12.06.2012

2006 Reloaded: Inflation der Sommermärchen

Auf Teufel komm raus

Auch die EM 2012 soll, ach was, muss ein Sommermärchen werden. Mindestens. Denn darunter geht es seit Söncke Wortmann einfach nicht mehr. Polemik gegen eine vergiftete Erwartungshaltung.

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Heinrich Heine sah sich zu einer Rechtfertigung gezwungen: »Beruhigt euch. Ich werde eure Farben achten und verehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige und knechtische Spielerei sind.« So steht es im Vorwort zu »Deutschland. Ein Wintermärchen«. Die Jüngeren werden hierbei vielleicht ein Buch vermuten, dessen Titel ganz billig von Sönke Wortmanns Film der WM 2006 abgekupfert ist. Wortmann war es aber, der sich bei Heine bediente. Während dessen Werk »Ein Sommermärchen« zum Dokument einer Zeit des Partyotismus wurde, musste Heine sich mit eingangs zitierten Worten gegen Vorwürfe verteidigen, er sei ein »Vaterlandsverräter«.

»Sommermärchen« – das verbinden die meisten Deutschen heute noch mit Schweini und Poldi, mit »schwarz-rot-geil«, mit enthemmten, wild feiernden Menschen. Bilder, die man sonst nur aus Bacardi-Werbespots kennt. 2006 war der »Summer of 69« eines ganzen Landes. Klar, dass die positive Konnotation immer wieder genutzt wird. So freut sich derzeit jeder Fanmeilenbetreiber auf ein »neues Sommermärchen«, Vitali Klitschko auf ein »ukrainisches Sommermärchen« und die unverwüstlichen Schlager-Barden Judith und Mel singen ihren Hit »Sommermärchen« im Elster Park in Plauen (auch im Repertoire des Duos: »Wer hat denn da wohl wen verführt«).

Double auf Zwang

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