25 Dinge über Aberglaube im Fußball

Sternzeichen, Shuttle-Busse und Kondome

Wusstet ihr, dass dass der AC Florenz einst eine Entfernung von 150 Metern im Bus zurückelgete? Heute ist Freitag, der Dreizehnte. Grund genug für die ultimative 25-Dinge-Liste über abergläubische Kicker. 25 Dinge über Aberglaube im Fußballimago
Heft #58 09 / 2006
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58

1.
Hasenpfoten waren gestern: Italiens Coach verließ sich bei der WM 2002 auf geweihtes Wasser, das Trapattoni aus einer Flasche heraus verspritzte. Das Wasser hatte ihm seine Schwester, eine Nonne, geschenkt. Die Wassergläubigkeit stieß selbst im ansonsten streng katholischen Italien auf Skepsis.

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2.
Bizarre Riten sind seit jeher eher die Regel als die Ausnahme in den Mannschaftskabinen: 1966 beispielsweise bestand Englands Nobby Stiles darauf, sich vor jedem Match sowohl die Brust als auch Gesicht und Hände in einer langwierigen Prozedur mit Olivenöl einzureiben. Sein Teamkollege Jack Charlton hingegen tauschte noch in allerletzter Sekunde die Stollen aus und marschierte nach dem Aufwärmen erst in die Kabine, wenn er einen Torschuss erfolgreich abgeschlossen hatte.

3.
Bruno Akrapovic, das einstige Lockenwunder von Energie Cottbus, weigerte sich stets, eine andere Rückennummer als die 8 zu tragen. Der Grund: Er unterschrieb am 8.8.88 seinen ersten Vertrag in Deutschland bei Arminia Hannover.

4.
Englands Stürmer Gary Lineker entwickelte über die Jahre ganz eigenen Methoden: »Beim Warmmachen habe ich niemals aufs Tor geschossen, denn ich wollte kein Tor vergeuden. Ich wollte mir die Treffer fürs Spiel aufsparen. In der Halbzeitpause habe ich immer mein Trikot gewechselt, wenn ich kein Tor erzielt hatte. War ich dagegen erfolgreich, behielt ich das Trikot an. Wenn ich mal längere Zeit nicht erfolgreich war, bin ich auch immer zum Friseur gegangen.«

5.
Frankreichs Nationalcoach Raymond Domenech berücksichtigt bei der Aufstellung auch die Sternzeichen der Spieler. Skeptisch stand Domenech vor der WM Skorpionen wie Robert Pirès gegenüber, die »bringen sich am Ende alle gegenseitig um.« Löwen wiederum sind stets bereit »Dummheiten zu begehen«. Der zur WM nicht berücksichtigte Johan Micoud mutmaßte daraufhin: »Vielleicht bin ich nicht im Kader, weil ich ein Löwe bin und es von diesem Sternzeichen einfach zu viele im französischen Team gibt.«

6.
Manche Funktionäre waren als Kinder offenbar zu häufig im Zirkus Sarrasani. Klaus Toppmöller schleppte als Trainer von Eintracht Frankfurt einen lebendigen Adler mit in die Kabine, Christoph Daum ließ in Leverkusen die Spieler zur Saisonvorbereitung über glühende Kohlen spurten. Und etwas ganz Pfiffiges hatte sich Manager Thomas Strunz in Wolfsburg einfallen lassen. Er malte eine große 1 auf ein Flipchart und verkündete: »Da will ich hin!« Und führte bekanntlich den VfL zur Deutschen Meisterschaft.



7.
Schon in den 60er Jahren, als Christoph Daum noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum rannte, nutzte Helenio Herrera als Trainer von Inter Mailand gruppendynamische Prozesse. Vor dem Anpfiff ließ er seine Mannschaft einen Kreis bilden und schwören: »Ich vertraue dir und du vertraust mir!« Salbungsvolle Worte, die Herrera allerdings in keinster Weise daran hinderten, seine Spieler nach Feierabend überwachen zu lassen.

8.
In der Saison 1997/98 tat der italienische Erstligist AC Florenz alles, damit die Spieler sich nicht unnötig verausgabten. Von den Umkleidekabinen wurden sie mit einem Shuttle-Bus zum Training gefahren. Die Strecke betrug immerhin 150 Meter.

9.
Große Hitze laugt Hochleistungskörper aus, Mediziner raten deshalb von Saunagängen und heißen Bädern in den zwei Tagen vor einem Spiel ab. Der Franzose Eric Cantona pfiff allerdings auf die guten Ratschläge und legte sich an jedem Spieltag morgens um acht Uhr für fünf Minuten in die warme Wanne.

10.
Fußballschuhe müssen passen. Außer bei Gerd Müller. Der trug stets Schuhgröße 41, obwohl ihm jeder Schuhhändler Größe 38 empfohlen hätte. Die Begründung: So könne er sich besser drehen. Der österreichische Scharfschütze Johann »Buffy« Ettmayer trug die Stiefel hingegen konsequent zwei Nummern zu klein. »Ich wollte immer ein Kondom an den Füssen haben«, erklärte er, »sonst hast du doch kein Gefühl.«

11.
Weniger Entscheidungsfreiheit hatte Gerd Müller bei der Wahl der Rückennummer. In der Nationalmannschaft hatte nämlich Uwe Seeler die älteren Rechte an der Nummer 9. Blieb als niedrigste Nummer die 13, die zuvor aus bekannten Gründen niemand überstreifen wollte. Müller schoss mit der Pechnummer auf dem Rücken bei Weltmeisterschaften immerhin 14 Tore, also aufgerundete 13.

12.
Bei der WM 1986 wurde der argentinischen Nationalelf fünf Wochen lang kein Hühnerfleisch serviert. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen war Trainer Carlos Bilardo davon überzeugt, Hühnerfleisch bringe Unglück. So kamen ausschließlich klosettdeckelgroße Rindersteaks auf den Teller, die Argentinier wurden Weltmeister. Vielleicht lag das allerdings auch an einem anderen beibehaltenen Ritus: Nachdem sich Bilardo vor der ersten Partie in Mexiko Zahnpasta von einem seiner Spieler geliehen hatte, kam es vor jedem Spiel der Argentinier bis zum Finale zum Zahnpflegetausch.

13.
Mit Gottes Hilfe: »Offenbach hätte 3:0 gewonnen, wenn ich nicht ein Papstbild in der Tasche gehabt hätte«, erklärte einst Schalkes Keeper Norbert Nigbur. Wie genau Johannes Paul II. allerdings die unhaltbaren Bälle herausgefischt haben sollte, vermochte auch Nigbur nicht zu erklären.

14.
Aggressiver missionierte da schon der Brasilianer Jorginho (»Gott ist mein Spielgestalter«), der in seiner Zeit bei Bayer Leverkusen nicht darauf verzichten wollte, gegnerischen Mannschaftskapitänen vor dem Spiel nicht nur einen Wimpel, sondern auch noch eine Bibel zu überreichen.

15.
Horst Ehrmanntraut ließ als Trainer von Eintracht Frankfurt plötzlich seinen Co-Trainer Bernhard Lippert nicht mehr in die Mannschaftskabine. Okkulte Begründung: Lippert strahle »negative Energien« aus. Der Assistent konnte sich die Energiefelder überhaupt nicht erklären und sagte später: »Mir hat auch nicht gefallen, draußen vor der Kabine zu warten. Horst hatte einige Macken, aber ich wusste damit umzugehen.«

16.
Französische Zärtlichkeiten bei der WM 1998: Nach siegreichen Spielen küsste Libero Laurent Blanc die Glatze seines Keepers Fabien Barthez. Nach dem Halbfinale gegen Kroatien tauchte sogar Staatspräsident Jacques Chirac in der Kabine auf und verpasste dem »tête chauve« einen dicken Schmatzer.

17.
Im Falle länger anhaltender Siegesserien werden alltäglichen Verrichtungen gerne glücksbringende Wirkungen zugeschrieben. In der Saison 1976/77 führte Trainer Gyula Lóránt bei Eintracht Frankfurt den Kaffeeklatsch vor dem Spiel ein. Mit Marmorkuchen und Jacobs Krönung im Magen blieb die Mannschaft 21 Spiele in Serie unbesiegt.



18.
Ebenfalls beliebt: mystische Kleidungsstücke. Am ersten Spieltag der Saison 1987/88 spielte der 1. FC Köln 1:1 in Karlsruhe. Manager Lattek trug trotz der Sommerhitze einen blauen Strickpulli. Nach dem Abpfiff fragte ihn ein Reporter: »Udo, ist das jetzt dein neuer Glücksbringer?« – »Na, klar«, antwortete Udo. »Und den ziehe ich erst wieder aus, wenn der FC mal ein Spiel verliert.« Und so geschah es. Vierzehn Spieltage lang sah man Lattek in Blau, dann verlor Köln in Bremen.

19.
Socrates, der brasilianische Stürmer, achtete stets darauf, als letzter Spieler das Feld zu betreten.

20.
John Terry, englischer Verteidiger, glaubt an die positive Kraft seiner Schienbeinschoner. Als die Schützer einmal verloren gingen, machte sich Terry auf die Suche und gab später zu, dass er einmal fast das Camp Nou in Barcelona umgepflügt habe, um sein vermisstes Paar ‚glücksbringender Schienbeinschoner‘ wieder zu finden. Terry: »Am Ende hatte ich etwa 50 Stück.«

21.
Harte Männer: Hartnäckig hält sich das Gerücht, Horst Hrubesch habe sich seine Kopfballstärke mit Medizinbällen im Training erarbeitet. Und Toni Schumacher trainierte sich die Angst vor allzu harten Schüssen in die Familienplanung ab, in dem er sich im Training absichtlich zwischen die Beine schießen ließ.

22.
Wie manch andere hochbezahlte Kicker rauchte auch der bullige Däne Preben Elkjær Larsen wie ein Schlot, dänische Journalisten schätzten seinen Konsum auf eine Packung täglich. Zu Elkjær-Larsens nahezu unverzichtbaren Ritualen gehörte die Zigarette in der Halbzeit. Die nächste genehmigte er sich nach Abpfiff in seinem Cabrio, das er rasant durch die Gassen Veronas lenkte. Einmal nahm er seinen Mannschaftskameraden Hans-Peter Briegel mit, der biedere Pfälzer ächzte hinterher: »Ich bin froh, dass ich mit dem Leben davon gekommen bin!«

23.
Der argentinische Keeper Sergio Goycoechea hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, vor Strafstößen des Gegners auf den Platz zu urinieren. Eine Methode, mit der offenbar nicht nur Fingerwarzen bekämpft werden, sondern auch gegnerische Stürmer verunsichert werden können. Die Methode hatte nämlich durchaus Erfolg, bis zum Finale 1990 in Rom.

24.
Jörg Berger wechselte 1998 bei seinem ersten Spiel als Coachder Frankfurter Eintracht die Trainerbank. Die Bank seiner unglückseligen Vorgänger Horst Ehrmanntraut und Reinhold Fanz war Berger suspekt. Außerdem dachte sich Berger: »Auf dieser Seite hatte ich auch mit Schalke oder Köln meist Erfolg.«

25.
Gar nicht so einfach, abergläubisch zu werden. Auch in seinem vierten Amtsjahr ist Falko Götz, Trainer bei Hertha BSC, nämlich immer noch auf der Suche nach ein klein bisschen irrationalem Gedankengut: »Es wäre schön, wenn ich ein Ritual hätte, dann könnte ich mir die Zeit, wenn die Mannschaft beim Aufwärmen ist, damit vertreiben und mich gleichzeitig beruhigen.«

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