25 Dinge über Essen & Trinken

»Rotwein mit Ei«

Roland Wohlfarth schluckt Appetitzügler, beim FC Bayern gibt es Rotwein mit Ei, Jörg Albertz lässt den Köter nicht in die Küche, und Branko Zebec kostet vom Hundekuchen. Kleine Geschichten über Kalorien und Kummerspeck. 25 Dinge über Essen & Trinkenimago
Heft #90 05/2009
Heft: #
90

1
Ernährungstechnisch ist das Leben als Profi wenig erfreulich: Wer’s nicht glaubt, sollte mal beim Bankett des FC Bayern nach Champions-League-Spielen vorbeischauen. Während sich Sponsoren und Edelfans vor den silbernen Platten drängeln, gibt es für die Profis nur Nudeln und Salat. Den die Spieler meist lustlos in sich hineinschaufeln, um sich möglichst fix zu verdünnisieren.

[ad]

2
Mit ungewöhnlichen Methoden versuchte einst Bayern-Coach Tschik Čajkovski seine Spieler zu kräftigen. Er verordnete ihnen »Rotwein mit Ei«, ein Gesöff, in das zusätzlich noch Traubenzucker geschüttet wurde. Das wurde so lange praktiziert, bis Manager Robert Schwan den Coach beiseite nahm: »Deine Spieler sind ja nach dem Training immer besoffen. Was machst du denn da?« Čajkovski antwortete trotzig: »Das ist gut für die Konstitution!«, musste die Kraftkur dennoch auf Geheiß der Führung abbrechen.

3
Feinschmecker Ansgar Brinkmann ließ sich auch von den gestrengen Blicken Benno Möhlmanns nicht aus der Ruhe bringen: Während einer Mannschaftssitzung vor einem Spiel der Bielefelder Arminia aß der weiße Brasilianer genüsslich seine Pommes Frites. Gespielt hat er trotzdem, die Fritten waren für ihn schließlich, folgt man den Brinkmann’schen Metaphern, das »Benzin fürs Spiel«.

4
»Beim Grillen wird erst die Fleischseite angegart bzw. leicht gebräunt. Dann dreht man das Filet um, so daß es mit der Hautseite auf dem Grillrost liegt. Nun wird es durchgebacken. Das Fleisch fällt dabei nicht so leicht auseinander und kann besser gehandhabt werden. Auch Nachwürzen gelingt nun besonders gut, da der Saft nicht nach unten auslaufen kann, sondern lediglich zu einem geringeren Teil aus den Seiten tropft.« Nachzulesen in Horst Hrubeschs Angelbibel »Dorschangeln vom Boot und an den Küsten«.

5
Werner Lorant hat schon in der Türkei, auf Zypern oder in Südkorea gearbeitet. Was zu manch neuer kulinarischer Erfahrung führte. In traditionelle koreanische Hunderestaurants wollte er allerdings nicht einkehren. »Ich habe schließlich selbst einen Hund zu Hause.« Ähnliche Ängste trieben Jörg Albertz um, als über einen Wechsel zum chinesischen FC Shenhua verhandelt wurde: »Es muss geklärt sein, ob ich dort mit meinen Hunden spazieren gehen kann, ohne dass sie in einem Kochtopf landen.«

6
Dragoslav Stepanovic bestrafte als Coach beim FSV Frankfurt seine Spieler mit Essensentzug. Als die Kicker von einem trostlosen 0:0-Auswärtsspiel zurückkamen, folgte die zweite Demütigung gleich hinterher. Stepanović verweigerte stinksauer auch noch die Herausgabe der mitgeführten Proviantbeutel.

7
Der konventionellen Stadionverpflegung misstraute Düsseldorfs Ex-Coach Aleksandar Ristić und führte deshalb in der Jackentasche stets eine Tüte Bonbons mit, die er gerne an gestresste Linienrichter verteilte. Ein Herz für die Zuschauer hatte hingegen Mannheims Trainer Klaus Schlappner, der auf der Bielefelder Alm gleich riegelweise Schokolade an die Zuschauer ausgab.
8
Eine eigene Art, sich auf ein Spiel vorzubereiten, hat England-Legionär Moritz Volz. Kuchen backen heißt bei ihm die Zauberformel, aber nicht nur einen, drei müssen es schon sein. Welche Kuchen Volz bäckt, hängt vom jeweiligen Gegner ab. »Spezielle Spiele, spezieller Kuchen«, so Volz im Interview mit der »Zeit«.

9
Als Roland Wohlfarth 1993 nach Frankreich wechselte, war er am Ziel seiner Träume: »Da konnte ich fein essen und musste nicht auf die Waage.« Zuvor hatte ihn der Kampf ums Idealgewicht als Kuriosität in die Bundesligageschichte eingehen lassen. Wohlfarth hatte den vermeintlich unbedenklichen Appetitzügler Recatol eingeworfen, um die über den Jahreswechsel angefutterten Pfunde loszuwerden. Einer der Inhaltsstoffe stand auf der Dopingliste: Norephedrin. Wohlfarth flog prompt auf und wurde gesperrt.

10 
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Spieler ebenfalls Gewichtsprobleme. Viele Kicker waren unterernährt und davon abhängig, dass wohlmeinende Anhänger ihnen Essensrationen zusteckten. Max Morlock, späterer Weltmeister von Bern, erhielt vom Metzger Strehl, dessen Sohn Heinz später auch im Club-Trikot Karriere machen sollte, jeden Samstag um drei Uhr nachmittags ein kleines Paket mit Wurst und Fleisch.

11 
Hektisch reagierte Bundesligist Bayer Leverkusen auf die BSE-Seuche. Als der Rinderwahnsinn nicht nur englische Kühe, sondern auch deutsche Rindviecher krepieren ließ, nahm der Werksklub jede Form von Rindfleisch vom Speiseplan. Vor allem den Burger-Freunden Robson Ponte und Paulo Rink wurde ins Gewissen geredet. An die Anhänger hingegen wurde weiterhin Rindfleisch verkauft, im stadioneigenen McDonald’s-Restaurant.

12 
Dass Fastfood mitunter beflügeln kann, zeigten die fröhlichen Dänen während der EM 1992. Während die deutschen Spieler auf Geheiß von Mannschaftsarzt Dr. Kindermann eine Mischung aus Oligosacchariden, Magnesium und Kalium herunterwürgen mussten, enterten die Dänen nach dem Training schon mal die örtliche McDonald’s-Filiale. Mannschaftsarzt Mogens Kreutzfeldt machte gute Miene zum kalorienreichen Spiel: Wenn die Burger den Spielern gut täten, »dann wird das nie schaden«.

13 
Der Sieg des kolumbianischen Erstligisten Boyaca Chico FC in der Copa Libertadores bei Aurora bekam den Spielern nicht gut. Beim anschließenden Bankett war das Fleisch wohl nachlässig gelagert worden. Nach dem Verzehr stritten sich neben den Spielern auch die Trainer und Physiotherapeuten um den besten Platz in der Keramik. Auch aus Rücksicht auf die anderen Passagiere wurde dem Tross auf dem Rückflug eine eigene Toilette zugewiesen.

14 
Der Sportschule Malente hatte stets den Ruf einer kargen Jugendherberge. Zumindest bei der Verpflegung konnte Malente jedoch den üblichen Eintopf der Herbergen locker abhängen. Am Ankunftstag der Nationalelf vor dem WM 1974 kochte Hans-Georg Damker, Wirt aus dem bayerischen Ruhpolding, für die Fußballer: »Spargelsuppe, Kalbsfilets, Spargel, Kartoffeln, Salat.« 

15 
Bei seinem ersten Engagement am Gladbacher Bökelberg pfiff Hans Meyer hin und wieder auf die goldenen Regeln der gesunden Ernährung und ließ zwischen zwei Trainingseinheiten schon mal gut durchgeschmorte Schweinshaxen anliefern, die in heiterer Atmosphäre in der früheren Wohnung des Hausmeisters vertilgt wurden.    

16 
Zur PR-Legende ist längst der sogenannte »Nutella-Fluch« avanciert. Denn welcher Jung-Nationalspieler auch immer für die Schoko-Creme am Frühstückstisch verkrampfte Witze riss, den ereilte prompt der Karriereknick: Benny Lauth, Tim Borowski, Kevin Kurányi oder Andi Hinkel. Die neue Besetzung gibt sich zwar selbstbewusst und verkündet wie Hoffenheims Tobias Weis: »Ich besiege den Nutella-Fluch!« Wer allerdings keinen Zusammenhang sieht zwischen der Schalke-Krise und dem neuen Nutella-
Testimonial Jermaine Jones, glaubt auch an die Mondlandung.

17 
Seit jeher setzt die Nahrungsmittelindustrie auf Fußballer als Werbeträger. Schon in den Siebzigern ließ sich Angreifer Erwin Kremers für sein kurzzeitiges Lieblingspils »Isenbeck-Bier« bezahlen, Gerd Müller kassierte für den herzhaften Biss in einen Mars-Riegel stolze 100 000 Mark. Man konnte sich allerdings auch verpokern. Wolfgang Overath hatte vor der WM 1974 Angebote für »Nudeln und Kleinkram« abgelehnt, um dann zusehen zu müssen, wie angesichts des verlorenen Stammplatzes in der Nationalelf die Tarife sanken.  
18 
Kommunistische Vergiftungen fürchtete der FC Bayern beim Europacupspiel 1973 in Dresden. Angeblich wegen des Höhenunterschieds zwischen München und Dresden (400 Meter) machten die Spieler kurz vor der Grenze Station und fuhren erst am Spieltag nach Dresden. Jahre später gab Uli Hoeneß zu, man habe Angst gehabt, die Stasi könne etwas anderes als Maggi ins Essen mischen.

19 
Dass durch strikte Ernährungsvorschriften auch Spieler vor sich selbst geschützt wurden, bewies Hamburgs Charly Dörfel anlässlich einer Europacuppartie in Lyon. Am Spieltag lag Dörfel bleich im Bett, obwohl er am Abend zuvor bestens gelaunt im Restaurant Kellner und Mitspieler unterhalten hatte. Ehrfurchtsvoll berichteten die Gazetten von Dörfels schier unersättlichem Hunger. Er verspeiste eine große Wurstplatte, Pommes, Käse und Eis, zu trinken gab es Cola, Sprudel, Orangensaft und eine Tasse Kakao. Die gab Dörfel wohl den Rest.

20 
Sportlich hat Hansa Rostock den Anschluss inzwischen verloren. Dabei waren die Hansestädter mal ganz vorn – was die Vermarktung sportferner Lebensmittel anging. 1995 brachten die Rostocker EU-genormte »Hansa-Kartoffeln« auf den Markt. Fortan hatten Käufer in den Supermärkten Mecklenburg-Vorpommerns die Wahl zwischen den festkochenden Sorten »Perry Bräutigam« und »Hilmar Weilandt«.

21 
In den Neunzigern wurde ohnehin jedes Nahrungsmittel, das nicht bei drei im Kühlregal war, einzelnen Vereinen zugeordnet. So verschmähten die Schalker Anhänger die vom Giganten »Westmilch« hergestellte »Borussia H-Milch« im gelbschwarzen Tetrapack. Der allergrößte Flop wurde allerdings der »FC Bayern Löwensenf«, der verständlicherweise weder blauen noch roten Fans in der Landeshauptstadt schmeckte.

22 
Beim 1. FC Köln gibt seit kurzem Physiotherapeut Dieter Trzolek den Speiseplan vor und verriet beim Amtsantritt geheime Hausmittel gegen Entzündungen: »Zwiebeln, Knoblauch oder Sardellen (für Omega-3-Fettsäuren)«. Hinterher aber bitte Zähne putzen!

23 
War Tomáš Rosický bei Sparta Prag wegen seiner Vorliebe für die böhmische Spezialität »Knödel« gerufen worden, rief ihm in Dortmund ein wohlmeinender Journalist angesichts der schmächtigen Statur zu: »Junge, iss doch mal ein Schnitzel.« Was wenig überraschend zum neuen Spitznamen führte.

24 
Ein unvergessliches Essen erlebte der Schweizer Hakan Yakin bei seinem neuen Klub Al-Gharafa in Katar: »Jeweils fünf bis sechs Spieler saßen um einen Tisch. In der Mitte stand ein Teller mit Reis und dazu ein ganzes Lamm. Meine Mitspieler sagten mir, es sei Tradition, dass die neuen Spieler die Zunge essen. Ich taktierte zuerst und schaute einem Einheimischen zu. Er aß dann die Hälfte der Zunge, die andere war für mich.«

25 
Wenn Bayern-Coach Branko Zebec im Trainingslager auf dem Zimmer von Maier und Schwarzenbeck vorbeischaute, lag immer Schokolade auf dem Nachtschränkchen, und Zebec fragte verlässlich: »Darf ich mir Schokolade nehmen, Katsche?« Bis Maier eine Idee kam: »Ich kaufe jetzt Hundeschokolade, die wir schön in Silberpapier einwickeln.« Zebec nahm auch an diesem Abend ein Stück, kaute darauf herum, ging hinaus und kam noch mal wieder: »Katsche, ein bisschen alt ist die Schokolade, gell!«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!