25 Dinge über Eintracht Frankfurt
01.11.2009

25 Dinge über Eintracht Frankfurt

»Die hacken mir die Eier ab!«

»Eintracht vom Main, du sollst immer siegen«, heißt es in der Vereinshymne. Hätte die Eintracht tatsächlich immer gewonnen, läse sich die Geschichte des Klubs nur halb so unterhaltsam. Hier die schönsten Anekdoten.

Text:
Jörg Heinisch
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Imago
1

Finanzielle Unregelmäßigkeiten gab es bereits im Jahr 1907. Kassenführer Kühn vom Eintracht-Vorgänger Kickers Frankfurt wurde vorgeworfen, die Kasse seit mindestens einem Jahr nicht ordnungsgemäß verwaltet zu haben. Außer 42 Pfennig in einer Blechbüchse konnte Kühn nichts vorweisen, etwa 900 Mark waren verschwunden.



2

Das Vereinsgelände am Riederwald befindet sich auf sumpfigen Untergrund, nach starkem Regen standen viele Räume unter Wasser. Angelockt durch die Feuchtigkeit gab es sogar eine Mäuseplage. Die Verantwortlichen reagierten findig: Übers Wochenende wurde eine Katze eingeschlossen, die dann brav Mäuse fing.

3

Seinem Namen machte Eintracht-Manager Udo Klug keine Ehre. Nach der Junioren-EM 1981 meinte Klug zu Holger Anthes vom FSV Frankfurt: »Warum willst du zur Eintracht? Gladbach ist doch viel besser!« Schon bald war Klug seine Stelle los.

4

Wild entschlossener Alexander Schur: Trainer Dragoslav Stepanovi? hatte dem Amateurspieler 1996 Hoffnungen auf das nächste Trainingslager der Profis gemacht. Doch dann hörte Schur nichts mehr von dem Coach. Zum Trainingslager reiste Schur kurzerhand auf eigene Kosten an und gesellte sich vor dem verdutzten Trainer zu den Profispielern. Und tatsächlich bekam Schur schon bald seinen ersten Einsatz.

5

»Nirgendwo konnte man sein Geld leichter verdienen«, verkündete Axel Kruse. Kein gutes Zeugnis für die Verhandlungspartnern auf Seiten des Klubs. Immer wieder wurde in der Öffentlichkeit bekannt, wie gerade unter Präsident Matthias Ohms, zu dessen Zeit Kruse für die Riederwälder spielte, das Geld zerrann und das nicht nur, weil jährlich schon mal 421?000 DM allgemeine Bewirtungskosten angefallen waren.

6

Trainer Gyula Lorant schikanierte gerne Spieler und Umfeld. Nur ein Beispiel: Bei einem schwer am Knie verletzten Spieler nahm er das Knie in seine Hände, spuckte darauf und schickte den Mann aufs Feld: »Jetzt ist es gesund, geh’ raus, und mach ein Tor, sonst bist du ein Invalide!«

7

Horst Heese lud seine Mannschaftskameraden zu einer Geburtstagsfeier zu sich nach Hause ein. Eine Anfahrtsbeschreibung teilte er nicht aus. Dafür hatte er vom Ortseingang bis zu seinem Haus große Pfeile auf die Straße gemalt.

8

Die Rivalität zwischen Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach konnte beängstigende Züge annehmen: Beim letzten Bundesligaspiel in Offenbach 1983 wurden Frankfurter und Offenbacher Anhänger auf der gleichen Tribüne untergebracht, nur getrennt von einem Zaun mit Polizisten. Während des Spiels bewarfen sich die Anhänger über die Köpfe der Polizisten hinweg mit Dartpfeilen.

9

Durch einen Zufall kam heraus, dass bis Ende der 80er Protokolle der Mitgliederversammlungen gefälscht wurden. Zwar wurden Aufzeichnungen angefertigt, für die Abschriften wurden Passagen allerdings von der aufzeichnenden Person, die dafür ein Diktierband neu besprach, verändert und teilweise in das Gegenteil verkehrt. Daraufhin wurde ein Stenograf mit dem Protokoll beauftragt. Erstaunlich: Zum Schein durfte der »Fälscher«, ein verdientes Mitglied, seine Tonbandaufzeichnungen bis zu seinem Tod fortsetzen.

10

Die höchste Anzahl an Zuschauern bei einem Eintracht-Spiel sind 127?621 Besucher am 18. Mai 1960 im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister gegen Real Madrid im Hampden Park in Glasgow. Vielleicht noch beeindruckender: 104?679 Zuschauer bei einem Freundschaftsspiel am 17. Oktober 1961 an gleicher Stelle gegen die Glasgow Rangers anlässlich der Einweihung der Flutlichtanlage.

11

Nach der Bundesligasaison 1993/94 reiste die Eintracht noch zu einem WM-Testspiel gegen die kolumbianische Nationalmannschaft nach Medellin. Es wimmelte nur so vor Soldaten, selbst in den Kabinengängen. Als Uwe Bein ausgewechselt wurde, brachten ihn Soldaten mit Schutzschildern in die Kabine. Bei der Rückkehr war das Hotel komplett von Armeestreitkräften umstellt. Die Frankfurter hatten nicht mitbekommen, dass auf der Rückfahrt vom Stadion ein Anschlag auf ihren Bus versucht wurde. Getroffen wurde ein Polizeiauto hinter dem Bus.

12

Die Geschichte ging noch weiter: Am nächsten Morgen wurden die Deutschen mit Armee-Hubschraubern vom Hoteldach zum Flughafen ausgeflogen. Medellíns Drogenboss Escobar war erschossen worden. Geortet wurde er während eines Telefongesprächs mit seiner Ehefrau. Diese war kurz zuvor am Frankfurter Flughafen zurückgewiesen worden und musste den Heimflug antreten. Escobars Gefolgsleute wollten sich vermutlich an Frankfurt rächen.

13


Horst Hrubesch hat 1978 einen Vertrag bei der Eintracht unterschrieben und doch nie für die Hessen gespielt. Hrubesch wollte selbst seinen Transfer bekannt geben. Würde er anderweitig bekannt werden, käme er nicht zur Eintracht. Hrubesch fuhr mit seinem Wagen auf der Autobahn in Richtung Ruhrgebiet und hörte die Nachricht vom Wechsel im Radio. Transfer geplatzt.

14

Präsident Dr. Klaus Gramlich verkündete 1988, Wochen nach dem Verkauf von Lajos Détári, auf einer Pressekonferenz, Trainer Kalli Feldkamp wolle die Eintracht verlassen. Der Trainer habe damit die Konsequenzen aus Détáris Verkauf gezogen. Kaum hatte der Präsident die Übereinkunft verkündet, fragte er leise, aber für die Zuschauer deutlich hörbar, seine Vorstandskollegen, ob man wirklich diese Regelung mit dem Coach getroffen habe.

15

Nach dem Spiel am 23. Oktober 1983 bei Hertha BSC Berlin lag der alkoholkranke Trainer Branko Zebec unansprechbar in der Kabine der Frankfurter. Journalisten versuchten, durch das gekippte Fenster der Kabine Fotos von Zebec zu machen. Die Verantwortlichen schlossen schnell das Fenster, organisierten einen Teppich, wickelten Zebec ein und luden ihn in ein Auto. Niemand ahnte, was sich im Teppich verbarg.

16

Trainer Erich Ribbeck gab sich viel Mühe, seinem Team Disziplin beizubringen. So lauerte er während nächtlicher Kontrollgänge sogar hinter Bäumen. Thomas Rohrbach verfolgte er einmal vom Trainingsgelände aus, verlor ihn aber. Daraufhin fuhr er zu Rohrbachs Haus und schlief dort in seinem Auto.

17

Thorsten Legat offenbarte bei einem Vorfall zu seiner Frankfurter Zeit in der Saison 1994/95 tiefe Abgründe: Eine schlechte Leistung erklärte er mit dem plötzlichen Tod seines Vaters. Die Eintracht schickte an Legats Elternhaus einen Trauerstrauß, den der überraschte Vater persönlich entgegen nahm.

18

Es bleibt nicht die einzige erfundene Geschichte von Thorsten Legat. Seine Behauptung, er wäre in einem Parkhaus von einem Fan mit einer Pistole bedroht worden, wurde allgemein angezweifelt.

19

Der als »Dr. Hammer« bekannte Bernd Nickel wurde gleich dreimal mit dem »Tor des Monats« ausgezeichnet, doch die skurrilsten, gleich vier direkt verwandelte Ecken, erfuhren diese Ehrung nicht. Er erzielte sie im Uhrzeigersinn, von einer Spielfeldecke zur anderen im Zeitraum von 1975 bis ‘82. Dabei schoss er stets mit dem linken Außenrist.

20

Schatzmeister Rainer Leben hatte in den alten Presseraum am Riederwald eingeladen, um Kritiker mit seinen Ideen für neue Einnahmequellen zu überzeugen. So präsentierte er das Vorhaben, die Eintracht könne Mitsubishi-Fahrzeuge an alle Bundesligisten verleasen und selbst die Gewinne einstreichen. 18 Klubs mit jeweils 20 Fahrzeugen.

21

Wer von dem Vorschlag Lebens nicht überzeugt war, für den hatte er auch noch ein weiteren Vorschlag: Die Eintracht könne Fußbälle in Pakistan herstellen lassen und dann die Bundesliga damit ausrüsten. Stückpreis: 100 Mark.

22

Das kurioseste Tor der Eintracht-Geschichte ist ein Treffer, der von Bernd Hölzenbein 1979 im UEFA-Cup-Spiel gegen Dynamo Bukarest in der Nachspielzeit der Verlängerung erzielt wurde – im Sitzen! Hölzenbein war auf den Boden gerutscht, als der Torhüter der Rumänen mit seinen Wollhandschuhen im strömenden Regen den Ball nicht festhalten konnte. Der Ball glitschte zu Hölzenbein, der den Kopf drehte und den entscheidenden Stoß gab.

23

Der 17-jährige Togolese Cherif Touré-Maman hatte eine befristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland bekommen und reiste, streng genommen illegal, mit ins Trainingslager nach Österreich. Der ebenfalls interessierte 1. FC Nürnberg schaltete den bayerischen Ministerpräsidenten ein, der eine polizeiliche Fahndung nach Cherif auslöste. Der Spieler wurde deshalb nicht im Mannschaftsbus, sondern im Kofferraum des Autos eines Betreuers zurück nach Deutschland geschmuggelt.

24

Entführungsopfer Manfred Binz: Binz stieg 1996 mit der Eintracht ab und nahm mit seinem Berater Klaus Gerster auch in Italien Gespräche mit neuen Arbeitgebern auf. Als Gerster eines Tages für eine Verhandlung wegflog, sah ein Funktionär die Chance gekommen, dem auch in Italien längst ungeliebten Manni Binz einen Denkzettel zu verpassen. Er verfrachtete ihn kurzerhand gegen dessen Willen in eine gänzlich fremde Stadt. Legendär sein panischer Anruf: »Klaus, die hacken mir hier die Eier ab.«

25

Sitzblockade der Fans nach einem Ligaspiel in Freiburg: Der damalige Vorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG, Steven Jedlicki, hatte aber eine Idee, wie er die Blockade auflösen könnte. In der Erwartung, die Fans zu besänftigen, verteilte er Autogrammkarten der Spieler, natürlich wirkungslos.

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Aus Jörg Heinischs Buch »Eintracht intim – Anekdoten und Kuriositäten aus der Geschichte von Eintracht Frankfurt« (Agon Verlag)


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