25 Dinge über den 1. FC Nürnberg

»Möge all dies bewahrt werden«

Einst hoffte Heinrich Stuhlfauth: »Der Klub möge nie untergehen.« Heute wäre er 115 Jahre alt geworden. Wir erinnern noch einmal an die schönsten Anekdoten über den »Mann mit den Bratpfannen« und die Historie des Clubs. 25 Dinge über den 1. FC Nürnberg
Heft #66 05 / 2007
Heft: #
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Beginnen wir mit Hans Meyer, dem aktuellen Club-Trainer. Der frohlockte kürzlich: »Wir stehen jetzt ganz oben und werden uns dort auch festkrallen. Sollen die anderen doch mal versuchen, diese Weltklasse-Mannschaft von dort wieder weg zu holen.«

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Peter Handke verewigte die Mannschaftsaufstellung des 1.FC Nürnberg vom 27. Januar 1968 in einem Gedicht. Was wiederum den FAZ-Besserwisser Volker Weidermann bis heute nicht ruhen lässt: »Nicht Leupold, wie im Gedicht vermerkt, lief damals als linker Verteidiger auf, sondern Hilpert. Das ist der Unterschied. Das Gedicht ist wertlos.«

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Die Zeiten ändern sich. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts elektrisierten die Nürnberger vor allem die Derbys gegen den direkten Nachbarn, die Spvgg Fürth. Das folgte damals dem Trend der Zeit, es galten für prominente Nürnberger auch Eheschließungen mit Damen aus Fürth als unschicklich. Heute reibt man sich eher an den Münchner Bayern und erinnert sich stets aufs Neue an den größten Sieg über den FCB in der Saison 1967/68. Beim 7:3 traf »Goldköpfchen« Franz Brungs allein fünf Mal.

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Willy Böß, ab 1913 für den FCN als Stürmer unterwegs, war eine der ersten Stimmungskanonen im rot-schwarzen Dress. Legendär insbesondere sein durchdringendes Organ. Aus den Erinnerungen von Club-Legende »Papa« Hofmann an eine Zugfahrt auf der legendären Vereinsreise nach Spanien: »Allmählich machte sich der Schlaf bei uns geltend und bald herrschte wohltuende Ruhe in einem der Abteile. In dem anderen, leider in dem meinigen, beherrschte die Stimme Böß’ mit unerbittlicher Ausdauer Raum und Zeit. Es war zum Davonlaufen und ich tat es auch. So schlief ich endlich ein und erwachte erst, als wir in die Nähe von Paris kamen. Der Tag hatte längst gegraut und bald wurde alles munter. Böß aber war noch munter.«

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Kaum eine Entscheidung der Klubführung empörte die Anhänger so, wie die Umbenennung des Frankenstadions zugunsten einer Kreditvergabepraxis der Norisbank. Die weitaus hübschere Alternative der Anhänger: Max-Morlock-Stadion…

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Apropos Max Morlock. Als der sich 1949 zum ersten Mal mit der späteren Gattin Inge verabredet hatte, flatterten dem späteren Weltmeister gehörig die Nerven. Also suchte Morlock zuvor ein Beratungsgespräch mit dem in solchen Dingen erfahreneren Herbolsheimer: »Wos mou i denn dou sogn?«

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Woher die innige Freundschaft zwischen Nürnberger und Schalker Anhängern rührt, darüber kursieren zahlreiche Anekdoten. Fest steht wohl nur, dass Mitglieder der »Gelsen-Szene« und der »Red Devils« die Freundschaft in der Saison 1980/81 begründeten. Mal wurde der Bund in der Schalker Fankneipe »City-Eck« beschlossen, mal soll die Freundschaft beim gemeinsamen Jagen einiger Bayern-Hooligans entstanden sein, mal sollen in einem »Stern«-Bericht Schalker Kutten mit FCN-Aufnähern zu sehen gewesen sein. Das wiederum sollen die Nürnberger so sympathisch gefunden haben, dass sie…

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Zwischen Bekanntheitsgrad und Erfolg besteht nur eine mäßige Relation. Sonst wären wohl die Handballdamen die Vorzeigemannschaft des FCN, die waren nämlich schon elfmal Deutscher Meister, einmal Pokalsieger und einmal Europapokalsieger.

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Zu den glücklosen Präsidenten des 1.?FC Nürnberg gehörte Gerhard Voack. Der verhökerte zunächst mitten in der Saison 1993/94 den allseits beliebten Dieter Eckstein an Schalke 04, um anschließend Trainer Willi Entenmann zu feuern, taktisch geschickt nach einem 2:0 gegen den FC Bayern. Am Ende stieg der Club ab.

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Anfang der 90er Jahre verfiel man beim FCN auf eine altbewährte Methode, die Siegchancen des Clubs zu verbessern. Die Schiedsrichter wurden mit allerlei Zuwendungen wie Heimtrainern, Sportartikeln und Kosmetika versorgt. Gefälligkeiten, die nur dadurch aufflogen, weil die Ausgaben sorgfältig auf der Geschäftsstelle notiert wurden.

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Einige Bestmarken: Bis 1987 trug der FCN mit neun Meisterschaften den Titel Rekordmeister, dann zog der FC Bayern München wohl für alle Ewigkeiten vorbei. Beim Club wurde auch der erste Trainer der Bundesliga-Geschichte gefeuert. Am 30. Oktober 1963 wurde Ferdinand Wenauer hinauskomplimentiert. Und schließlich war der 1.?FC Nürnberg auch der erste Klub, der als amtierender Deutscher Meister abstieg: Nach dem Triumph 1968 mit Meistertrainer Max Merkel folgte der Absturz ein Jahr später.

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Bis heute rätselt man in Nürnberg über die Gründe für den jähen Absturz im Jahre 1969. Die unglaubliche Leistungsdichte der Liga wird gerne angeführt, auch die Sorglosigkeit des erfolgsverwöhnten Clubs im Abstiegskampf. Eine Lieblingstheorie schon damals: unlautere Machenschaften zu Lasten der Franken. Verteidiger Wenauer vermutete ziemlich scharfsinnig Bestechung in eigenen Reihen: »Bekannt ist, dass Borussia Dortmund unseren Torhüter Jürgen Rynio eingekauft hat, der im Schicksalsspiel, dem 2:2 gegen Dortmund, zumindest einen vermutlich haltbaren Treffer passieren ließ.« Beweisen konnte er das alles leider nicht.

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Eine prägende Figur der Meistermannschaft von 1968 war zweifellos Zvezdan Zebinac. Der Dribbelkönig formulierte seine Spielphilosophie einmal treffend: »Für mich ist ein Fußballspiel die einzige Gelegenheit, wo man den Gegner lautlos auslachen kann, indem man ihm überlegen ist.« Seine tollkühnste Aktion vollbrachte er allerdings nicht in Nürnberg, sondern beim 1.?FC Köln. Dort gab sich ?ebinac als sein Zwillingsbruder Srdjan aus, die Kölner verpflichteten den vermeintlichen Superstürmer sofort. Srdjan konnte allerdings nur sehr mäßig kicken, er bestritt für die Kölner exakt drei Spiele.

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Den Rufnamen »Club« verdiente sich der 1.?FC Nürnberg übrigens bereits in den 20er Jahren, die Bezeichnung war Ausdruck der Bewunderung für die alles beherrschende bayrische Mannschaft jener Jahre.

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Die fränkische Radioikone Günther Koch hat schon viele Club-Reportagen über den Äther geschickt. Unvergessen, wie sich Koch im Herzschlagfinale 1999 fassungslos aus dem Frankenstadion »vom Abgrund« meldete und schließlich völlig entnervt japste: »Ich will das nicht mehr, ich halte das nicht mehr aus.« Beinahe ebenso populär ist Kochs prophetische Begleitung von Thomas Brunners Treffer am letzten Spieltag der Saison 1984/85 gegen Hessen Kassel. Schon bevor der Ball einschlug, rief Koch: »Bundesliga-Tor«.

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Apropos Thomas Brunner. Der spätere Torschütze war einige Monate zuvor in den legendären Spielaufstand gegen Coach Heinz Höher verwickelt. Fünf ältere Spieler, darunter Udo Horsmann und Rudi Kargus, wurden hinausgeschmissen, weil sie sich einem Straftraining verweigert hatten. Brunner wurde als einziger der verhinderten Revoluzzer begnadigt, allerdings nicht wegen guter Führung. Der Transferwert Brunners war fatalerweise als Sicherheit an eine Bank überschrieben worden.

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Der Standort des ersten richtigen Stadions des 1.?FC Nürnbergs folgte rein wirtschaftlichen Erwägungen. Errichtet wurde das Stadion im Jahre 1908 am Zerzabelshof außerhalb der Stadtgrenzen, um der Nürnberger Lustbarkeitssteuer zu entgehen. Ab 1966 spielte der FCN dann im Frankenstadion, der »Zabo« wurde verkauft.

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Die beeindruckende Spielkultur des 1.?FC Nürnbergs in der Frühzeit gilt als einer der Gründe, warum Herausgeber Walter Bensemann nach den Anfängen in Stuttgart und Ludwigshafen mit dem Fußballmagazin »Kicker« nach Nürnberg umzog, wo die Zeitschrift noch heute residiert.

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»Alles Blabla«, antwortete der Nürnberger Vlado Kasalo im Frühjahr unwirsch auf Vorwürfe, er sei in einen Wettskandal verstrickt. Bewiesen werden konnte dem Jugoslawen tatsächlich nichts von alledem. Merkwürdig war dennoch, dass er im Spiel gegen den VfB Stuttgart den eigenen Keeper Andreas Köpke bezwang, um im darauf folgenden Spiel beim Karlsruher SC schon wieder ins verkehrte Tor zu treffen. Später stellte sich immerhin heraus, dass Kasalo hohe Spielschulden hatte und in Casinos ein- und ausging. Ein Indizienprozess wegen Wettbetrugs war damit allerdings nicht zu führen. Dennoch gab insbesondere Schatzmeister Ingo Böbel zu Protokoll, er sei »tief traurig und menschlich ziemlich enttäuscht.« Was wiederum ulkig war, musste doch der herummenschelnde Böbel später selbst vier Jahre später wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

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Der wohl berühmteste Nürnberger neben Max Morlock war Torhüter Heinrich Stuhlfauth, der von 1916 bis ’33 601 Spiele für den FCN bestritt. Berühmt war der Keeper vor allem für seine Nervenstärke. Erzählt wird gerne, wie er vor einem wichtigen Spiel noch eine halbe Stunde vor Anpfiff in seinem Lokal, der Sebaldusklause, saß, um sich dann auf sein Motorrad zu setzen und beim Eintreffen in der Kabine lapidar zu verkünden: »Dou bini!« Mindestens ebenso mythenumrankt waren seine Hände, die überregional mit »Bratpfannen« verglichen wurden, in Nürnberg nannte man sie kurz »Abortdeckelhände«.

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Problem mit der Auslegeware hat derzeit der FCN-Coach Hans ­Meyer. »Dass der Herr Roth diese Teppiche jetzt inflationär verschenkt, wertet meine Teppiche total ab«, kommentierte Meyer mokant die Tatsache, dass sich Vereinspräsident Michael A.?Roth mit einem Perserteppich bei Hertha-Manager Dieter Hoeneß für dessen Vermittlerrolle bei Meyers ­Verpflichtung bedankt hatte.

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Ein durchaus pathetischer Satz von Heinrich Stuhlfauth ist heute Leitmotiv vieler Fanklubs des FCN. Zum Mitschreiben: »Es ist eine Ehre für diese Stadt, diesen Verein und die Bewohner Nürnbergs zu spielen. Möge all dies immer bewahrt werden und der großartige FC Nürnberg niemals untergehen.«

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Weniger geschliffen als Stuhlfauth drückte sich der erste Nationalspieler des FCN, Ludwig »Fips« Philipp, aus. Der schreckte laut »Kicker« nicht davor zurück, als »saugrober Spiel- und Sturmführer« seine Mitspieler lautstark und mittels ausgesuchter Verbalinjurien nach vorne zu treiben.

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Der FCN hat derzeit rund 380 Fanklubs, aufgeteilt in zehn Bezirke. Wer Mitglied werden möchte, sollte sich an einen der Bezirks-Koordinatoren wenden. Besonders vertrauenserweckend, geradezu kuschelig, kommt schon der Koordinator für den Fan-Bezirk I daher, mit seiner E-Mail-Adresse: bierbauch-nuernberg@gmx.de.

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Sollte der FCN übrigens demnächst Unterstützung aus der Politik benötigen, sollte der Club den 30. September 2007 abwarten. Dann nämlich tritt Günter Beckstein die Nachfolge Edmund Stoibers als bayrischer Ministerpräsident an. Was Stoiber von Beckstein trennt? »Ich bin Fan vom 1.?FC Nürnberg – er vom FC Bayern.«

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