. Angesichts der gelungenen Transfers von Mathijsen und de Jong jubilierte er anno 2007 über die Holländer: »Sie passen von der Mentalität und Qualität zum HSV.« Was Mathijsen in eine Übernahmestrategie ummünzte: »Wartet ab, in ein paar Jahren stehen hier elf Holländer auf dem Platz.« Mit Rafael van der Vaart war dieser Plan offensichtlich nicht abgesprochen.

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Manchmal sind Niederländer die besseren Deutschen: Nachdem Kapitän Oliver Kahn nur unlustig am Tisch saß und dann viel zu früh die Weihnachtsfeier des FC Bayern München verließ, drohte die Stimmung zu kippen. Doch Conférencier Mark van Bommel sprang ein und hielt an Kahns Stelle eine kleine Rede.

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Und manchmal sind Niederländer die besseren Spanier. Dachte Rafael van der Vaart als er 2007 seinen Wechsel zum FC Valencia plante. Der Transfer platzte, auf ein Valencia-Trikot musste er nicht verzichten: »Van der Verrat« stand auf dem Weihnachtsgeschenk seiner Mitspieler.

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Huub Stevens, als Trainer von Schalke und Hamburg die Inkarnation des abgesicherten Einszunull-Sieges, über den niederländischen Fußball: »Die Abenteuerlust der Seeleute ist bis heute in uns Niederländern. Deshalb denken wir ein bisschen offensiver und insgesamt kreativer.« Vielleicht sollte Stevens seinen Stammbaum nochmal nach deutschen Vorfahren durchforsten. Oder nach italienischen.

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1980 heuerte Rinus Michels beim 1. FC Köln an und sorgte selbst bei Toni Schumacher für gänzlich neue Erfahrungen: »Michels war ein knochenharter Kerl, abgrundtief gehasst und geachtet zugleich. Das Training war eine einzige Quälerei: Gymnastik, Laufen bis zur Erschöpfung, ›angefeuert‹ durch Bemerkungen wie ›Kriecher‹, ›Flaschen‹, ›Dilettanten‹. Meine Freunde Pierre Littbarski und Klaus Allofs waren zutiefst gekränkt, glühend vor Wut, fühlten sich wie Sklaven behandelt.«

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Der erste holländische Trainer in der Bundesliga war allerdings nicht Michels, sondern Jan Notermans, der 1972 bei Arminia Bielefeld den Konkursverwalter nach dem Bundesliga-Skandal gab.

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Holländische Spieler heuerten schon früher in der Bundesliga an: Heinz Versteeg (Meidericher SV) und Jacobus Prins (1. FC Kaiserslautern) verdienten schon in der ersten Saison 1963/64 in Deutschland ihre Brötchen. Und vor allem Letzterer war das, was man wohl ein »Original« nennt. Kam mit einem Cadillac zum Training und hatte eine Kundenkarte im Mannheimer Rotlichtdistrikt.

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Was haben alle Niederländer in der Bundesliga gemein? »Alle Holländer in Deutschland waren richtige Ochsen: Eijkelkamp, Hoogma, Mulder, de Kock oder dieser Meijer.« Sagt jener Erik Meijer, der zehn Jahre lang in der Bundesliga spielte.

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Die holländische Selbstverpflichtung zu spektakulärem Fußball nahm der Bremer Vertragsamateur Arie van Lent in der Saison 1996/97 gegen den 1. FC Köln zu ernst. Er schoss vier Tore, das Spiel endete allerdings 3:2 für die Bremer. Van Lent hatte die Kölner mit einem Eigentor in der 9. Minute in Führung geschossen, sich dann besonnen und diese Schmach durch einen Hattrick getilgt.

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Dank Quido Lanzaat wird sich auch ein anderes holländisches Klischee noch ein wenig halten. Nach dem Hallenmasters-Finale 2000 in München wurde er positiv auf THC getestet, einer Zutat der weiblichen Blütenstände der Hanfpflanze. Später gab er zu, an Silvester zwei Joints geraucht zu haben. Lanzaat wurde nur für drei Monate gesperrt. Weil er die Tüten in Amsterdam geraucht hatte. Denn Haschisch steht in den Niederlanden nicht auf dem Doping-Index.

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»Ich spiele weiterhin mit Risiko. Schließlich profitieren alle davon: wir, das Publikum und auch der Gegner«, sprach Aad de Mos als Trainer von Werder Bremen. Es profitierten allerdings nur die Gegner, Werder versumpfte im Abstiegskampf und de Mos musste Bremen nach nur einem halben Jahr wieder verlassen, weil er vor Journalisten munter über seine Mannschaft hergezogen hatte.

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Multitasking:  Schalkes Eurofighter Johan de Kock hielt seinerzeit nicht nur die Abwehr der Königsblauen zusammen, sondern bastelte auch neben dem Platz am Erfolg der Schalker mit. Der studierte Straßen- und Wasserbau-Ingenieur half beim Bau der Arena AufSchalke.

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Johan Neeskens war als Spieler ein Weltstar, als Trainer bereitete ihm eine Station in Deutschland seine größte Niederlage: 1995 sollte er den Verbandsligisten FC Singen 04 in die Oberliga führen. Ein monströser PR-Coup der Singener und ein Debakel für den einstigen Weltstar, der nach nur einer Saison und dem wenig überzeugenden Platz 9 wieder entlassen wurde.

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Was auch auffällt: Ein Holländer ist ungern allein unter Fremden. Fred Rutten musste unbedingt seinen Ziehsohn aus Enschede, Orlando Engelaar, mit nach Schalke bringen. Und Martin Jol, der neue HSV-Trainer, hat seinen Bruder und einen Hofstaat an Assistenztrainern nach Hamburg geholt, um Heimweh zu vermeiden. Heimische Spieler hatte er allerdings nicht im Gepäck. Davon gab es in Hamburg ja auch schon reichlich.

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Hans van de Haar hat in der Saison 1999/2000 zehn Bundesliga-Tore erzielt. Und ist damit der erfolgreichste Bundesligatorschütze in der Geschichte des SSV Ulm 1846. Ein Rekord für die Ulmer Ewigkeit.

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Die holländische Antwort auf Michael Henke heißt Eddy Achterberg, der stets freundliche Sancho Pansa von Huub Stevens, Fred Rutten, Jupp Heynckes und Ralf Rangnick. Egal ob in Kerkrade, bei Twente Enschede oder Schalke 04: Achterberg, von Freunden »de Keu«, das Schweinchen mit den krummen Beinen, gerufen, war der ewige Co. Außer einmal: Als er 2004 zwölf Tage Cheftrainer auf Schalke spielen durfte und im zweiten Pflichtspiel als Chef die erste Niederlage kassiert hatte, blaffte der stets höfliche Achterberg in die Mikrofone: »Gute-Laune-Eddy hat heute keine gute Laune.«

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Lodewijk Roembiak wurde bei Werder Bremen liebevoll »Kugel« gerufen. Der technisch beschlagene aber leicht übergewichtige Mittelfeldspieler war der optische Vorgänger von Ailton. Eins unterschied ihn jedoch vom Kugelblitz: seine Sprachkenntnisse. Nachdem Paulo Rink und Oliver Neuville erst eingebürgert und dann für die Nationalelf nominiert wurden, spottete der Holländer: »Da kann ich ja auch gleich für Deutschland spielen. Ich kann wenigstens deutsch.«

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Harry Decheiver, bis heute der »Knipser«, musste seine Karriere bereits mit 28 Jahren wegen einer Hüftverletzung beenden. Decheiver hat nur 49 Bundesligaspiele bestritten. Doch 22 Treffer, sein zerzaustes Äußeres und seine lässige Haltung im Strafraum ließen ihn trotzdem zum Kultstürmer der 90er werden. Heute ist Decheiver Videothekenbesitzer in seiner Heimatstadt Deventer.

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Hin und wieder betätigten sich die Holländer auch als Importeure. So kickte Weltmeister Helmut Rahn von 1960 bis ’63 für den SC Enschede. Der erfolgreichste deutsche Spieler in Holland war aber Horst Blankenburg, der von 1971 bis ’73 dreimal mit Ajax Amsterdam den Europapokal der Landesmeister gewann.

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Auch die Frauen-Bundesliga setzte hin und wieder auf holländische Importe, so wie der 1. FFC Frankfurt, dessen Tor die niederländische Nationalkeeperin Marleen Wissink 1996 bis 2006 hütete und der mit ihr fünf Mal Deutscher Meister wurde.

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Der härteste aller holländischen Legionäre war zweifellos Kees Bregmann. beschäftigt beim MSV Duisburg und Arminia Bielefeld. Bregmann kassierte schon mal eine Rote Karte in letzter Minute »wegen fortdauernder Unbeherrschtheit« und knockte einen HSV-Spieler per Fausthieb aus. Was Coach Carl-Heinz Rühl kommentierte: »Bei ihm muss man ja immer mit so etwas rechnen.« Heute ist Bregmann Friseur in Amsterdam.

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In der Rangliste niederländischer Raubeine auch weit vorne: Frank Verlaat und seine nette Begrüßung des Linienrichters (»Blinde Sau«), wofür er eine von drei Roten Karte kassierte. Die gleiche Ausbeute: Youri Mulder, Rob Maas, Rob Reekers und Alfred Nijhuis.

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Und Willi Lippens war der wohl verhindertste Holländer der Bundesliga. Ausgestattet mit einem holländischen Pass und der stattlichen Bilanz von 242 Spielen und 92 Toren wurde nichts aus einer Karriere in Oranje. Lippens bestritt ein einziges Spiel für die Elftal. Beim Spiel gegen Luxemburg schoss er zwar ein Tor, wurde aber vom Rest der Mannschaft als halber Deutscher gemieden. »Ich bin rauf und runter gerannt, aber die anderen Spieler ignorierten mich.«

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Rob Reekers, holländischer Abwehrrecke vom VfL Bochum, trainierte nach Beendigung seiner Spielerkarriere Klubs wie den FC Gütersloh und SuS Stadtlohn. Bis ihn ein plötzlicher Karriereschub ereilte. Gemeinsam mit Hans-Jürgen Gede wechselte Reekers Anfang September zum aserbaidschanischen Erstligisten PFC Neftchi in die Hauptstadt Baku.

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Sonny Silooy wechselte 1996 von Ajax Amsterdam zu Arminia Bielefeld und kam dort nicht wirklich gut zurecht. An einen Wechsel aber dachte er nicht. Nachvollziehbare Begründung: »Ik heb en twejaarig contract. En het geld is hier fantastisch. Des noods ga ik twee jaar op de tribune zitten. Ik bin niet gek!«

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