20 Jahre KOS: Wir gratulieren!

Triumph der Fusselbärte

Dass es dem deutschen Fußball gerade so gut geht, hat auch mit denen zu tun, die heute Geburtstag feiern. Wir überreichen einen Blumenstrauß.

Der deutsche Fußball ist in den letzten Wochen so viel gelobt worden, dass man es eigentlich schon gar nicht mehr hören mag. Weil nicht nur die deutschen Mannschaften mit ihren wunderbaren Spielern aus dem eigenen Nachwuchs so wunderbar kicken, sondern in den fantastischen deutschen Stadien die Stimmung so mitreißend ist, gibt es Lob aus aller Welt. Vor allem dafür, dass der deutsche Fußball auch noch die Quadratur aller Kreise geschafft hat, es also weiterhin halbwegs günstige Tickets gibt und man mit dem Bier in der Hand stehen darf, ohne dafür mit sportlichen Niederlagen zu bezahlen.

Wie in solchen Fällen üblich, kann sich dieser Erfolg vor Vätern kaum retten. Schließlich waren eigentlich immer alle dafür, dass sich der deutsche Fußball dem internationalen Sitzplatzzwang verweigerte, er bezahlbar sein muss und die Fans in den Kurven für Spiel so elementar sind.

Wer jedoch 20 Jahre zurückschaut, wird schnell erkennen, dass der erfolgreiche Weg in schweren Zeiten begann und nicht ohne Widerstände war. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die neunziger Jahre waren ein finsteres Jahrzehnt der Fankultur.

1995: »Schindler-Juden wir grüßen euch«

1995 entrollten deutsche Fans beim Länderspiel im polnischen Zabrze das Transparent »Schindler-Juden wir grüßen euch«. Drei Jahre später schlugen deutsche Hooligans nach dem WM-Spiel gegen Jugoslawien in Lens den französischen Gendarm Daniel Nivel so zusammen, dass er bis heute ein Pflegefall ist. Und noch 2001 lieferten sich um das Länderspiel Deutschland gegen England über 700 Schläger aus beiden Ländern Straßenschlachten, darunter auch deutsche Skinheads, die »Juden raus« grölend durch München liefen.

In jenen Jahren hat es auch hierzulande nicht an Forderungen gefehlt, ausschließlich repressiv zu reagieren. Dass in Deutschland jedoch mit den damals gravierenden Problemen von Gewalt und Rassismus in den Stadien besser umgegangen wurde als in vielen anderen Ländern, hat nicht zuletzt mit den Fanprojekten zu tun. 1981 war in Bremen von fusselbärtigen Sozialpädagogen das erste gegründet worden, heute sind es 49 in ganz Deutschland.

Ihre Arbeitsweise war zu Beginn einzigartig und neu, weil die Sozialpädagogen auf die Fans zugingen. Sie halfen bei persönlichen Problemen und haben viele Fans an einer kriminellen Karriere vorbeimanövriert. Außerdem sind die Fanprojekte im Laufe der Jahrzehnte zum wichtigsten Vermittler zwischen Fans auf der einen sowie Vereinen und Verbänden auf der anderen Seite geworden.

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