1980: Deutschland - Holland 3:2

Zerkratzte Moderne

Als am 15. Juni 1980 im Gruppenspiel der Europameisterschaft das Spiel zwischen Deutschland und Holland abgepfiffen wird, hat das deutsche Team Historisches geleistet. Und muss erstmal Wunden lecken. Wir blicken zurück. 1980: Deutschland - Holland 3:2 15. Juni 1980 Deutschland – Holland 3:2 (1:0)  

Keine Frage, Spiele zwischen Holland und Deutschland waren schon immer etwas härter, der traurigen gemeinsamen Historie sei Dank. Doch was sich die Spieler der Niederlande im Gruppenspiel der Europameisterschaft 1980 im San Paolo-Stadion von Neapel leisteten, grenzte an Körperverletzung. Jung-Stürmer Horst Hrubesch zeigte der versammelten Medienschar immer wieder seinen zerkratzten Rücken, Hansi Müllers Fußgelenk schmückte eine dicke Bandage, Karl-Heinz Rummenigge schleppte sich mit zerschundenen Oberschenkel durch das Foyer des deutschen Mannschaftshotels. Es sah aus, wie nach einer Massenschlägerei.

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Torwart Toni Schumacher, sonst kein Kind von Traurigkeit, keifte: »Jonny Rep hat mir in die Hoden gekniffen, so ein unmögliches Verhalten habe ich noch in keinem Spiel erlebt.« Und der Hamburger Hrubesch sagt später: »Ich habe meinem Gegenspieler gesagt, dass ich nicht pervers sei. Er brauche meinen Rücken nicht zu zerkratzen.« Ins gleiche Horn stieß Bernd Schuster, der zuvor eine überragende Partie abgeliefert hatte: »Willy van de Kerkhof hat mich mit einem brutalen Faustschlag voll aufs rechte Auge getroffen. Der Schiedsrichter hat es gesehen, mir ist es unverständlich, dass er nicht auf Platzverweis entschied.« Nein, Freunde werden beide Fußball-Nationen auch nach diesem Aufeinandertreffen nicht mehr. Den Deutschen war das allerdings piepegal. Mit 3:2 hatte die Auswahl von Jupp Derwall den Gruppengegner Holland, immerhin amtierender Vize-Weltmeister, auseinander genommen.

Faustschläger und Hodenkneifer

Auseinander genommen? »Die Deutschen spielten Fußball modernster Prägung und haben sich schon ins Endspiel gespielt«, textete am nächsten Tag die italienische Zeitung »Tutto Sport« und traf damit den Tenor der internationalen Meinung. Erst spät waren den Holländern die beiden Treffer gelungen, darunter ein umstrittener Elfmeter, verursacht vom 19-jährigen Debütanten Lothar Matthäus (»Über die Elfmeterentscheidung kann ich nur lachen. Ich habe den Holländer Wijnstekers einen guten Meter vor der Strafraumgrenze zu Fall gebracht. Wäre er im Strafraum gewesen, hätte ich das Foul doch gar nicht begangen!«). Vorher waren es die Deutschen, die die Partie in der Hitze von Neapel bestimmten.

Allen voran das Kölner Mittefeldgenie Bernd Schuster und Klaus Allofs aus Düsseldorf. Alle drei Treffer erzielte der Fortuna-Profi, selbst in der Bundesliga war Allofs noch kein Dreierpack gelungen. »Der größte Tag meiner sportlichen Laufbahn«, urteilte der Angreifer nach dem Spiel. Überhaupt: Welch eine grandiose Mannschaft Bundestrainer Jupp Derwall gegen den WM-Vize von 1978 auf den Rasen schicken konnte: Schumacher im Tor. Libero Stielike, davor eine Dreierkette mit Manni Kaltz, Karl-Heinz Förster und Bernhard Dietz. Das Mittefeld: Ein Guss. Briegel, Müller, Schuster, später noch Magath. Und im Angriff: Rummenigge, Hrubesch und Klaus Allofs.

Stielike, Förster, Kaltz, Schuster, Müller...

Mit dem Sieg gegen den Erzrivalen aus dem Nachbarland stellte die Derwall-Truppe zusätzlich einen Uralt-Rekord ein: zwölf Siege in Serie, noch besser als die legendäre Breslau-Elf aus den dreißiger Jahren. Arkemio Franchi, damaliger UEFA-Präsident, mutmaßte denn auch: »In dieser Form ist Deutschland EM-Favorit Nummer Eins.« Wie Recht der gute Mann doch haben sollte.

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